Je weiter man sich von der Mitte entfernt, desto spezieller werden die Dinge. Beim Thema Enduro, wo es um 160 Millimeter Federweg geht, scheinen jedoch andere Gesetze zu gelten. Doch immer der Reihe nach. Wir sprechen von der Kategorie, die bei BIKE das obere Ende der Testbandbreite markiert. Um üppigen Federweg und ein agiles Handling in Einklang zu bringen, müssen die Bike-Konstrukteure oftmals um jeden Millimeter feilschen. Stichwort Kettenstrebenlänge. Denkt man an die ersten Entwürfe der Bikes mit dem neuen Laufradmaß 27,5 Zoll zurück, gab es zum Teil Lähmungserscheinungen statt quirligem Trail-Genuss. Lange Kettenstreben hielten das Vorderrad am Boden, während die schweren Laufräder nur behäbig auf Touren kamen. Umso erstaunlicher präsentiert sich das aktuelle Enduro-Angebot. Trotz ordentlich Hub im Gepäck sind nicht nur Bikes mit dem aktuellen Standardmaß 27,5 Zoll vertreten, sondern ebenfalls ein paar 29-Zöller sowie neuerdings sogar das Maß 27,5-Plus. Volle Auswahl also, selbst im Enduro-Lager.
Um zu überprüfen, welches Konzept das größte Potenzial besitzt, luden wir acht Highend-Enduros zwischen 5499 und 7999 Euro zum Test ein. Darunter sechs Bikes mit konventioneller Bereifung sowie ein Specialized auf großen 29 Zöllern und das Scott Genius LT im Plus-Reifen-Format. Zum Überprüfen der Touren-Tauglichkeit ging es auf die Isar-Trails, die Abfahrts-Performance loteten wir auf dem Tschilli-Trail in Latsch aus. Mit seinem abwechslungsreichen Charakter die ideale Strecke, um Handling, Fahrwerk und Pannensicherheit von Laufrädern und Reifen gleichermaßen zu testen.
Bereits in den vergangenen Testgruppen sind wir auf die Allround-Tauglichkeit von aktuellen Enduros eingegangen. Dank moderner Geometrien klettern die Bikes auch ohne Gabelabsenkung sehr ordentlich, weshalb alle Testkandidaten auf dieses Feature verzichten. Zudem lassen sich die Hinterbauten im Bedarfsfall per Plattform straffen. Bei Cube, Rocky Mountain und Scott gelingt diese Übung mit Leichtigkeit vom Lenker aus, was im Renneinsatz echte Vorteile bringt. Scott geht beim Genius LT Plus sogar noch einen Schritt weiter und passt per Twinloc-Hebel gleichzeitig auch die Gabel an.
Ein zentrales Thema, das einem Bike Alleskönnerfähigkeiten verleiht, ist jedoch das Gewicht. Je teurer die Testgruppe, desto leichter lässt sich diese Anforderung unter einen Hut bringen. Mit nur 12,2 Kilo inklusive Pedalen zeigt Versender Propain eindrucksvoll, was möglich ist und impft dem Tyee CF Light erstklassige Klettereigenschaften ein. Im Durchschnitt bewegt sich die Testgruppe bei respektablen 13 Kilo. Im Vergleich zum vergangenen Highend-Enduro-Test in BIKE 12/14 hat der neue Jahrgang ein halbes Kilo abgespeckt, wodurch sich der Einsatzbereich nochmals erweitert.
Das zentrale Thema Gewicht spielt selbstverständlich auch in das Laufradkonzept mit rein. Sobald der Durchmesser größer oder die Reifen und Felgen breiter werden, steigt das Gewicht der rotierenden Masse. Zumindest, wenn man in Sachen Reifenstabilität und Pannenschutz keine Kompromisse eingehen möchte. Mit 4863 Gramm belasten die Plus-Laufräder (komplett inklusive Reifen) trotz Tubeless-Setup die Waage am stärksten. Dabei zählen die montierten 2,8er-Schwalbe-Nobby -Nic mit ihrer dünnen, flexiblen Karkasse sogar schon zu den Leichtgewichten im Plus-Bereich. Wer mehr Stabilität und Pannenschutz wünscht, muss zwangsläufig nochmals 300 Gramm draufpacken. Im Vergleich dazu liegt der 29er-Laufradsatz des Specializeds mit 4274 Gramm im guten Mittelfeld. Nur das Gewicht alleine schützt jedoch nicht vor einer hohen Trägheit, wie die Versuche auf unserem Beschleunigungsmesser belegen. Weil die Masse weiter von der Nabe entfernt ist, lassen sich die 29er nur ähnlich gut beschleunigen wie der Plus-Laufradsatz. Lediglich der ebenfalls schwere, normale 27,5er-Laufradsatz im Focus ist noch schlechter in Schwung zu bringen. Bergab können alle drei Laufradgrößen bestehen, wobei sich die Plus-Reifen durch das komfortablere, aber auch bei hoher Geschwindigkeit schwammigere Fahrgefühl am stärksten abheben. Auch das 29er vermittelt ein hohes Maß an Sicherheit. Noch mehr beeindruckt aber das spielerische Handling, das man bei den großen Laufrädern keinesfalls vermuten würde, was weniger für das Maß an sich, sondern für die Umsetzung im Fall des Specialized spricht.
