Testsieg fürs Specialized S-Works Epic 9Der Cross-Country-Cheatcode

Jan Timmermann

 · 27.10.2026

BIKE Testsieger
Das Specialized S-Works Epic 9 bricht im Testlabor alle Rekorde und begeistert auch im Praxis-Test.
Foto: Max Fuchs
Das Specialized S-Works Epic 9 knackt trotz 120 Millimeter Federweg und einer progressiven Geometrie mühelos die magische Zehn-Kilo-Marke. Kein World-Cup-Bike ist leichter, teurer, krasser. Ob sich das auch in der Cross-Country-Praxis bewähren kann? Das Specialized S-Works Epic 9 ist womöglich das spannendste Testbike Jahres.

Themen in diesem Artikel

Testergebnis

EigenschaftNote
Fahrverhalten1,7
Labor0,7
Ausstattung1,0
Endnote1,4

Die Gesamtbewertung des Bikes findest du hier

Daten und Fakten zum Specialized S-Works Epic 9

Federweg120 mm
Laufradgröße29"/622mm
Gewicht9.948 kg
GabelRock Shox SID Ultimate Flight Attendant
DämpferRock Shox SID Luxe Ultimate Flight Attendant
SchaltungSRAM XX SL Eagle Transmission AXS
Bremse vorneSRAM Motive Ultimate

Messwerte

Sitzposition
sportlich
10
komfortabel
0
33
66
100

Alle Messwerte findest du hier

In Größe XL wiegt das Specialized S-Works Epic 9 lediglich 9,9 Kilo. Ein leichterer Rahmen, leichtere Laufräder und ein gewaltigeres Prestige scheinen kaum noch möglich. Bis in die letzte Carbonfaser wurde das neue Epic auf dem modernen Cross-Country-Sport hin optimiert. Das BIKE-Testlabor verlässt das S-Works mit Bestnoten. Doch bringt der Streber seinen Grip auch auf die Strecke? Wir haben das neue Superbike von Specialized nicht geschont und außergewöhnlich viele Testkilometer aufs neue Epic 9 gespult. Am Ende steht fest: Krasser war ein Komplettbike noch nie.

​Fazit

Lang, flach, mit episch gutem Fahrwerk und trotzdem unschlagbar leicht: Das elitäre Specialized S-Works Epic 9 geht weiter als jedes andere Racebike zuvor und sichert sich damit den Testsieg. Extrem kompromisslos auf den Rennsport getrimmt bricht das neue Epic mit dem Vorstellungsvermögen jedes Normalos. Es ist der Cheat-Code fürs Cross-Country-Game und in den richtigen Händen ein schamloser Wettbewerbsvorteil. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Specialized S-Works Epic 9 im Detail

  • Einsatzbereich: Cross Country / Marathon
  • Preis: 14.499 Euro
  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Verfügbare Größen: S / M / L / XL
  • Maximales Systemgewicht: 120 kg
  • Garantie: lebenslang
  • Besonderheiten: Flex-Pivot, SWAT-Tool, Lenkanschlagsbegrenzer

Zündung!

Die Control World Cup Laufräder der Specialized-Eigenmarke Roval wiegen nackt 991 Gramm. Vorder- und Hinterrad zusammen belasten die Waage also weniger als ein Tetrapack Milch - unglaublich! Im Aufbau mit ebenfalls leichten Reifen und dünnen Bremsscheiben mit Alu-Spider erreicht das Specialized S-Works Epic 9 die niedrigsten Trägheitswerte, die wir im BIKE-Testlabor je für einen voll bestückten 29er-Laufradsatz gemessen haben. Leichter und schneller waren Laufräder noch nie! Alleine an den Rädern unterbietet das S-Works alle High-End-Mitbewerber am Markt um mindestens ein halbes Kilo.

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Auch in der Praxis ist das zu spüren. Das Bike beschleunigt, wie von einem anderen Stern. Schneller als der Kopf verstehen kann schießt das Specialized nach vorne. Es ist als würde das Bike von einem Wurmloch verschluckt und erst am nächsten Bremspunkt wieder in die Realdimension ausgespuckt. Im Zielsprint ist dem S-Works kein anderes Test-Fully gewachsen. Auch, weil die Rockshox Flight Attendant Automatik die Tretleistung des Fahrers analysiert und das Fahrwerk vollautomatisch sperrt. Ohne das smarte Helferlein ist der Hinterbau tatsächlich nicht ganz frei von Antriebseinflüssen.

