Ab Werk eine Baustelle, bergab ein TraumForestal Siryon Diode im Enduro-Dauertest

Max Fuchs

 · 12.07.2026

Unser Dauertestfahrer Lukas ist erfahrener Hobby-Racer und Fahrtechnik-Coach. Er weiß das Forestal Siryon Diode gekonnt am Limit zu bewegen.
Foto: Max Fuchs
Im letzten Enduro-Vergleichstest sicherte das Forestal Siryon Diode den Testsieg. Jetzt muss es über die lange Distanz beweisen, dass es auch im Dauereinsatz die Referenz bleibt. Dauertester Lukas Königer ist auf dem Siryon in den ersten Wochen über 685 Kilometer und 25.568 Tiefenmeter gespult – Bikepark, Loam-Sessions, Finale-Urlaub inklusive. Sein erstes Zwischenfazit fällt zwiespältig aus: Bergab ist das Siryon eine Waffe. In der Werkstatt kostet es Nerven.

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Bergab spielt das Forestal Siryon Diode in einer eigenen Liga: Der Hinterbau arbeitet extrem sensibel, generiert selbst in grobem Gelände Wahnsinnstraktion, und die 170 Millimeter Federweg an beiden Enden versprühen so viel Sicherheit, dass man einfach nur Vollgas fahren will. Die Geometrie wirkt ausgewogen, angenehm leichtfüßig und präzise im Handling – ein gelungenes Racebike. So weit hält das Siryon, was der Testsieg verspricht.

​Die Fakten zum Dauertest des Forestal Siryon Diode

Im Test seit:Januar 2026
Kategorie:Enduro
Im Test gefahren:685,02 km
Tiefenmeter:25.568 m
Fahrzeit:55 h
Federweg:170 mm vorn / 170 mm hinten
Rahmengröße:M (Fahrergröße 176 cm)
Gabel:Fox 38 Grip X2 Factory
Dämpfer:Fox Float X2 Factory
Schaltung / Bandbreite:Sram X0 AXS Transmission / 520 %
Bremsen:Formula Cura 4 / 203 mm vorn, 180 mm hinten
Laufräder:Crankbrothers Synthesis E
Reifen:Schwalbe Albert Gravity Ultrasoft / Soft Radial 29 × 2,6
Sattelstütze / Hub:OneUp / 150 mm (Serie)
max. Systemgewicht:120 kg
Garantie:7 Jahre
Besonderheiten:Fidlock-Halterung und -Verschluss am Staufach
Gesamtgewicht (ohne Pedale):16,17 kg
Gewicht Laufräder:5927 g

Lukas' erstes Update vom Forestal Siryon Diode

Vorweg: Ich bin bislang 685,02 Kilometer, 25.568 Tiefenmeter und rund 55 Stunden auf dem Siryon unterwegs gewesen. Genug, um über den ersten Eindruck hinauszukommen – und genug, damit sich die ersten Verschleiß- und Verarbeitungsthemen zeigen.

Erster Eindruck: Schlampig montiert

Schon beim Auspacken war der erste Dämpfer für die Stimmung: Die Werksmontage ließ nämlich zu wünschen übrig. Am nervigsten war der Seilzug der Teleskopstütze – der ist schlicht zu kurz bemessen. Die Folge: Beim Einlenken gerät der Zug unter Spannung und die Stütze fährt aus, ohne dass man den Hebel berührt. Also wollte ich selbst Hand anlegen. Beim Versuch, eine neue Leitung zu ziehen, musste ich feststellen, dass die interne Leitungsverlegung alles andere als einfach ist: Bis ans Tretlager sind zwar einlaminierte Zugführungen vorhanden, die enden dann aber an einer Stelle, die man weder mit den Händen noch mit Spezialwerkzeug erreicht.

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Da mir die 150 Millimeter Hub der verbauten OneUp-Teleskopstütze sowieso zu knapp waren, habe ich mich entschieden, eine Funkstütze mit 170 Millimeter Hub einzubauen – so sparte ich mir den Ärger mit den Zügen und habe bergab mehr Beinfreiheit. Perfekt gelöst, dachte ich. Später kam die Ernüchterung: Bei der funkbetriebenen RockShox Reverb der ersten Generation sitzt der Akku hinten unter dem Sattel. Schnell musste ich feststellen, dass das Forestal mit dieser Stütze nicht kompatibel ist. Tief im Federweg stieß das Hinterrad nämlich an den Akku – und irgendwann habe ich den kleinen Energieträger im Bikepark schließlich verloren.

