Trek Rail+ 9.8 E-All-Mountain im TestDie größte Schwäche ist der stärkste USP!

Max Fuchs

 · 12.09.2026

Tiefe Front, langer Reach und steiler Sitzwinkel – 
mit diesen Voraussetzungen klettert das Trek gut. Leider neigt der Hinterbau an steilen Rampen dazu, im Federweg 
zu versacken. Um das auszugleichen, muss man die Front aktiv belasten. Bike-Redakteur Adrian zeigt, wie’s geht.
Foto: Max Fuchs
Vielseitigkeit ist eigentlich die größte Stärke des Trek Rail+ 9.8 GX AXS. Mehrere Flip-Chips erlauben viel Feintuning an Geometrie und Fahrwerk des E-All-Mountains. Dazu kommen Boschs High-End-Antrieb und ein entnehmbarer 800-Wh-Akku. Doch wie viel bringt die Setup-Vielfalt wirklich? Wir haben es ausprobiert.

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Fazit zum Test des Trek Rail+ 9.8 GX AXS T-Type Gen5

Das Rail+ punktet als reichweitenstarkes und edel ausgestattetes Touren-Fully. Die lange, laufruhige Geometrie sorgt für Fahrsicherheit, während das komfortable Fahrwerk auch lange Tage im Sattel angenehm gestaltet. In extrem technischem Gelände stößt das Bike bergauf wie bergab jedoch an seine Grenzen. Trotz der zahlreichen Einstellmöglichkeiten blieb uns der Sweetspot beim Handling verwehrt.

Daten und Fakten zum Trek Rail+ 9.8 GX AXS T-Type Gen5

Preis7.499,00 €
Federweg160 mm
Gewicht23.92 kg
MotorBosch Performance Line CX
AkkuBosch Power Tube 800
GabelFox 38 Float Performance Elite
DämpferFox Float X Performance Elite
SchaltungSRAM GX Eagle Transmission AXS
Bremse vorneSRAM Code Bronze

Messwerte

Sitzposition
sportlich
40
komfortabel
0
33
66
100

Alle Messwerte findest du hier

Biken ohne Grenzen – das Rail+ macht’s möglich. So in etwa lautet der Werbeslogan für Treks Bosch-All-Mountain. Und wer kann da schon widerstehen? Alle wollen höher, schneller, weiter. Um dieses Versprechen einzuhalten, haben die Amerikaner keine Mühen gescheut, das Rail in der fünften Generation so zu konzipieren, dass wirklich jeder damit auf seine Kosten kommt.

Geometrie-Einstellungen: Die Qual der Wahl

Los geht’s beim Fahrwerk: 160 Millimeter Federweg an Heck und Front haben sich in dieser Kategorie bewährt. Die Mullet-Laufrad-Kombi mit 29er-Vorderrad und 27,5-Zoll am Heck ebenfalls. Progressive Federkennlinie für mehr Gegenhalt oder lineareres Ansprechen für mehr Komfort? Dank Flipchip an der unteren Dämpferaufnahme soll das Rail+ beide Vorlieben bedienen.

Je nach Position des Mino-Link – so heißt der zweite Flipchip an der Dämpferwippe – verändert sich der Lenkwinkel samt Tretlagerhöhe. Die flache Einstellung kitzelt mehr Fahrsicherheit aus dem Trek, die steile verbessert die Klettereigenschaften und betont den Spieltrieb.

Wer damit immer noch nicht das perfekte Setup gefunden hat, dem bietet Trek eine zweite Möglichkeit, den Lenkwinkel um ein ganzes Grad flacher oder steiler zu stellen – diesmal ohne dabei andere Geometrieparameter gezielt mitzuverändern. Das gelingt über eine separate, exzentrische Steuersatzschale.

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Viel Bike fürs Geld: Preis-Leistung klingt vielversprechend

So viel zu den Einstellmöglichkeiten. Darüber hinaus hat aber auch das Chassis an sich einiges zu bieten. Für 7.499 Euro bestehen Hauptrahmen, Hinterbau und sogar die Dämpferwippe aus Carbon. Gepaart mit den hauseigenen Bontrager-Carbon-Laufrädern, ebenfalls aus Kohlefaser, macht sich das beim Gesamtgewicht bezahlt. Trotz entnehmbarem 800-Wattstunden-Powertube-Akku stoppt unsere Laborwaage in Größe L bei 23,9 Kilogramm. Gemessen an den Rahmenbedingungen, die Motor und Akkuentnahme mitbringen, ein anständiger Wert.

