Dauertest-Leistung 2.620 km | 29.600 hm
Modelljahr 2013
Für den Tuning-Wettbewerb in BIKE 7/2013 war das Liteville richtig hübsch herausgeputzt worden: breite Syntace-Systemlaufräder, Clavicula-Carbon-Kurbeln, XX1-Antrieb, XTR-Stopper, Reverb-Stütze, dazu ein leichtes Syntace-Cockpit – das hatte damals auch bei mir den Speichelfluss angeregt. Am Ende fuhr das Liteville in diesem Festtagskostüm den Testsieg ein. Ein paar individuelle Anpassungen waren trotzdem nötig: Sattel und Griffe passten mir von Ergon besser, für bessere Touren-Tauglichkeit montierte ich ein 30er-Kettenblatt und ersetzte die schweren Schwalbe Magic Mary durch Hans Dampf.
Die wichtigste Änderung betraf den Hinterbau: Der Fox Float musste einem Fox Float X weichen – der holt eindeutig mehr aus dem Fahrwerk heraus. Spannend finde ich die Laufrad-Philosophie bei Liteville: "Scaled Sizing" nennen die Oberallgäuer ihr Konzept, das die Laufrad- von der Fahrergröße abhängig macht. Und da sich das Vorderrad aufgrund der physikalischen Parameter schwerer tut, Hindernisse zu überwinden, kommt beim Liteville vorne ein größeres Laufrad zum Einsatz als hinten. Für Rahmengröße L empfiehlt Liteville die Kombination 26/27,5 Zoll. Das ergibt einen Lenkwinkel von 65,2 Grad, was im gestreckten Bergabgalopp viel Sicherheit bringt.
Und wie hat sich das Bike dem Zahn der Zeit widersetzt? Die Freude an der prallen Optik ist etwas getrübt: Das Unterrohr zeigt ein Kraterfeld wie nach einem Meteoriteneinschlag. Zwar stammen die Schrammen wohl von einem gröberen Crash, ich würde 301er-Piloten aber dennoch einen Rahmenschutz fürs dünnwandige Oversized-Unterrohr empfehlen. Sieht man von diesem Makel ab, steht das Bike nach einem Betriebsjahr noch voll im Saft. Überrascht waren unsere Mechaniker vom Zustand der Lager: "fast wie neu".
Fazit: Seit Jahren sukzessive weiterentwickelt, macht das vielseitige Liteville 301 einen sehr ausgereiften Eindruck.
Funktionalität ******
Haltbarkeit *****
(max. 6 Sterne)
VERÄNDERUNGEN
• 100 km – Bereifung: Hans Dampf statt Magic Mary
• 700 km – Griffe und Sattel: GE1-Griffe und SM3-Sattel von Ergon montiert
DEFEKTE
• 300 km – Kraterlandschaft: Beulen im Unterrohr, vermutlich auf Sturz zurückzuführen
• 1300/1700 km – Bremsbeläge: Gute Bremsleistung, begrenzte Lebensdauer vor allem im Winter: die organischen Shimano-Beläge wurden zweimal erneuert.
• 1700 km – Kettenführung: Die Kettenführung zeigt einen Riss, verrichtet ihren Dienst aber weiter.
• 2000 km – Gabel/Sattelstütze: Rock-Shox-Reverb-Stütze und Fox 34 Float haben etwas Spiel.

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