Conway Ryvon LT 10.0Traum Enduro mit Bosch SX im Dauertest

Adrian Kaether

 · 08.07.2026

Aus drei mach vier: Neben Chefredakteur Josh, Testern Adrian und Florentin beteiligte sich auch Zubehör-Profi Stefan am Dauertest.
Foto: Georg Grieshaber
​Als Bike der Redaktion musste sich das Conway Ryvon LT 10.0 vier Dauertestern zugleich beweisen. Im Test überzeugte das werksgetunte Leichtbau-E-MTB damals auf ganzer Linie. Aber halten Bosch SX, Transmission und Tuning-Parts auch auf der Langdistanz durch? Hier kommt der Dauertest des edlen Boliden.

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Fazit zum Dauertest des Conway Ryvon

Bei den Fahreigenschaften kann das Conway bis heute punkten. Der Rahmen und die Leichtbau-Parts haben sich bewährt. Der SX-Motor wirkt überholt, sein Klappern stört. Das trägt auch zum deutlichen Wertverlust des Bikes innerhalb von nur zwei Jahren bei. – Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Bestnoten im Test: Das perfekte Light-Enduro?

„Die Kombination aus Nehmerqualitäten und Fahrspaß ist selten so gelungen.“ Unser erster Test von Conways Ryvon LT 10.0 von 2023 war euphorisch. Kein Wunder, dass wir das damals ganz neue Bike direkt als Redaktions-Rad zum Dauertest verhaftet haben. Und was die Fahreigenschaften angeht, gilt unser Credo von damals noch heute. Wer ein leichtes E-Enduro sucht, das auch bei normalen Trails noch Spaß macht, der ist beim Conway nach wie vor an der richtigen Adresse.

​Conway Ryvon LT 10.0: Die Fakten zum Dauertest

  • Preis: 9999,95 Euro zzgl. 2. Akku ca. 500 Euro
  • Gewicht: 18,9 Kilo
  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Größe / Reach: L / 472 mm
  • Federweg v. / h.: 170 mm / 170 mm
  • Laufradgröße: 29/27,5 Zoll (Mullet)
  • Gabel / Dämpfer: Fox 36 Grip2 / Fox Float X2
  • Bremse: TRP DHR-Evo, 220/200 mm
  • Schaltung: Sram XO Transm.
  • Laufleistung: 2394 km / 42 000 hm
  • Einschätzung Funktionalität: 8 / 10 Punkten
  • Einschätzung Haltbarkeit: 6 / 10 Punkten

Problemzone Motor: Bosch SX hinterlässt Fragezeichen

Möglich ist der Spagat aus spritzigem Fahrgefühl und viel Federweg dank der edlen Ausstattung unseres Bikes. Aber es liegt auch am schlüssig umgesetzten Konzept des Conway. Ein richtig leichter Vollcarbon-Rahmen, dazu Teile, die Funktion und Gewicht gleichermaßen im Blick behalten: Selbst heute noch ist das Rad mit 19 Kilo leichter als die meisten Light-E-MTBs. Das ist in Verbindung mit stabilen Reifen, langem Federweg und Wechsel-Akku schon eine Leistung.

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Leider ist nicht alles an unserem Dauertester so gut gealtert. Vor allem Boschs Light-Motor SX strapazierte die Nerven von allen vier Testern. Klappern aus dem Getriebe, Überhitzung und laute Antriebsgeräusche notierten wir regelmäßig ins Testprotokoll. Der filigrane Akku-Mechanismus könnte intuitiver sein. Wichtig, weil das Rad keinen Ladeport hat und die Batterie deswegen nach fast jeder Fahrt einmal zum Laden raus muss. Auf das Konzept des Bikes ohne Ladeport und dafür mit zwei schnell wechselbaren Akkus sind wir in unserem Dauertest Auftakt schon näher eingegangen.

Und die Batterien wackeln mit der Zeit zunehmend im Unterrohr. Auch das Akku-Cover gab beim Fahren regelmäßig Geräusche von sich. Mehrfach ging die Motorplakette verloren, und die funktional gelungene Mini-Remote erwies sich als anfällig. Einmal hängengeblieben und schon mussten wir ein Ersatzteil ordern.

Reichweite und Wechselakkus: Vielseitigkeit ist Trumpf

Mit der Reichweite haben wir unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Im winterlichen Niederbayern war der 400er-Akku schon auf kompakten Hausrunden mit knapp 800 Höhenmetern überfordert. Trotz sparsamer Fahrweise und fittem Testfahrer mit wenig Winterspeck. Das Konzept lautet zwar: kompakter Akku, dafür leicht und schnell zu wechseln. Wenn selbst auf kurzen Touren die zweite Batterie im Rucksack mit muss, dann ist das jedoch ein fragwürdiger Ansatz.

Es geht aber auch anders. Für eine gemeinsame Tour mit motorlosen Mountainbikern regelte Tester Florentin den Eco-Modus deutlich herunter und trat das Rad teils auch im Off-Modus. So genehmigte sich der Antrieb auf einer langen Trailtour in der Pfalz mit 1500 Höhenmetern nur 50 Prozent einer Akku-Ladung. Zugegeben: Hier hatte der Motor wirklich nicht mehr viel zu tun.