Das leichte Gesamt- und Laufradgewicht macht sich natürlich auch im Handling bemerkbar. Ungeachtet seiner Länge lässt sich das Bike gekonnt von links nach rechts und wieder zurück werfen. Die Integration ins ausladende Chassis ist gelungen und macht nach kurzer Eingewöhnungszeit die Linienwahl auch mit Maximalpuls noch leicht. Leichtfüßig nimmt es das Specialized mit jeder Linie auf. Einen übermäßigen Spieltrieb können wir dem Epic 9 trotzdem nicht attestieren. Die Geometrie wurde nicht mit einer Priorität auf Fahrspaß designet, sondern um Rennen zu gewinnen und das merkt man auch. Größenabhängige Kettenstrebenlängen und ein nochmals angewachsener Reach stellen die Regler auf “Serious Business” und weniger auf “Herumalbern”.

Reserven bis zum Abwinken

Bereits das Fahrwerk des Specialized Epic 8 galt als eine Cross-Country-Benchmark. Im neuen System will das Ride-Dynamics-Team der Kalifornier die Reibung nochmals deutlich reduziert haben. Tatsächlich ist die Ingenieursleistung im Praxistest rekonstruierbar. Der Hinterbau besitzt ein geringes Losbrechmoment, saugt Unebenheiten ausgesprochen sensibel auf, schluckt aber auch dicke Brocken. Durch raues Terrain läuft das Epic 9 extrem schnell. Die Fahrwerksreserven bei Renntempo sind beachtlich. Gleichzeitig sackt das Fahrwerk auch bei aktiven Fahrmanövern nicht weg und die Traktion in technischen Gegenanstiegen ist ein Gedicht.

Zum formidablen Fahrwerk gesellt sich die lang-flache Geometrie des Epic 9. Laufruhig und zielstrebig fliegt das Specialized Richtung Zielstrich. Trotz des leichtfüßigen Handlings läuft das Bike im Trail selbst bei steiler Lenkwinkeleinstellung wie auf Schienen. Schnell fahren ist seine Kernkompetenz. Das S-Works wurde entwickelt um World-Cup-Events zu dominieren und löst diesen Anspruch nicht nur im Sprint, sondern auch im Downhill kompromisslos ein. In sehr anspruchsvollem Gelände sind es höchstens die schmal bauenden Reifen und die minimalistischen Bremsscheiben, die dem Epic die Limits setzen.

Übernatürlich

Als wir das erste Mal ein Bein übers Specialized S-Works Epic 9 werfen durften, sprachen wir nach der Jungfernfahrt von einem “Fehler in der Matrix”. Durch das Zusammenspiel von großzügiger Geometrie, performantem Fahrwerk, brachialer Beschleunigung und geringem Gesamtgewicht kam es auch jetzt im ausführlichen Test und im direkten Vergleich mit den besten Cross-Country-Bikes der Welt zum ein oder anderen Aha-Moment. Es ist eine Kombination, die in ihrer Absurdität der eigenen Vernunft widerspricht, ja sich fast schon unnatürlich anfühlt. Wiederholt sagt die Testerfahrung: “Eigentlich dürfte das nicht möglich sein”. Solche Fahrkompetenzen bei so leichtem Gewicht haben wir bei den Race-Fullys der letzten Jahre selten erlebt.

Das kann unerfahrene Piloten auch überfordern. Draufsetzen und zur Goldmedaille fahren - so einfach ist es nicht. Das krasse S-Works fährt sich anders als ein durchschnittliches Mountainbike. Während alle Tester die Fahrsicherheit auf weichem, von Wurzeln durchsetztem Waldboden lobten, wollte das Epic vor allem auf harten, gebauten Pisten nicht jedem gefallen. Zu großen Teilen dürfte das an den federleichten Laufrädern liegen. Mit ihren dicken Carbonspeichen bauen diese sehr steif. Die Flex-Lite-Karkasse der neusten Specialized-Reifengeneration hingegen wird ihrem Namen durchaus gerecht. Immer wieder vermissten wir Grip am Stollen. Vor allem große und schwere Fahrer müssen mit dem Luftdruck experimentieren, um das optimale Fahrgefühl zu erreichen. Gleiches gilt beim Fahrwerk. Auf dem Weg zur Wunsch-Abstimmung und dem idealen Trimm für die Flight-Attendant-Automatik, schaden Erfahrung und einige Testrunden nicht, um das Epic 9 zu seinem Potential aufleben zu lassen.

