Auf dem Papier hat das Yeti ASR das Zeug zum Kultobjekt. Um kaum eine andere Mountainbike-Marke ranken sich so viele Mythen und Begehrlichkeiten. Seit über 40 Jahren steht die Marke aus Kalifornien für leidenschaftlichen Bike-Spirit und ihre Kreationen schrieben sich mehrfach in die Geschichtsbücher des MTB-Sports.
Die Rückkehr des Yeti ASR auf die Weltbühne nach einem vollen Jahrzehnt Wartezeit ist von einer Frischzellenkur begleitet. Hinter dem legendären Namen verbirgt sich nun ein topmodernes Cross-Country- und Marathon-Fully mit 120 Millimetern Federweg an der Gabel und 115 Millimetern am Hinterbau. Wir scheuchten das Yeti ASR T3 X0 Transmission durch den BIKE-Test und haben den alten Knaben dabei nicht geschont.
*Die Ausstattung unseres Testbikes weicht leicht von der Serie ab: Fürs Modelljahr 2026 kommt das Yeti ASR T3 X0 AXS Transmission mit DT Swiss XRC1700 Carbon-Laufrädern und Sram Motive SLVR Bremsen.
Die Entwicklung des neuen Yeti ASR war laut eigenen Angaben das aufwändigste Carbon-Projekt in der Firmengeschichte der Amerikaner. Um das Chassis möglichst leicht zu halten, wurde wo immer möglich auf überschüssiges Material verzichtet. Trotz 20 Jahren in der Carbon-Entwicklung setzte Yeti am neuen ASR erstmalig spezielle Analyse-Tools ein, um das Optimum aus Steifigkeit, Haltbarkeit und geringem Gewicht herauszukitzeln. Der ASR-Rahmen kommt mit größenspezifischen Carbon-Layups, um für jedem Fahrer ein gleichbleibendes Verhalten zu garantieren. Obwohl die Umlenkwippe des Yetis nicht aus Kohlefaser, sondern aus Aluminium besteht, bearbeitet der Hersteller das Bauteil derart stark mit der CNC-Fräse, dass diese superleicht ausfällt. Hinterbauten, bei denen anstatt eines zusätzlichen Lagers der Flex des Carbon-Materials die Rolle eines Drehpunktes übernimmt, sind heute so etwas, wie der Gold-Standard bei Race-Fullys. Kaum zu glauben: Das Yeti ASR setzte bereits vor 23 Jahren auf diese Flex-Pivot-Technologie. Da ist es nur konsequent, dass die Technologie auch bei der Neuinterpretation mit an Bord ist. Fullys unter zehn Kilo sind aus dem XCO-Worldcup fast vollständig verschwunden. Das ASR von Teamfahrerin Isla Short bringt es in Rahmengröße XS noch auf 9,96 Kilo.
Als der Bike-Boom zündete war Yeti bereits Kult. Retro-Modelle werden gehandelt wie Kunstwerke. Das originale ASR ist ein Meilenstein der Firmengeschichte, der die Fangemeinde aber bis heute spaltet. Yeti vertreibt bereits seit 1985 Bikes unter eigenem Label. Erst zur Jahrtausendwende aber eisten sich die Kalifornier vom Mutterkonzern Schwinn los und brachten 2000 das ASR als erstes Modell der Selbstständigkeit auf den Markt. Was heute angesichts von Felgenbremsen und Dreifach-Kurbel undenkbar erscheint, wurde damals Realität: Kein anderes Bike der Kalifornier sollte sich jemals besser verkaufen. Das ASR war leichter und besaß eine geringere Überstandshöhe als die meisten Zeitgenossen - quasi das erste massentaugliche Yeti der Geschichte. Gerade deshalb hadern heute aber Hardcore-Fans mit dem Bike. Schließlich markierte es auch den Fortgang von Firmengründer und Rock’n’Roll-Freigeist John Parker. Die ersten fünf je verkauften ASR kamen in Farbgebung „Royal Blue“ - eine Entscheidung, welche die Unabhängigkeit betonen sollte, bis heute jedoch von der Marke bereut wird. Unser ASR-Testbike trägt selbstverständlich eine Lackierung in Yeti-Türkis.
Der Rahmen des Yeti ASR gehört mit 1675 Gramm (ohne Dämpfer, inklusive 30 Gramm Steuersatzschalen und 49 Gramm Steckachse) zu den leichtesten vollgefederten Cross-Country-Fahrgestellen , welche jemals durch unser Testprozedere liefen. Zum Vergleich einige Referenzwerte aus dem BIKE-Testlabor für Marathon-Rahmen unter 1,7 Kilo Gewicht:
Beim Setup des Yeti ASR ist erst einmal Pumpen angesagt, denn der Hinterbau braucht auffällig viel Druck, um die 25% SAG zu erreichen. Aufgesattelt fühlt man sich auf dem Ami-Schlitten gleich zuhause. Die Sitzposition ist neutral gezeichnet und erinnert mit ihrer modernen, zentralen Integration des Fahrers ins Bike fast schon an ein Trailbike. Die Kombination aus kurzem Vorbau und recht schmalem Lenker passt gut ins Konzept. Mit dem steilen Sitzwinkel können Racer den ganzen Tag lang effizient durch welliges Gelände treten. Auch der Hinterbau präsentiert sich auffällig antriebsneutral. Wer Touren ohne Zeitdruck unter die Stollen nimmt, könnte am Yeti ASR auch getrost auf die Dämpferplattform verzichten.