Isar, Hochgebirge und Bikepark: Das Einsatzgebiet des Ryvon

Ob Touren mit Bikern ohne Motor, Isartrails, Hochgebirge oder Bikepark: Seine Vielseitigkeit ist einer der besonderen Trümpfe des Ryvon LT 10.0. Neben diversen Feierabendrunden auf den flachen Touren nahe der Redaktion entführten wir das Rad auch in die Alpen und in diverse Bikeparks. Mal für ein paar Höhenmeter einen motorlosen Biker per Zugseil hinten anhängen geht genauso wie eine ausgedehnte Tour im E-Bike-Modus – unseren Zweit-Akku im Rucksack vorausgesetzt.

Chefredakteur Josh Welz begleitete das Conway bis auf den Blindseetrail und auf die Jumplines in Saalbach, Florentin Vesenbeckh scheuchte das Bike im Urlaub in südlichen Gefilden über Trailklassiker wie Finale Ligure. Mit Tester Adrian Kaether gings vom Odenwald bis in die Lenzerheide. Zubehör-Profi Stefan Frey fuhr das Bike viel auf seinen Hometrails um Landshut. So kam das Conway in Summe viel herum.

Die gute Nachricht: Ausfälle an den verbauten Komponenten oder am Rahmen gab es trotz Leichtbau-Fokus nicht zu vermelden. Der Lack hat deutliche Scheuerstellen von den Fersen am Hinterbau. Die Lager laufen aber noch sauber, und kapitale Defekte blieben aus.

Leicht & edel, aber auch haltbar?

Wenn man über das Conway im Dauertest spricht, muss man auch die Komponenten etwas genauer in den Blick nehmen. Werkstuning ist hier das Stichwort. Denn während Conway als Hersteller sonst eher vernünftige und preisbewusste Bikes baut, gingen die Niedersachsen beim Ryvon LT 10.0 in die Vollen.

Mitverantwortlich für das geringe Gewicht sind sehr leichte Carbon-Laufräder von Acros. Sie fuhren sich eher steif, waren aber unkompliziert in der Handhabung und machten alle Einsätze klaglos mit. Nur der laut tönende Freilauf störte uns auf Dauer. Das Geräusch lässt sich einstellen, bleibt aber immer präsent.

TRPs DH-R Evo Bremsen glänzten ebenfalls mit zuverlässiger Funktion, gluckerten nur mit den neueren Nachrüstscheiben etwas. Das Fox-Fahrwerk hat sich bewährt, braucht jetzt aber einen Service. Die 36er-Gabel ist schlanker als bei 170 Millimetern Hub üblich. Die geringere Verwindungssteifigkeit im Vergleich zur 38 empfanden wir aber als komfortabel und angenehm. Das scheint mancher Konstrukteur auch so zu sehen. Kein Wunder also, dass Konkurrent Rockshox gerade der Lyrik ein Revival bis 170 Millimeter Hub gönnt.

Verschleiß und Kosten

Besonders strapaziert wird am E-MTB der Antriebsstrang. Funktional waren wir bis zum Schluss von Srams XO Transmission begeistert. Am E-Bike sind die geschmeidigen Gangwechsel unter Last einfach eine besondere Wohltat. Allerdings mussten wir dem Schaltwerk nach knapp 1000 Kilometern einen neuen Käfig spendieren, da die Spannung nicht mehr stimmte. Schön, dass dieser separat gewechselt werden kann, sogar werkzeuglos. Allerdings wurden dafür 100 Euro fällig. Zum klassischen Verschleiß gehört die Kette, die wir einmal erneuern mussten. Nochmal gut 100 Euro. Typisch E-MTB: Der Wertverlust schlägt heftig zu Buche, weil insbesondere die Antriebstechnik schnell veraltet. Das Rad wäre heute als Gebraucht-Bike nicht einmal mehr die Hälfte wert.

ErsatzteilPreis
Schaltkäfig100 Euro
Reifen150 Euro
Bremsbeläge50 Euro
Bosch Mini Remote59 Euro
Kette104 Euro
Wertverlustca. 6000 Euro

Im Laufe der Zeit probierten wir auch einige Zubehörteile am Conway aus. Enduro-Laufräder aus Alu von Hunt gaben dem Bike ein etwas satteres aber weniger verspieltes Handling. Der weiche Maxxis-Vorderreifen wich erst einer Radial-Kombi von Schwalbe und zuletzt dem sehr haltbaren Conti Kryptotal. Die Funk-Teleskopstütze von Fox ist optisch nett, benötigt jedoch einen separaten Akku, den man dann auch zusätzlich laden muss. Sonst ist Ärger vor der Tour vorprogrammiert. Die Original-Dropper von Vecnum ist dafür leichter und lässt sich im Verstellweg justieren. Eine uneingeschränkte Empfehlung gibt’s für die E-Bike-Kurbeln von Newmen mit Arretierungs-Pin zum Kette schmieren: günstig und auch nur geringfügig schwerer als die edlen E-Thirteen Carbon-Kurbeln des Serienbikes.

Das Conway Ryvon im Überblick

Stärken:

  • Tolles Handling
  • edle und haltbare Ausstattung
  • vielseitig im Einsatz
  • geringes Gewicht

Schwächen:

  • Lautes Klappern
  • Motor wirkt überholt
Fahrerisch begeistert das Ryvon bis heute. Vor allem der leichte Bosch-Motor wirkt aber überholt und das Klappern störte.Foto: Adrian KaetherFahrerisch begeistert das Ryvon bis heute. Vor allem der leichte Bosch-Motor wirkt aber überholt und das Klappern störte.

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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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