Auckland MarraWildeste Hinterbau-Konstruktion aller Zeiten?

Jan Timmermann

 · 06.08.2026

Ein Bike für Technik-Nerds: Das Auckland Marra besitzt einen speziellen Hinterbau und entsteht von Hand in einer britischen Werkstatt.
Foto: Auckland Cycleworks
Am Hinterbau des exotischen Auckland Marra treffen große Alu-Frästeile auf schlanke Stahlrohre und futuristische High-Pivot-Umlenkrollen auf klassische Rahmenbaukunst. Wir haben uns das wilde Enduro-Bike aus Großbritannien im Detail angeschaut. Bühne frei fürs Auckland Marra!

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Britische Stahl-Enduros strahlen einen ganz eigenen Charme aus. Das Auckland Marra macht da keine Ausnahme und legt mit einer aufsehenerregenden Hinterbau-Konstruktion sogar noch eine Schippe an technischer Faszination drauf. Am in England handgebauten Rahmenset gibt es viel zu gucken. Hier werfen wir einen Blick auf den Exoten von der Insel.

Der Kolarp-Hinterbau des Auckland Marra soll unter Bremseinflüssen besser arbeiten als die Konkurrenz.Foto: Auckland CycleworksDer Kolarp-Hinterbau des Auckland Marra soll unter Bremseinflüssen besser arbeiten als die Konkurrenz.

Das Auckland Marra im Detail

  • Einsatzgebiet: Enduro
  • Federweg: 170-200 mm
  • Laufradgröße: Full 27,5” oder Mullet (29”/27,5”)
  • Gewicht: ca. 17 kg
  • Preis Rahmenset inkl. Dämpfer: 5600 GBP
  • Besonderheiten: Kolarp-Hinterbaus-System, verstellbare Geometrie und Kinematik, made in Britain, Custom-Geometrie und -Lackierung möglich
Marra bedeutet soviel wie “bester Kumpel” und schmückt als Namen das Stahl-Enduro von Auckland Cycleworks.Foto: Auckland CycleworksMarra bedeutet soviel wie “bester Kumpel” und schmückt als Namen das Stahl-Enduro von Auckland Cycleworks.

Handmade in England

Inspiriert durch gemeinsame Fahrten mit dem legendären Ultra-Distance Biker Mike Hall wollte Auckland Cycle Works Gründer Gary Ewing die etablierten Normen für Mountainbike-Hinterbauten auf den Kopf stellen. Die ersten Modelle baute Ewing nicht etwa im CAD-Programm seines Computers zusammen, sondern aus Legosteinen.

Auch die ersten fahrbaren Prototypen-Bikes setzten auf unkonventionelle Systeme. Für den Rahmenbauer gab es dabei kaum Tabus. Alte Bikes wurden zersägt und neu zusammengesetzt. Seine ersten Entwürfe waren derart kreativ, dass sie ihm einen Innovations-Award der prestigeträchtigen Bespoked-Messe einbrachten.

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Tüftler Gary Ewing wurde von seinem Freund Mike Hall zum Hinterbau-System des Auckland Marra inspiriert.Foto: Auckland Cycle WorksTüftler Gary Ewing wurde von seinem Freund Mike Hall zum Hinterbau-System des Auckland Marra inspiriert.

​Wie viele andere Rahmenbauer auch, hatte Ewing während der Corona-Pandemie die Zeit gefunden, sein Kernprodukt Marra zu optimieren. Unter dem Label Auckland Cycle Works wurde eine 2023 eine im Jahre 1898 gegründete Stahl- und Maschinenbau-Ikone der Region County Durham wiederbelebt. Heute können die ersten Custom-Bikes der Schmiede geordert werden.

Dabei geht Ewing auch auf individuelle Kundenwünsche ein. Aufgrund der Fertigung in Kleinserie ist die Stückzahl limitiert. Für 2026 gibt es noch wenige Restplätze. Das Rahmenset inklusive Cane Creek Kitsuma G2 oder Rockshox Vivid Ultimate RC2T Dämpfer schlägt mit 7000 Britischen Pfund zu Buche. Zu diesem Preis kann sich der Kunde eine Rahmenfarbe wünschen.

Jeder Rahmen ein Unikat: Das Auckland Marra entsteht in Kleinserie und mit Custom-Geometrie.Foto: Auckland CycleworksJeder Rahmen ein Unikat: Das Auckland Marra entsteht in Kleinserie und mit Custom-Geometrie.

Fahrwerk mit Rückwärts-Drehpunkt

Um seine Vision eines perfekten Mountainbike-Hinterbaus zu realisieren, kamen bei Auckland-Tüftler Ewing wilde Gedanken auf. Erste Prototypen setzten noch auf ein aus den 90ern adaptiertes Konzept namens “Uniefied Rear Triangle” (URT), bekannt etwa vom Klassik-Bike Klein Mantra, das der Entwickler für seine Zwecke neu erdachte.

