Würde das spanische Bike-Label Sujetador heißen, wäre das komisch. Denn das heißt. Büstenhalter, also BH auf Deutsch. Jetzt ist es andersrum: Die Spanier heißen BH, das steht für Beistegui Hermanos. Doch die Abkürzung klingt im Deutschen etwas befremdlich. Dabei ist die Firmengeschichte alt und spannend und die Beistegui-Brüder aus dem Baskenland haben einen tollen Übergang hingekriegt, denn sie haben die Waffenmanufaktur in eine Fahrrad-Firma umgewandelt und sich früh im Straßenrennsport engagiert.
Das neuste Baby der über 100 Jahre alten Firma heißt: iLynx+ DL. Der „Luchs“ ist ein E-Enduro mit 170-mm-Heck und dem neuen DJI Avinox-Motor M2S und großem Akku. Der Antrieb drückt ordentlich, der Akku hält ewig und der Rahmen wirkt so clean, als hätte der Konstrukteur den Motor vergessen.
Der Avinox M2S legt 150 Nm Drehmoment auf die Kette und schießt im Turbo-Modus bis 1.300 Watt hoch. Die Kraft kommt dank vieler Sensoren sanft und schön leise. Technische Anstiege? Kein Problem. Der Motor zieht gleichmäßig durch, statt hektisch zu jaulen. Nun, unter Voll-Last muss er schon ein bisschen stöhnen. Wir verzeihen es ihm bei der Kraftanstrengung.
Dazu packt BH einen 800-Wh-Akku rein, der bis zu 157 Kilometer Reichweite verspricht. Plötzlich sind lange Touren mit richtig vielen Höhenmetern drin, ohne dass du ständig ans Laden denken musst.
Im Oberrohr sitzt ein fetter 2-Zoll-OLED-Touchscreen, der auch bei praller Sonne noch alles klar zeigt. Zwei kabellose Fernbedienungen am Lenker regeln Modi und Display – fertig ist der cleane Look.
BH hat den Unterrohrdurchmesser auf das schmalste Maß der ganzen E-Palette geschrumpft. Das iLynx+ DL wirkt plötzlich viel schlanker und näher am klassischen MTB. Natürlich auch dank dem gedrungenen Baumaß des Avinox-Motors. In den Rahmen, selbst mit ggyback-Dämpfer, passt eine normale Trinkflasche. Kabel verschwinden komplett im Rahmen, der Hinterbau bekommt extra Schutz, und ein BlockLock-System verhindert, dass der Lenker irgendwo anstößt. Sattelstützen mit bis zu 200 mm Hub? Geht problemlos.
Der Carbon-Rahmen kommt mit der Ballistic-Layup-Technik und dem Hollow-Core-Verfahren. Überflüssiges Material fliegt raus, die Struktur wird sauberer und stabiler. Das Ergebnis: ein leichtes, extrem steifes Chassis, das harte Enduro-Schläge locker wegsteckt, glaubt der Hersteller.
Den Luchs gibt es auch in Alu. Wer nicht gleich tief in die Tasche greifen will, bekommt das iLynx+ DL auch mit hydrogeformtem Aluminium-Rahmen. Die Optik bleibt nah am Carbon-Modell, polierte Schweißnähte inklusive. Die Kern-DNA bleibt erhalten, nur der Preis wird freundlicher.
170 mm Federweg im Heck machen das iLynx+ DL zum action-tauglichsten E-MTB von BH. Der steile 77,5-Grad-Sitzwinkel bringt dich effizient bergauf. Der flache 63,5-Grad-Lenkwinkel und kurze 450-mm-Kettenstreben sorgen in steilen, technischen Abfahrten für Spaß und Kontrolle. Vier Rahmengrößen von S bis XL passen fast jeden.
Split Pivot, nennt sich das Hinterbau-System von BH. Das bewährte Split-Pivot-System will Brems- und Federungskräfte trennen. Pedalieren wird effizienter, die Reichweite steigt, und in der Abfahrt bleibt die Traktion top. Anti-Rise-Charakteristik inklusive – das Bike bleibt ruhig, wenn du in die Bremsen steigst. Davon sind die BH’ler überzeugt.
Insgesamt sechs Varianten stehen zur Wahl – vier in Ballistic Carbon, zwei in Alu. Los geht’s bei 4.799,90 Euro. Über das BH Unique Programm kannst du dir außerdem deine Wunschfarbe zusammenstellen. Individualisierung auf Spanisch-Niveau.

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