Florentin Vesenbeckh
· 22.04.2026
So viel Abfahrtsstärke gab’s an einem E-Mountainbike für 3500 Euro wohl noch nie! Das Torque:On CF 7 ist schon im Einstiegstrimm “ready to Bikepark” und macht auch richtig zünftige Enduro-Ritte mit. Allerdings muss man sich mit dem schwächeren, älteren Shimano EP6 zufrieden geben. Und Achtung: Dieses E-Bike eignet sich weniger als komfortables Tourenbike mit Komfort-Plus, es will sportlich und aktiv bewegt werden und schreit nach schweren, schnellen Trails. - Florentin Vesenbeckh, Testredakteur
Mit 180/175 mm ist das Torque:On CF das Federwegsmonster in der Riege von Canyons E-Mountainbikes. Der Einsatzbereich ist damit klar gesteckt: Irgendwo zwischen Enduro, Freeride und Downhill - Hauptsache schwere Abfahrten stehen in der Priorität weit oben. Das Chassis besteht an Hauptrahmen und Hinterbau aus Carbon - das ist in dieser Preisklasse die absolute Seltenheit, wenn nicht einmalig. Allerdings hat die Konstruktion schon einige Jahre auf dem Buckel. Neu vorgestellt wurde das Canyon Torque:On CF vor ziemlich genau drei Jahren.
Auffälligstes Manko: Der Motor. Die Shimano Steps-Antriebe sind ohnehin nicht mehr die aktuellsten E-Motoren am Markt und obendrein steckt im Einstiegsmodell nur der günstigere und etwas schwächere Shimano EP6. Im normalen Einsatz reicht die Power vollkommen aus. Doch im direkten Vergleich zur aktuellen Motorengeneration um Bosch Performance CX oder gar Avinox M2S muss man deutliche Abstriche machen. Bei Leistung und Drehmoment genauso, wie bei Modulation und Geräuschkulisse.
Die Batterie hat Canyon komplett neu entwickelt. Nachdem es mit dem ursprünglichen Akku Sicherheitsprobleme gab, haben die Koblenzer extra einen besonders robusten Energieträger mit Alu-Hülle entwickelt. 800 Wattstunden liefert der, damit ist eine absolut solide Reichweite drin, zumal der EP6-Motor auch bei Turbo-Schub nicht zu durstig ausfällt. Die Batterie kann weiterhin nach unten aus dem Unterrohr gezogen werden. Das ist etwas aufwändiger als klassische Klapplösungen, doch im Zweifel schnell erledigt.
Die Geometrie des Bikes verfolgt ein klares Motto: Länge läuft! Radstand und Reach sind super lang. Und auch sonst fällt das Bike sehr groß aus. Im Zweifel solltet ihr eher zur kleineren Rahmengröße greifen. Vier Größen von S bis XL stehen zur Wahl. Das Gewicht von rund 25,5 Kilo ist für ein E-MTB mit Vollcarbonrahmen hoch. Daran sind neben dem schweren Akku auch die robusten Federlemente Schuld. Ein ausgewiesenes Leichtgewicht war das Torque:On CF nie. Allerdings sind richtig federwegsstarke E-MTBs zum Teil noch deutlich schwerer, solange sie nicht mit Highend-Parts getunt sind.
Aus diversen Tests wissen wir: Die Bezeichnung Mini-Downhiller ist für das Torque:On CF keine Übertreibung. Wer ein E-MTB sucht, mit dem er auf schnellen, ruppigen Downhill-Pisten auf Sekundenjagd gehen kann, ist hier richtig. Laufruhe und Nehmerqualitäten spielen ganz oben mit. Auch wenn man mit den günstigen Federelementen am CF 7 natürlich leichte Abstriche hinnehmen muss. Doch schon die günstige ZEB Base nimmt es durchaus mit erwachsenen Freeride- und Downhillstrecken auf. Der Stahlfederdämpfer sowieso. Auch die Sram Code-Bremsen gehören heute nicht mehr zur Crème de la Crème der E-Enduro-Stopper. Doch gemessen am Preis geht auch dieser kleine Makel mehr als in Ordnung. Denn auch mit diesem Setup seid ihr auf schweren Trails ordentlich gerüstet. Dennoch: Eine aktuelle Maven packt natürlich spürbar stärker zu.
Den Charakter des Bikes haben wir stets als sportlich und definiert erlebt. Das wissen versierte Piloten im rauen Geläuf zu schätzen. Doch wer bergab mit moderatem Tempo unterwegs ist, könnte mit dem Komfort und dem Handling in engen Kurven hadern. Als gediegener Tourenpartner eignet sich dieser Bolide damit nicht unbedingt perfekt. Auch in steilen Uphills gibt es bessere Bikes. Allein der etwas schwächere Motor verhindert Bestnoten und auch die Fahrposition ist nicht auf extremes Klettern hin optimiert. Dafür punktet das traktionsstarke Fahrwerk.

Redakteur CvD