Zum entspannten Charakter passt auch die Reifenwahl: Die Kombination aus Maxxis Rekon an der Front und Rekon Race im Heck rollt auf unterschiedlichsten Untergründen gut aber nicht ganz so zackig, wie etwa ein zahmeres Aspen-Profil. Auch die Aluminium-Laufräder kommen eine Klasse träger in Schwung, als gewichtsoptimierte Carbon-Rundlinge. Im Sprint bleibt das Yeti ASR deshalb hinter der Konkurrenz der schnellsten Cross-Country-Bikes zurück. Es fehlt der giftig-gierige Vortrieb eines reinrassigen Racers. Inzwischen haben die Produktmanager nachgesteuert und statten die 2026er T3-Variante mit etwas hochwertigeren Carbon-Laufrädern von DT-Swiss aus.
Gerade in unbekanntem Gelände und auf sehr abwechslungsreichen Kursen kann das neue Yeti ASR punkten. Auf dem Trail sorgen der unkomplizierte Charakter, die kompakten Kettenstreben und ein angenehmes Feedback im Fahrwerk für Fahrspaß. Die prominenten Reifen gewähren ein Sicherheits-Plus und die zentrale Positionierung im Rahmen sorgt für ein gefälliges Handling. So gibt sich das ASR merklich umgänglicher, als spitz konzeptionierte Race-Diven und präsentiert sich als Traumbike für den Everyday-Ride. Auch für Mehrtages-Rennen, anspruchsvolle Marathons und Transalp-Projekte dürfte das Yeti eine formidable Wahl sein. Geometrie und Fahrposition passen zu fast allen erdenklichen Situationen.
Der Hinterbau des Yeti ASR ist kein Komfort-Wunder und macht kein Geheimnis aus seinem knappen Federweg. Verglichen mit den besten 120-Millimeter-Konzepten am Markt fehlt es dem ASR-Fahrwerk etwas an Raffinesse. In ruppigen Sektionen arbeitet es straff aber gerade noch sensibel genug. Traktion und Kontrolle gehen in Ordnung, mehr Reserven gibt es woanders. Der Hinterbau und der flache Lenker sind definitiv die sportlichsten Eigenschaften des Yetis. Nicht mehr Zeitgemäß sind die schwachen Sram Level Bremsen. Die Motive-Modelle der überarbeiteten 2026er Ausstattung dürften dem Abfahrpotential des ASR besser gerecht werden.
Bei BIKE betreiben wir einen beispiellosen Aufwand, um Fahrräder zu testen. Als einziges Fachmagazin weltweit betreiben wir ein eigenes Testlabor. Die ermittelten Daten stützen die Eindrücke aus dem Praxistest. Auch bei den Geometriedaten verlassen wir uns nicht ausschließlich auf die Herstellerangaben, sondern setzen selbst das Lasermessgerät an.
| Kategorie: Marthon-Bikes | Gewichtung | Note |
| Uphill Fahrverhalten | 15% | 2,3 |
| Uphill Effizienz Fahrwerk | 15% | 2,0 |
| Spieltrieb | 8% | 1,5 |
| Downhill Fahrverhalten | 12% | 2,0 |
| Downhill Fahrwerk | 15% | 2,8 |
| Note Fahrverhalten | 65% | 2,2 |
| Gewicht | 6% | 1,8 |
| Trägheit Laufräder | 4% | 2,5 |
| Note Labor | 10% | 2,1 |
| Ausstattungsqualität | 5% | 1,3 |
| Usability / Mehrwert | 5% | 3,3 |
| Transportvolumen Flaschenhalter | 5% | 1,0 |
| Versenkbarkeit Sattel | 5% | 1,0 |
| Qualität / Verarbeitung | 5% | 0,5 |
| Note Ausstattung | 25% | 1,4 |
| Gesamtnote | 100% | 2,0 |
Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. Notenspektrum: 0,5-5,5 (analog zum Schulnotensystem).
Bewertung Spinnendiagramm: Uphill, Spieltrieb, Downhill bezieht sich auf das Fahrverhalten: Je größer der Ausschlag, desto besser die Eignung. Ausstattung: bezieht sich auf die Qualität der verbauten Anbauteile.
Das Yeti ASR löst sofort den Haben-Will-Reflex aus. Es ist ein vielseitiges, spaßiges Short-Travel-Bike, das man gerne jeden Tag bewegen möchte. Marathonisti werden den breiten Kompetenzbereich und das neutrale Handling vor allem für Mehrtages-Rennen zu schätzen wissen. Im direkten Vergleich zur Speerspitze des Cross-Country-Sports jedoch lässt das Kultmodell mit den pfundigen Alu-Laufrädern das letzte Quäntchen Race-Konsequenz vermissen. Trotz hohem Preis bleibt also Raum zum Träumen. - BIKE-Redakteur Jan Timmermann
BIKE-Redakteur Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

Redakteur
Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.