Archibald AC1Edelstahl-Fully mit High-Piovot und Getriebe

Jan Timmermann

 · 10.10.2026

Alex Troughton startete Archibald Cycles als Uni-Projekt in seiner Garage. Heute leitet er die Entwicklung der kanadischen Marke.
Foto: Archibald
​High Pivot, Stahlrahmen, Getriebe und individuelle Geometrie: Das Archibald AC1 geht bei der Konstruktion eines modernen Mountainbikes bewusst eigene Wege. Die kleine kanadische Marke baut das Bike in Vancouver und bietet es inzwischen als Trail-, Enduro- und Downhill-Version an. Wir haben das Archibald AC1 im Detail ausgecheckt.

Themen in diesem Artikel

​Das Archibald AC1 setzt sich bewusst vom Mainstream ab: sei es bei Rahmenmaterial, Antrieb oder Hinterbausystem. Entwickelt und gefertigt wird das Bike mit dem Chassis aus M3-Edelstahl in Vancouver, British Columbia. Es soll haltbar sein, wie kein zweites Mountainbike-Fully. Die Geschichte der Marke begann 2019 mit ersten Prototypen in einer Garage. Heute wird das AC1 von einem kleinen Team für technik-begeisterte Mountainbiker in Kleinserie gebaut. Wir haben alle Infos zum abgefahrenen Stahl-Fully.

Fazit

Ein so radikales Mountainbike wie das Archibald AC1 muss man einfach lieben! Die Kombination eines in Kanada handgefertigten Edelstahl-Rahmens mit einer individuellen Geometrie, Getriebeschaltung und High-Pivot-Federweg satt ist Balsam für die Seele jedes Bike-Freaks. Das charismatische AC1 macht direkt Bock auf klassische Freeride-Action im Northshore-Style. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Das Archibald AC1 im Detail

  • Einsatzbereich: Enduro / Downhill
  • Federweg: 160-200 / 160-200 mm
  • Laufradgröße: 29” / Mullet
  • Rahmenmaterial: Stahl
  • Gewicht Rahmen: ca. 3,9 kg
  • Gewicht Komplettbike: ca. 17,6 kg
  • Preis Rahmenset: ab ca. 3120 Euro
  • Preis Komplettbike: ab ca. 4770 Euro
  • Besonderheiten: High-Pivot-Hinterbau, Pinion-Getriebe, Option auf Riemenantrieb und Singlespeed, made in Kanada

Vom Uni-Projekt zur eigenen Marke

​Die Geschichte von Archibald Cycles beginnt 2019 mit Alex Troughton und einer Idee für ein eigenes Mountainbike. Troughton, der bereits bei Blackspire Designs Erfahrungen mit CNC-Fertigung und der Entwicklung von Komponenten wie Pedalen und Kettenblättern gesammelt hatte, entwickelte das erste AC1 zunächst im Rahmen seines Universitätsstudiums. Aus dem Abschlussprojekt wurde ein mehrjähriger Entwicklungsprozess: Über zwei Jahre flossen in Design-Iterationen und Prototypen, die zunächst in der eigenen Garage entstanden.

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Dabei entstand Schritt für Schritt das Konzept, welches das AC1 bis heute prägt: ein in Vancouver entwickeltes und gefertigtes Mountainbike mit Stahlrahmen, High-Pivot-Hinterbau und Getriebeantrieb. 2023 präsentierte Archibald das AC1 schließlich als Serienmodell und öffnete die ersten Vorbestellungen. Mit steigender Nachfrage verlagerte sich der Schwerpunkt des jungen Unternehmens zunehmend von der reinen Entwicklung auf die Produktion. Archibald bezog eine eigene Werkstatt und holte weitere Fertigungsschritte ins Haus. Inzwischen entstehen selbst die CNC-gefertigten Rahmenteile direkt bei Archibald. Aus dem Garagenprojekt ist damit eine kleine, spezialisierte Fahrradmanufaktur geworden.

