Neue Ducati E-MTBsEigenständige Enduros mit Avinox-Power

Adrian Kaether

 · 27.09.2026

Das DM-170 RR für rund 10.000 Euro ist das Topmodell der neuen Ducati-Reihe.
Foto: Adrian Kaether
​Mit den E-MTBs DM-160 R und DM-170 RR schlägt Ducati ein neues Kapitel auf. Statt eines bekannten Rahmens mit Ducati-Schriftzug gibt es eine eigenständig entwickelte Carbon-Plattform, drei Flip-Chips und den kraftvollen Avinox-M2S-Antrieb. Die beiden Modellvarianten decken dabei das Spektrum vom langhubigen All-Mountain bis zum abfahrtsorientierten E-Enduro ab.

Themen in diesem Artikel

Ducati meint es ernst

Mit den neuen E-Enduros löst sich Ducati von anderen Marken und baut endlich eigenständige Bikes. Die Carbonplattform, drei Flip-Chips und der Avinox-M2S-Antrieb ergeben auf dem Papier ein technisch ambitioniertes Gesamtpaket, mit allerdings auch entsprechend selbstbewussten Preisen. Ein klares Plus: Die Ducati-Bikes sollen auch in klassischen Bike-Shops zu kaufen sein und nicht nur bei Motorrad-Händlern stehen. Für Service und Verfügbarkeit eine gute Nachricht. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Ducati im E-MTB-Geschäft? Das ist zunächst keine Neuigkeit. Die Motorradmarke aus Bologna hatte bereits mehrere elektrifizierte Mountainbikes im Programm, die technisch eng mit Modellen des italienischen Herstellers Thok verwandt waren. Den Anfang machte 2018 das Ducati MIG RR auf Basis des Thok MIG.

Bei der neuen Generation fällt der Neustart jedoch deutlich umfassender aus: Gemeinsam mit der Gruppo Zecchetto entstand eine neue Fahrradpalette, zu der neben Rennrad und Gravelbike auch die beiden E-MTBs DM-160 R und DM-170 RR gehören. Die italienische Unternehmensgruppe bündelt unter anderem DMT, Alé Cycling und den Carbon-Spezialisten Diamant und übernimmt bei Ducati Cycling Entwicklungs- und Produktionsaufgaben.

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Ducati DM-160 R und DM-170 RR: Eine Plattform, zwei Charaktere

Beide E-MTBs basieren auf demselben Vollcarbonrahmen, sollen aber unterschiedliche Einsatzbereiche bedienen. Das DM-160 R rollt serienmäßig auf zwei 29-Zoll-Laufrädern und ist als universelles, tourentaugliches und kräftiges All-Mountain konzipiert. Das DM-170 RR steht dagegen auf Mullet-Laufrädern mit 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll hinten. Mit mehr Federweg und Öhlins-Fahrwerk zielt es auf anspruchsvolle Enduro-Strecken, Sprünge und schnelle Abfahrten.

Interessant ist vor allem die Anpassbarkeit des Rahmens. Gleich drei Flip-Chips verändern die Fahrwerksprogression, die Geometrie und die Laufradkonfiguration. Damit lässt sich die Plattform nicht nur hoch oder flach stellen, sondern auch auf unterschiedliche Hinterradgrößen und einen stärker oder weniger stark progressiven Hinterbau abstimmen.

Das ist technisch aufwendiger als die bei vielen Konkurrenten übliche einzelne Geometrieverstellung. Es setzt allerdings voraus, dass sich der Besitzer tatsächlich mit Setup und Fahrwerksabstimmung beschäftigt. Wer die Einstellmöglichkeiten konsequent nutzt, dürfte die beiden Ducati-Modelle relativ präzise an Fahrstil, Gelände und Laufradvorlieben anpassen können. Dank des Progressions Flip-Chips soll auch der Einsatz einer Stahlfeder möglich sein.

Der Hinterbau arbeitet als Viergelenker mit Horst-Link. Für das DM-160 R werden 152 Millimeter Federweg am Heck genannt, das DM-170 RR stellt 170 Millimeter zur Verfügung. Mit einem Anti-Squat-Wert von etwa 116 Prozent im Sag soll die Plattform auch beim Pedalieren und auf technischen Anstiegen ausreichend Gegenhalt bieten.