Bald warf Ewing dieses Design jedoch über Bord und kreierte ein neues System, das er “Kolarp Suspension” taufte und unter Patent stellen ließ. Der Clou an dem High-Pivot-Hinterbau mit virtuellem Drehpunkt und nach hinten gerichteter Raderhebungskurve: Die Umlenkung der Kette ist nicht am Rahmen, sondern an der unteren Wippe des Auckland Marra aufgehängt. Die I-Track-Umlenkrolle hält die Kette auf Spannung, ohne dass sich das Schaltwerk zu stark bewegt. Um die Kinematik anzupassen, kann die vordere Dämpferaufnahme in Zwei-Millimeter-Schritten versetzt werden.

Am Hinterbau des Auckland Marra treffen große Alu-Umlenkhebel auf eine an der unteren Wippe befestigten Umlenkung sowie eine I-Track-Rolle.Foto: Auckland CycleworksAm Hinterbau des Auckland Marra treffen große Alu-Umlenkhebel auf eine an der unteren Wippe befestigten Umlenkung sowie eine I-Track-Rolle.

Laut Ewing verschlechtert sich die Hinterbau-Performance eines modernen Mountainbike-Fullys bei harten Bremsmanövern um 28 bis 38 Prozent. Der Einfluss von Bremsvorgängen auf das Fahrwerk des Auckland Marra mit Kolarp Susupension System soll dagegen bei lediglich fünf Prozent liegen, was dessen Leistung in solchen Situationen um 34 bis 50 Prozent besser machen soll.

Damit verspricht das Enduro-Bike des Briten mehr Potential aus dem High-Pivot-Hinterbau herauszuholen und die Bremseigenschaften deutlich zu verbessern. Außerdem sollen die Geometrieveränderungen durch Fahrwerkeinflüsse in verschiedenen Fahrsituationen konstant klein bleiben und durch einen optimierten Gegenhalt im Fahrwerk das Bike in allen Gängen besser klettern lassen.

Beim Enduro-Fully von Auckland Cycleworks ist die obere Kettenumlenkung nicht am Rahmen, sondern am Umlenkhebel aufgehängt.Foto: Auckland CycleworksBeim Enduro-Fully von Auckland Cycleworks ist die obere Kettenumlenkung nicht am Rahmen, sondern am Umlenkhebel aufgehängt.

​Steel is real

Typisch britisch entsteht der Rahmen des Auckland Marra aus hochwertigem Reynolds 853 Stahl. Rahmenbauer Ewing arbeitet eng mit den Experten bei Reynolds zusammen, um dem Enduro einen angepassten Custom-Rohrsatz zu gönnen.

Ebenfalls typisch für Maschinenbau von der Insel: Die Lager sollen besonders gut abgedichtet, groß dimensioniert und lange haltbar sein. Natürlich wird das Tretlager nach BSA-Standard eingeschraubt.

Auckland gibt den Hinterbau nur für 27,5 Zoll kleine Laufräder frei. Vorne bleibt die Wahl zwischen 27,5 oder 29 Zoll. Der Rahmen nimmt Federgabeln mit 170 bis 200 Millimeter Hub auf.

Viel Federweg: Der Stahlrahmen nimmt bei Bedarf auch eine Downhill-Federgabel mit 200 Millimetern Hub auf.Foto: Auckland CycleworksViel Federweg: Der Stahlrahmen nimmt bei Bedarf auch eine Downhill-Federgabel mit 200 Millimetern Hub auf.

​An seinem persönlichen Showbike entscheidet sich Ewings für eine 180-Millimeter Gabel, welche 63,25 Grad flach steht. Das gerade Sitzrohr ist in Rahmengröße L 430 Millimeter kurz und erlaubt dennoch eine lange Einstecktiefe bei der Sattelstütze.

Der Sitzwinkel misst 76,5 Grad, der Reach liegt bei 485 Millimetern. Ein modulares Design der Ausfallenden ermöglicht die Verstellung der Kettenstreben um insgesamt zwölf Millimeter. In der neutralen Position liegt die Kettenstrebenlänge bei kompakten 429 Millimetern.

Die obere Dämpferaufhängung des Auckland Marra lässt sich in feinen Schritten verschieben.Foto: Auckland CycleworksDie obere Dämpferaufhängung des Auckland Marra lässt sich in feinen Schritten verschieben.

Fazit

Die junge Firmengeschichte von Auckland Cycle Works steckt bereits voller Heritage. Das Marra ist ein eigenwilliges Stahl-Fully mit britischem Charme. Kein Bike für jeden, sondern ein Custom-Projekt mit viel Herzblut zu dem es eine Geschichte zu erzählen gibt. Und geht es bei unserem liebsten Hobby nicht auch darum? Ich finde das Auckland Marra jedenfalls spannender als jedes Rad von der Stange. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Reynolds-Stahl mit Gussets: Dafür feiern Fans britische Rahmenbauer.Foto: Auckland CycleworksReynolds-Stahl mit Gussets: Dafür feiern Fans britische Rahmenbauer.

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Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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