Lösungsansatz: ein Leichtbauakku von einem Zweitanbieter, nur halb so groß. Das schien erst zu funktionieren – bis auch der bei einer harten Landung vom Hinterrad aus der Fassung gerissen wurde. Wie ich das Thema weiterhin angehe, ist noch offen. Wenn ich mich nicht noch einmal mit der Zugverlegung anlegen möchte, bleibt mir eigentlich nur eine neue Stütze mit einer anderen Akkuaufnahme.

Bremsen: Kolbenrückstellung und Hebelweite problematisch

Parallel zur Stütze dann das nächste Ärgernis: Von Beginn an war die Kolbenrückstellung der Formula Cura 4 an Vorder- und Hinterradbremse problematisch. Kolbenmassage, Entlüften, das Ganze mehrfach – kein Erfolg.

Inzwischen habe ich neue Geber und Nehmer montiert. Bei der Hinterradbremse habe ich die alte Leitung bewusst im Rahmen gelassen, um mir die Leitungsverlegung im Rahmen (siehe oben) zu ersparen. Bei der neuen Bremsanlage funktioniert die Rückstellung endlich. Mit der Bremsleistung bin ich grundsätzlich zufrieden – nur lassen sich die Hebel für meinen Geschmack nicht nah genug an den Lenker heranstellen. Für Leute mit kleinen Händen ein echtes No-Go. Zwei neue Sätze Bremsbeläge sind übrigens schon durch.

Klappern, Knacken, Spiel

Nach rund 20.000 Tiefenmetern begann der Hinterbau zu klappern. Zunächst ging ich mit dem Drehmomentschlüssel ans Werk – zwei Schrauben waren zu locker. Die eigentliche Ursache liegt aber woanders: Die Dämpferbuchse im Oberrohr hat Spiel. Demontiert habe ich sie noch nicht; ich habe erst bei der letzten Ausfahrt eingegrenzt, wo das Geräusch herkommt.

Dazu kommen zwei Dauerbaustellen: Das Tretlager knackt seit rund 80 Kilometern leicht auf der rechten Seite. Und der Deckel des Staufachs scheppert seit Testbeginn – die Spaltmaße sind hier meiner Meinung nach zu groß, und zudem fehlt eine Gummilippe oder Ähnliches, um Vibrationen und Geräusche zu dämpfen.

Cockpit-Umbau: Lenker hoch, Reach bleibt gleich

Wegen des kurzen Steuerrohrs wird das Siryon mit einem dicken Spacerturm ausgeliefert – dafür klemmt am Vorbau aber ein fast kerzengerader Lenker, quasi ohne Rise. Eine Kombination, die mir nicht eingeleuchtet hat. Nach der Kennenlernphase im Bikemekka Finale Ligure habe ich die Lenker-Vorbau-Kombi demontiert, jetzt fahre ich einen Lenker mit 55 Millimeter Rise. Positiver Nebeneffekt: Mit dem höheren Lenker konnte ich Spacer sparen und damit trotz der höheren Front den effektiven Reach minimal verlängern. Zuvor kam mir das Bike nämlich recht kurz vor – mit meinen 176 Zentimetern Körpergröße liege ich bei Forestal genau zwischen den Größen M und L. Ich habe mich letztendlich aber für das kürzere M entschieden. Dank des neuen Cockpits fällt die Fahrposition nun nicht mehr ganz so kompakt aus.

Zwischenfazit von Dauertester Lukas Königer

Trotz all der Schrauberei – auf dem Trail vergisst man schnell, wie sehr einen das Bike in der Werkstatt eben noch geärgert hat. Die Geometrie ist in meinen Augen perfekt für ein Enduro. Nicht zu lang und träge, aber auch nicht zu kurz und nervös. Einfach super ausbalanciert. Der Hinterbau ist äußerst sensibel, und gerade schnelle Schlagabfolgen im Groben inhaliert er förmlich. Das ist mit die größte Stärke des Forestal. Die voluminöse Hinterbauschwinge ist über eine zusätzliche Wippe mit dem Hauptrahmen verbunden. Die Steifigkeit des Hinterbaus liegt angenehm niedrig, sodass das Hinterrad selbst auf der groben Ideallinie hervorragende Traktion erzeugt und satt in der Spur liegt. Im nächsten Update nehme ich mir die Dämpferbuchse und das knackende Tretlager vor – und berichte, ob die Stütze endlich Ruhe gibt. Und bis dahin freue ich mich auf jede Menge Enduro-Action mit dem Forestal Siryon Diode.

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Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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