Avinox M2S: Bis zu 150 Newtonmeter im Boost

Beim Antrieb setzt Ducati auf eines der derzeit leistungsstärksten Full-Power-Systeme. Der Avinox M2S liefert in Kombination mit dem fest integrierten 800-Wh-Akku bis zu 130 Newtonmeter Drehmoment und 1300 Watt Spitzenleistung. Im zeitlich begrenzten Boost-Modus sollen kurzzeitig bis zu 150 Newtonmeter zur Verfügung stehen.

Wie sich die zweite Generation des kompakten DJI-Antriebs in der Praxis fährt, zeigt unser ausführlicher Test des Avinox M2S. Dort überzeugte der Motor nicht nur mit brachialer Spitzenleistung, sondern auch mit einer gegenüber dem Avinox M1 nochmals verbesserten Modulation. Ergänzt wird das System durch adaptive Unterstützungsmodi, eine umfangreiche Sensorik und ein in den Rahmen integriertes Touchdisplay. Die Leistungscharakteristik der einzelnen Fahrstufen lässt sich über die zugehörige App anpassen. Gerade bei einem derart kräftigen Antrieb ist diese Möglichkeit mehr als eine Spielerei. Eine etwas zurückhaltendere Abstimmung kann auf losen, steilen oder verwinkelten Uphills die bessere Wahl sein.

Die Energie liefert bei beiden Ducati-Modellen ein 800-Wh-Akku. Er ist sauber in das Unterrohr integriert, allerdings nicht für die schnelle Entnahme vorgesehen. Das sorgt für eine aufgeräumte Rahmenkonstruktion und spart potenziell Gewicht sowie zusätzliche Schnittstellen. Wer den Akku zum Laden regelmäßig aus dem Bike nehmen muss, das Rad häufig im Auto transportiert oder längere Reisen plant, sollte den fest integrierten Energiespeicher jedoch in seine Kaufentscheidung einbeziehen. Zumal der große Akku einen erheblichen Anteil am Gesamtgewicht des Bikes ausmacht.

Ducati DM-160 R: Full 29 und robuste Ausstattung

Beim 7990 Euro teuren DM-160 R übernimmt eine RockShox Zeb Select mit 38-Millimeter-Chassis und 160 Millimeter Federweg die Arbeit an der Front. Am Heck steckt ein RockShox Super Deluxe Select+ in 205 x 60 Millimetern. Der Dämpfer bietet neben Zug- und Druckstufeneinstellung einen Threshold-Hebel, mit dem sich der Hinterbau für längere Anstiege straffer stellen lässt.

Geschaltet wird mechanisch mit Srams robuster Eagle 90 Transmission. Dazu kommen Maven-Base-Vierkolbenbremsen mit 200-Millimeter-Scheiben, FSA-NS-i30-Aluminiumlaufräder und 2,4 Zoll breite Continental-Kryptotal-Reifen. Eine KS-Rage-i-Stütze bietet in S1 und S2 jeweils 170 Millimeter Hub, in Größe S3 sind es 190 Millimeter.

Die Geometrie fällt modern, aber nicht experimentell aus. In Größe S2 kombiniert Ducati 477 Millimeter Reach mit einem 64 Grad flachen Lenkwinkel, 78,5 Grad virtuellem Sitzwinkel und 449-Millimeter-Kettenstreben. Damit dürfte das DM-160 R weniger als quirliges Trailbike auftreten, sondern eher viel Traktion, Laufruhe und eine zentrale Sitzposition bieten. Die beiden großen Laufräder passen zu diesem Ansatz: Sie sollten im groben Gelände effizient über Stufen und Steine rollen und dem Bike auf langen Touren einen gutmütigen Charakter verleihen.