​High Pivot trifft Getriebe

Eine der auffälligsten technischen Besonderheiten des AC1 ist die Kombination aus High-Pivot-Kinematik und Getriebeantrieb. Statt einer klassischen Schaltung mit Schaltwerk kann das AC1 mit einem Pinion-Smart-Shift-Getriebe aufgebaut werden. Für Fahrer, die möglichst wenig Antriebstechnik am Hinterrad wünschen, sind je nach Ausführung außerdem Lösungen mit Riemenantrieb verfügbar. Beim Downhill-Modell gibt es zusätzlich eine Singlespeed-Option mit Riemen. Wenig Wartungsaufwand stand stets im Fokus der Entwickler, für die 2026er Modellpalette bietet Archibald dennoch zusätzlich eine Variante mit Kettenschaltung an. Das AC1 arbeitet mit dem patentierten I-Track-Hinterbausystem. Die Position des Hauptlagers oberhalb der üblichen Anordnung verändert die Kinematik des Hinterbaus. Eine Umlenkrolle für Kette, beziehungsweise Riemen soll im Viergelenker-System Antriebseinflüsse eliminieren.

​Ein Rahmen, drei Einsatzbereiche

Archibald nutzt den AC1 als gemeinsame Plattform für unterschiedliche Einsatzbereiche. Aktuell gibt es drei Varianten: Trail, Enduro und Downhill. Grundsätzlich teilen sich die Modelle das charakteristische Rahmenkonzept mit High-Pivot-Hinterbau und individueller Anpassbarkeit. Unterschiede gibt es vor allem bei Federweg und Ausstattung. Eine variable Dämpferaufhängung erlaubt verschieden lange Federbeine. Das Trail-Modell besitzt 160 Millimeter Federweg am Hinterrad und ist für Trail- und leichte Enduro-Einsätze ausgelegt. Beim Enduro-AC1 stehen 170 Millimeter Federweg hinten zur Verfügung, während die Downhill-Version auf 200 Millimeter Federweg an Vorder- und Hinterrad kommt.

Auch bei den Dämpfern des Rahmensets gibt es mehrere Optionen. Archibald bietet unter anderem Modelle von Vorsprung, Cane Creek, Fox und Marzocchi an. Bei den Komplettbikes kommen je nach Konfiguration beispielsweise Fox- oder Marzocchi-Gabeln zum Einsatz. Bei den Laufrädern setzt Archibald auf das Mullet-Konzept mit 29 Zoll vorne und 27,5 Zoll hinten. Alternativ lässt sich der AC1 auch mit einem 29-Zoll-Laufradsatz aufbauen. Die genaue Konfiguration wird im Bestellprozess festgelegt.

Maßanfertigung statt Standardgröße

​Das AC1 ist damit weniger ein klassisches Serienrad von der Stange als eine individuell konfigurierte Plattform. Die Fertigung des Edelstahlrahmens erfolgt in Kanada. Mit der Qualität ist das kleine Label so selbstsicher, dass es eine lebenslange Garantie auf den Rahmen gewährt. Die polierte Oberfläche des rostfreien Stahls soll auch nach Jahren im harten Einsatz noch optisch überzeugen. Haltbare Lager von Enduro-Bearings und Buchsen von Igus sollen ebenfalls zu einem geringen Wartungsaufwand beitragen. In den vergangenen Jahren wurde die Konstruktion mehrfach überarbeitet. Anfang 2026 meldete Archibald eine stärkere Verlagerung der Produktion ins eigene Haus. Dadurch sei das Rahmengewicht um mehr als 280 Gramm reduziert worden, während gleichzeitig die Festigkeit erhöht worden sei.

Auch bei der Geometrie verfolgt Archibald einen individuellen Ansatz. Das AC1 wird in fünf Standardgrößen angeboten, kann aber gegen Aufpreis auch eine individuelle Geometrie verpasst bekommen. Archibald nennt für die individuelle Rahmenanpassung aktuell einen Aufpreis von 1000 kanadischen Dollar. In der vorkonfigurierten Geometrie der Trail-Version liegt der Lenkwinkel 64,5 Grad flach, Reach-Werte rangieren zwischen 453 und 525 Millimetern. Die Kettenstrebenlänge lässt sich zwischen 445 und 465 Millimetern verstellen. Beim Kauf werden Größe, Geo, Federweg und Komponenten in einer gemeinsamen Entscheidungsfindung individuell festgelegt. Die Lieferzeit beträgt zwischen fünf und sechs Monaten.

Wie seht ihr das: Hättet ihr Verwendung für ein radikales Stahl-Fully mit Getriebeschaltung wie das Archibald AC1 oder soll es lieber ein vielseitigeres Bike von der Stange sein? Schreibt es uns in die Kommentare!

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Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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