Das übrige Ausstattungspaket fällt für Trek-Verhältnisse preisleistungsstark aus: Fox-Federelemente aus der hochwertigen Performance-Elite-Baureihe und ein SRAM-GX-Transmission-Antrieb. Hier bleiben keine Wünsche offen. Einziges Manko: die mittlerweile etwas angestaubte SRAM-Code-Bremsanlage. In Zeiten, in denen man sich an die brachiale Bisskraft der Maven-Baureihe gewöhnt hat, wirkt die Verzögerungskraft der Code vor allem am E-Bike fast schon ernüchternd. Hier schlummert also noch etwas Tuningpotenzial.

Das Trek Rail+ ist ein reichweitenstarker Allrounder

Die Sitzposition fällt sportlich aus. Steiler Sitzwinkel, langer Reach und ein flaches Cockpit spannen den Piloten vortriebsorientiert und leicht gestreckt über das Rahmendreieck. Druck auf der Front? Check! Die hauseigenen Bontrager-Reifen rollen schnell. Dazu das ausdauernde Bosch-Antriebspaket – und das Rail+ scheint wie gemacht für lange, tretintensive Touren.

Mit diesen Geometriedaten sollte das Trek theoretisch auch technische Rampen locker hochkraxeln. Doch die Praxis sieht anders aus. Je steiler es wird, desto stärker versinkt man im Heckfederweg. Der Gegenhalt im mittleren Hub fehlt, der effektive Sitzwinkel kippt dadurch weit nach hinten und die Kontrolle über die Front geht verloren. Gleichzeitig schrumpft auch die Bodenfreiheit so weit, dass alle Tester im verblockten Gelände vermehrt über Pedalaufsetzer klagten.

Variable Geometrie als Heilsbringer?

Angesichts des großen Feintuning-Potenzials, das in der Plattform schlummert, war unser erster Gedanke: Die mangelnde Kletterkompetenz kann nur eine Frage des Setups sein. Um dem Bike eine zweite Chance zu geben, haben wir den Dämpfer in der progressiveren Stellung montiert und den Mino-Link auf High gestellt. Unsere Hoffnung: Ein steilerer Lenkwinkel, ein höheres Tretlager und mehr Gegenhalt sollten dem Trek bergauf auf die Sprünge helfen. Was es auch tat – allerdings mit großen Kompromissen in Sachen Traktion und Fahrsicherheit bergab. Ergo: Lange Anstiege auf Schotter oder zahmen Trails kann das Trek, wird’s technisch, fehlt ihm die Expertise.

Im Downhill: Länge läuft. Nur bis wohin?

Bergab zeigt das Rail ein ähnliches Bild. Das Fahrwerk fühlt sich komfortabel an und saugt Steinfelder und Wurzeln gierig in sich auf, während man entspannt die Ideallinie halten kann. Will man sich an Geländekanten in die Luft hebeln oder durch verstärkten Körpereinsatz in Kurven oder Bodenwellen Speed generieren, lässt das Engagement des Rail+ allerdings zu wünschen übrig. Denn im komfortorientierten Fahrwerk verpufft viel Energie.

Die Geometrie wirkt zunächst stimmig. Der lange Reach in Kombination mit dem tiefen Tretlager und dem langen Heck halten das Bike sicher in der Spur. Länge läuft eben. In steilerem Gefälle verlässt man mit dem Trek die Wohlfühlzone dann doch schneller, als es die laufruhige Geometrie zunächst vermuten lässt. Schuld daran ist der lange Reach in Kombination mit der tiefen Front. Dadurch vermittelt einem das Trek bergab das Gefühl, über dem Cockpit zu stehen, anstatt sicher dahinter. Das erschwert das Handling, Überschlagsgefühle kommen leichter auf und die Arme machen schneller schlapp. Sein Versprechen hat Trek damit nicht gehalten. Biken ohne Grenzen? Fehlanzeige – zumindest solange sehr steiles Terrain im Tourenprofil steht.

Bewertung: Kategorie E-All-Mountain

positiv:

  • top Ausstattung
  • komfortabel abgestimmtes Fahrwerk
  • laufruhige Geometrie
  • lange Garantie

negativ:

  • hohe Geräuschkulisse bergab
  • träges Handling
  • kein Bike für sehr anspruchsvolle Trails

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Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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