Ducati DM-170 RR: Mullet, Öhlins und AXS

Das DM-170 RR ist nicht nur die abfahrtsorientiertere, sondern auch die sichtbar edlere Variante - gerade Motorrad-Fans dürfte das Öhlins-Fahrwerk ansprechen. Vorne arbeitet eine Öhlins RXF38 Air M.3 mit 170 Millimeter Federweg, TTX18-Dämpfung und Dreikammer-Luftfeder. Am Heck sitzt ein Öhlins TTX2 Air in 205 x 65 Millimetern, ebenfalls mit 170 Millimeter Federweg und Ducati-spezifischer Abstimmung.

Das Fahrwerk bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten und dürfte deshalb deutlich mehr Setup-Zeit verlangen als die RockShox-Kombination des DM-160 R. Erfahrene Fahrer können das Fahrwerk dafür präziser an Fahrstil und Streckenprofil anpassen. Zur RR-Ausstattung gehören außerdem eine elektronische SRAM GX Eagle AXS Transmission, Maven-Bronze-Bremsen und ein 800 Millimeter breiter FSA-Gradient-Carbonlenker. Praktisch: Das AXS-Schaltwerk wird direkt aus dem Hauptakku des Bikes versorgt. Eine separate Schaltwerksbatterie, die vor der Tour leer sein könnte, entfällt.

Mit 63,5 Grad Lenkwinkel fällt das DM-170 RR ganz schön flach aus. Gleichzeitig schrumpfen Reach und Kettenstreben in Größe S2 auf 471 beziehungsweise 442 Millimeter. Zu viel Spieltrieb darf man sich mit dem kurzen Heck aber wahrscheinlich wegen des flachen Lenkwinkels und üppigen Federwegs trotzdem nicht versprechen.

Überraschung beim Gewicht

Ducati gibt für das DM-160 R in Größe S2 ohne Pedale ein Gewicht von 23,4 Kilogramm an. Das besser ausgestattete DM-170 RR soll trotz mehr Federweg mit 22,8 Kilogramm sogar 600 Gramm leichter sein. Für E-MTBs mit 800-Wh-Akku sind beide Werte durchaus sportlich. Das gilt besonders angesichts der kräftigen Fahrwerke, der stabilen Reifen und der auf anspruchsvolle Abfahrten ausgelegten Ausstattung. Die Herstellerangaben müssen sich unter realen Bedingungen allerdings noch bestätigen.

Weniger großzügig fällt die Größenauswahl aus. Ducati bietet lediglich S1, S2 und S3 an. Zwar decken die Reach-Werte von rund 450 bis knapp über 500 Millimeter ein vergleichsweise breites Spektrum ab, sehr kleine Fahrerinnen und Fahrer sollten angesichts des 29-Zoll-Vorderrads und des 390 Millimeter langen Sitzrohrs dennoch genau prüfen, ob ihnen S1 tatsächlich passt.

Gleiches gilt am anderen Ende der Größentabelle. Drei Rahmengrößen können zwar rechnerisch viele Körpergrößen abdecken, erlauben aber weniger feine Abstufungen als die vier oder fünf Größen mancher Wettbewerber.

Preise und Verfügbarkeit

Das Ducati DM-160 R kostet 7990 Euro und kommt in der Farbe Matte Red Black. Für das in Nardò Grey Black lackierte DM-170 RR werden 9490 Euro aufgerufen. Beide Modelle sollen ab Oktober 2026 verfügbar sein und über autorisierte Fahrradhändler, das Ducati-Händlernetz sowie den Onlineshop von Ducati Cycling angeboten werden.

Ducati DM-160 R und DM-170 RR im Vergleich

RahmenUD-CarbonUD-Carbon
MotorAvinox M2SAvinox M2S
Akku800 Wh, fest integriert800 Wh, fest integriert
Laufräder29/29 Zoll29/27,5 Zoll
GabelRockShox Zeb Select, 160 mmÖhlins RXF38 Air M.3, 170 mm
DämpferRockShox Super Deluxe Select+Öhlins TTX2 Air
SchaltungSRAM Eagle 90 T-TypeSRAM GX Eagle AXS T-Type
BremsenSRAM Maven BaseSRAM Maven Bronze
Gewicht23,4 kg22,8 kg
GrößenS1, S2, S3S1, S2, S3
Preis7990 Euro9490 Euro

Gewichte laut Hersteller in Größe S2, ohne Pedale.

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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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