Selbst die richtige Rahmengröße zu finden kann herausfordernd sein. Specialized hat beim Schritt vom Vorgänger zu jetzigen Version eine Größe wegrationalisiert. Um trotzdem das ganze Fahrerspektrum abbilden zu können, wurden vor allem die Randgrößen angepasst. Unser XL-Testbike baut riesig, passt jedoch perfekt zur Herstellerempfehlung für unsere 1,90 Meter großen Testfahrer. Mit 150 Millimetern Länge fällt das Steuerrohr massiv viel länger aus als an jedem anderen Racebike. Entsprechend hoch liegt der Stack. Gleichzeitig steht der Sitzwinkel auffällig steil. Bis die bevorzugte Sitzposition gefunden ist, bedarf es mehrerer Versuche mit Cockpithöhe und Sattelposition. Eingewöhnungszeit benötigt das unübliche Konzept allemal, dann bringt die hohe Front einen spürbaren Vorteil: Auf Transferstücken und auch im Downhill kann im aufgerichtete Oberkörper Kraft eingespart werden. Ein steiler Sitzwinkel sorgt im Gelände trotz Länge und Höhe für viel Druck auf Pedal und Front. Die Sitzposition lässt beinahe Trailbike-Gefühle aufkommen.

​Messwerte aus dem BIKE-Testlabor

  • Gesamtgewicht: 9,94 kg (Größe XL, ohne Pedale)
  • Rahmengewicht ohne Dämpfer: 1590 g
  • Gewicht Dämpfer: 358 g
  • Gewicht Gabel: 1673 g
  • Gewicht Laufräder: 3017 g (inkl. Reifen, Bremsscheiben, Kassette)
  • Trägheit Laufräder: 2337 kg/cm² (je niedriger der Wert, desto schneller die Beschleunigung)
  • Rahmensteifigkeit vorne / hinten: 5,6 / 17,4 N/mm
  • Bewertung Servicefreundlichkeit: 8 von maximal 15 Punkten (mittel)

​Ausstattung

  • Gabel / Dämpfer: Rockshox SID / SIDluxe Ultimate Flight Attendant
  • Antrieb / Übersetzung: Sram XX SL Eagle AXS Transmission (1 x 12), 34; 10-52 (520%)
  • Bremsen: Sram Motive Ultimate, 180 / 160 mm
  • Dropper-Post: Rockshox Reverb AXS, 175 mm
  • Laufräder: Specialized Roval Control World Cup
  • Reifen: Specialized Fast Trak / Air Trak Flex Lite T5 / T7, 29 x 2,35”

​Stärken und Schwächen

Pro

  • Bestnoten im Labor: superleichter Rahmen, superleichte Laufräder
  • extrem sprintstarkes Bike
  • müheloses Handling
  • massig Traktion
  • hohe Fahrwerks- und Geometrie-Reserven gieren nach Downhill-Speed

Contra

  • Komplexität bei Fit und Setup
  • wenig Spieltrieb
  • als Topmodell schmerzhaft teuer

BIKE-Bewertung

Kategorie XC-FullyGewichtungNote
Uphill Fahrverhalten15 %1,3
Uphill Effizienz Fahrwerk15 %1,5
Spieltrieb8 %3,3
Downhill Fahrverhalten12 %1,8
Downhill Fahrwerk15 %1,3
Note Fahrverhalten65 %1,7
Gewicht6 %0,5
Trägheit Laufräder4 %1,0
Note Labor10 %0,7
Ausstattungsqualität5 %0,8
Usability / Mehrwert5 %2,3
Transportvolumen Flaschenhalter5 %1,0
Versenkbarkeit Sattel5 %0,5
Qualität / Verarbeitung5 %0,5
Note Ausstattung25 %1,0
BIKE-Note100 %1,4

​Das BIKE-Bewertungssystem ist preisunabhängig und richtet sich nach dem Schulnotensystem.

Wie seht ihr das: Ist das Specialized S-Works Epic 9 das aktuell krasseste Cross Country Fully? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

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Kommentare

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Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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