Fazit Peter Nilges, BIKE-Testleiter:
Vom Prinzip her können alle drei Laufraddimensionen auch im Enduro-Einsatz bestehen. Es kommt aber nach wie vor darauf an, ob das entsprechende Konzept auch gut umgesetzt wird. Die Laufradgröße alleine macht definitiv noch kein gutes Bike. In Sachen Gewicht sind den Plus-Reifen allerdings Grenzen gesetzt. Denn ein stabiler und pannensicherer Drei-Zöller wird mit entsprechend breiter Felge immer wesentlich schwerer und damit träger sein, als ein üblicher 2,3er-Reifen und auch schwerer als die meisten Enduro-fähigen 29er-Pneus. Vor allem im harten Renneinsatz, wo ein hoher Pannenschutz zählt, werden Breitreifen es daher schwer haben. Vielleicht liegt die goldene Mitte ja doch bei 2,5–2,6 Zoll Breite?
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Extrem vielfältig und unübersichtlich präsentiert sich das aktuelle Angebot bei Enduro-Mountainbikes. Trotz ordentlich Federweg im Gepäck sind nicht nur Bikes mit dem aktuellen Standardmaß 27,5 Zoll vertreten, sondern ebenfalls ein paar 29-Zöller sowie neuerdings sogar das Maß 27,5-Plus. Volle Auswahl also, selbst im Enduro-Lager.
Um zu überprüfen, welches Konzept das größte Potenzial besitzt, luden wir acht Highend-Enduros zwischen 5499 und 7999 Euro zum Test ein. Darunter sechs Bikes mit konventioneller Bereifung sowie ein Specialized auf großen 29 Zöllern und das Scott Genius LT im Plus-Reifen-Format. Zum Überprüfen der Touren-Tauglichkeit ging es auf die Isar-Trails, die Abfahrts-Performance loteten wir auf dem Tschilli-Trail in Latsch aus. Mit seinem abwechslungsreichen Charakter die ideale Strecke, um Handling, Fahrwerk und Pannensicherheit von Laufrädern und Reifen gleichermaßen zu testen.
Für das aktuell kleinste Laufrad sprechen viele Faktoren, weshalb die meisten Enduros auf 27,5 Zoll rollen. Die kleineren Räder lassen sich konstruktiv einfacher mit viel Federweg vereinen, ohne große Kompromisse bei der Reifenfreiheit und der Kettenstrebenlänge eingehen zu müssen.
+ Geringes Gewicht
+ Hohe Laufradstabilität
+ Sehr gute Verfügbarkeit
+ Kaum Platzprobleme beim Rahmen
- Schlechteres Roll- und Überrollverhalten
Das Kunststück bei 29-Zoll-Enduros ist es, Platz für das einfedernde Hinterrad zu schaffen, ohne den Radstand auf XXL zu stretchen. Nur wenigen Herstellern gelingt das Unterfangen so gut wie Specialized, wodurch sich viele 29er mit viel Federweg oft sperrig fahren. Die Auswahl an Reifen war bis vor Kurzem recht eingeschränkt.
+ Sehr gutes Roll- und Überrollverhalten
+ Schwerpunkt tief unter der Radachse
- Höheres Gewicht
- Geringere Laufradstabilität
- Platzprobleme beim Hinterbau
Scott ist der erste Anbieter, der die Plus-Reifen mit Enduro-Federwegen kombiniert. Die breiten Reifen lassen niedrige Luftdrücke zu, was spürbare Vorteile bringt. In der Breite liegt aber auch der Nachteil, was das Gewicht angeht. Entweder sind die Reifen leicht, aber nicht pannensicher, oder stabil und sehr schwer.
+ Sehr guter Komfort
+ Hohe Traktion durch niedrigen Druck
- Hohes Gewicht durch breite Reifen / Felgen
- Aktuell geringe Auswahl an Reifen
- Platzprobleme beim Hinterbau
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DAUERAUFREGER
Diese Details fallen immer wieder negativ auf und nerven nicht nur in der Enduro-Testgruppe. Teilweise kann man aber mit einfachen Mitteln für Abhilfe sorgen.
Den kompletten Test der acht Enduro-Bikes lesen Sie in BIKE 8/2016. Die Ausgabe können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder im DK-Shop bestellen: