| Federweg | 120 mm |
| Laufradgröße | 29"/622mm |
| Gewicht | 11.07 kg |
| Gabel | Rock Shox SID Ultimate Flight Attendant |
| Dämpfer | Rock Shox SIDLuxe Ultimate Flight Attendant |
| Schaltung | SRAM XX SL Eagle AXS Transmission |
| Bremse vorne | SRAM Motive Ultimate |
Bunt wie ein Matchbox-Auto rollt das Giant Anthem Advanced SL in unseren großen Vergleichstest aktueller High-End-Cross-Country-Fullys. Um bei diesem Benchmark-Test teilnehmen zu können, wurde extra ein XL-Rahmen in limitiertem Sonder-Design auf die Ausstattung des Anthem Advanced SL SE Rahmens umgebaut. Hinter dem Racebike steckt aber viel mehr als nur ein schönes Gesicht. Unter dem auffälligen Lack verbirgt sich ein Carbonrahmen, der nach aller modernsten Technologie-Standards gebaut wird. Unser Test verrät, ob sich das Giant Anthem Advanced SL SE damit im Rennen um den Titel des schnellsten XC-Bikes der Welt einen Vorsprung sichern kann.
Die unkomplizierten Fahr- und guten Rolleigenschaften des Giant Anthem Advanced SL SE haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Egal welches XC-Rennen: Mit so einem Bike stände ich immer gerne an der Startlinie. Handling, Kontrolle und eine perfekte Sitzposition sind die Stärken des Giant. Dazu passt auch das sportive Fahrwerk. Noch mehr Reserven bieten im Downhill andere Hinterbauten. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Giant ist bekanntermaßen der größte Bike-Hersteller des gesamten Planeten. Seit 54 Jahren haben die Taiwanesen Erfahrung mit dem Bau von Fahrradrahmen - eine halbe Ewigkeit! Mit dieser Dominanz gehen eine ganze Menge Ressourcen einher. Als einer der wenigen Produzenten weltweit ist Giant in der Lage eigene, spezifische Prepregs, also das Ausgangsmaterial für Carbon-Konstruktionen, herzustellen. Die Optimierung des Advanced SL Rahmens beginnt damit noch lange bevor das Chassis Gestalt annimmt. Die Produktion des SL-Rahmens läuft mit einem hohen Maß an Automatisierung. Roboter schneiden und platzieren das Material. Durch die Genauigkeit der Maschinen wird davon weniger benötigt als beim Aufbau von Menschenhand, was schlussendlich Gewicht einspart.
Der Rahmen des Giant Anthem Advanced SL entsteht aus lediglich 700 Einzelteilen und wird in zwei großen Stücken laminiert, um Überlappungen überflüssig zu machen. Trotz Leichtbau-Anspruch ist das Cross-Country-Fully für 138 Kilo Zuladung freigegeben und mit einer lebenslangen Garantie ausgezeichnet. Das großzügige Herstellerversprechen weckt Vertrauen in die Dauerhaltbarkeit des Anthem Advanced SL Rahmens. In Größe XL ermittelten wir im BIKE-Testlabor ein Rahmengewicht von 1836 Gramm. Als wir das Bike vor rund einem Jahr das erste mal testen konnten, brachte dieser Wert dem Giant den Tites des dritt leichtesten 29er-Fully-Rahmens der Welt hinter Arc8 und Specialized ein. Inzwischen sind jedoch auch Canyon und Scott mit ihren neuen Racebikes vorbeigezogen. Auf ein Rahmenstaufach oder sonstige Aufnahmen für Zubehör muss das Anthem SL verzichten.
Eine rote Gabel und ein krass lauter Sound der Hinterradnabe machen ein Bike schneller - das weiß jeder Racer! Aber Spaß beiseite: Dass das Giant Anthem Advanced SL SE bereits im Erstkontakt wahnsinnig flott wirkt, liegt nicht nur an optischen und akustischen Reizen. Im Sattel wird der Fahrer sportlich ins Rahmendreieck integriert. Der Reach fällt modern lange aber nicht überladen aus und der ab Werk mit 780 Millimetern extrem breite Lenker zieht den Oberkörper gen Oberrohr. Cross-Country-Rennfahrer werden die angriffslustige Position mit viel Druck auf dem Vorderrad lieben. Doch auch auf langen Strecken gefällt die Integration ins Bike. Die Sitzposition trifft einen effizienten Sweetspot und gefiel unseren 1,90 Meter großen Testfahrern extrem gut.
Im offenen Zustand wippt der Hinterbau des Giant Anthem Advanced SL im Wiegetritt leicht. Die Plattformdämpfung ist im Rennen willkommen. Am 12.499 Euro teuren Topmodell übernimmt das die Flight-Attendant-Elektronik von Rockshox vollautomatisch. Abgesehen davon erntete der traktionsstarke Hinterbau in technischen Uphills viel Lob von unseren Testern. Gerade der mittlere Pedal-Modus bietet im Gelände eine sehr gelungene Abstimmung. Laufräder sowie Komplettaufbau des Anthem Advanced SL SE bauen leicht und erreichen im Labor-Vergleich mit der absoluten Speerspitze des Cross-Country-Sports gute aber keine Bestwerte. Und trotzdem: Irgendwie fühlt sich das Anthem Advanced SL spritziger und schneller an als die isolierten Labordaten vermuten lassen.
Zu Teilen dürfte das an den Laufrädern liegen. Cadex, die Premium-Hausmarke der Taiwanesen, laminiert einen großvolumigen Nabenkörper, sowie breite Messerspeichen aus Carbon. Die Speichen sind an der Nabe fest anlaminiert. Im Zentrum drehen sich extrem leichtgängige Lager. Deren Leichtlauf wird von unserem Trägheits-Prüfstand nicht erfasst. Tatsächlich aber rollt das Giant nur einmal kurz angestoßen über den gesamten Redaktionsparkplatz. Die Laufräder drehen sich gefühlt widerstandslos.
Unter den World-Cup-Cross-Country-Bikes gehört das Giant Anthem Advanced SL SE zur verspielteren Sorte. Kurze Kettenstreben und ein tiefest Tretlager sorgen für ein wendiges Handling und bei Bedarf geht das Bike willig aufs Hinterrad oder in die Luft. Selbst in der flachen Flip-Chip-Einstellung liegt der Lenkwinkel mit 66,9 Grad etwas steiler als bei der Konkurrenz und der Radstand gibt sich gemäßigt. Aufeinanderfolgende Kehren meistert das Giant besonders schnell. Wer die Fahrtechnik beherrscht, kann mit dem Anthem Advanced SL zum Beispiel extrem viel Geschwindigkeit durch Kurven mitnehmen.
Generell steckt im Anthem SL weder träger Laster noch zickige Diva. Es fährt sich im Vergleich zu den hochspezialisierten Racern der Konkurrenz erfrischend unkompliziert ohne jedoch Wettkampf-Attitüde vermissen zu lassen. Einen Mangel an Laufruhe oder Kontrolle können wir dem Giant nicht anhängen. Übers Handling muss man beim Anthem nicht viel nachdenken - und das macht schnell! Mit dicken HS2-Scheiben beißen die Sram Motive Vierkolben-Bremsen beherzt zu. Die Maxxis Aspen Reifen sind bewährte Cross-Country-Gummis, besitzen bei feuchten Bedingungen aber einen schmalen Grenzbereich.
Das Fahrwerk ist harmonisch, filtert auf dem Trail die meisten Unebenheiten zuverlässig weg, kann aufgrund einer früh einsetzenden Progression aber nicht ganz mit dem Schluckvermögen der leistungsstärksten XC-Hinterbauten mithalten. Insgesamt fühlt sich das Fahrwerk etwas sportiver, straffer an als etwa bei den 120er Hinterbauten des neuen Scott Spark RC oder des Specialized Epic 9. Gerade im mittleren Federwegsbereich verwöhnt das Giant mit Kontrolle. Für die schnelle Hatz über den XC-Kurs passt das gut und in 90 Prozent des Rennens werden Athleten nichts vermissen. Meckern auf hohem Niveau muss in dieser absoluten Highend-Klasse aber erlaubt sein: Reserven in heftigem Gelände bietet mancher Konkurrent mehr. Die Luftdruck-Abstimmung müssen Giant-Fahrer je nach Streckenprofil mit Bedacht wählen.
| Kategorie XC-Fullys | Gewichtung | Note |
| Uphill Fahrverhalten | 15 % | 1,5 |
| Uphill Effizienz Fahrwerk | 15 % | 1,8 |
| Spieltrieb | 8 % | 2,0 |
| Downhill Fahrverhalten | 12 % | 2,0 |
| Downhill Fahrwerk | 15 % | 2,0 |
| Note Fahrverhalten | 65 % | 1,8 |
| Gewicht | 6 % | 1,8 |
| Trägheit Laufräder | 4 % | 2,0 |
| Note Labor | 10 % | 1,9 |
| Ausstattungsqualität | 5 % | 0,8 |
| Usability / Mehrwert | 5 % | 2,3 |
| Transportvolumen Flaschenhalter | 5 % | 1,0 |
| Versenkbarkeit Sattel | 5 % | 1,0 |
| Qualität / Verarbeitung | 5 % | 0,5 |
| Note Ausstattung | 25 % | 1,1 |
| BIKE-Note | 100 % | 1,7 |
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