Florentin Vesenbeckh
· 01.08.2026
Wenn ein Branchenriese freiwillig die Bremse zieht, ist das beachtlich. Trek Bicycle, einer der weltweit größten und bekanntesten Fahrradhersteller, hat angekündigt, seine eigenen E-Bikes auf dem US-amerikanischen Markt künftig selbst auferlegten Geschwindigkeitsgrenzen zu unterwerfen. Die Botschaft ist klar: Bevor der Gesetzgeber reguliert, will Trek mit gutem Beispiel vorangehen – und lädt die gesamte Fahrradbranche ein, es ihnen gleichzutun.
Konkret sollen alle elektrischen Mountainbikes von Trek in den USA künftig ausschließlich als sogenannte Class-1-Bikes verkauft werden. Das bedeutet: maximale Tretunterstützung bei 20 mph (rund 32 km/h) und kein Gashebel (Throttle). Für Elektroräder auf Asphalt und gemeinsam genutzten Wegen gilt: Throttle-Unterstützung maximal bis 20 mph, Tretunterstützung je nach Modell bis 20 oder 28 mph.
Um die Initiative richtig einzuordnen, ist ein Blick auf die amerikanische Regulierungslandschaft wichtig – denn sie unterscheidet sich erheblich von den europäischen Normen.
In den USA existiert kein einheitliches Bundesgesetz für E-Bikes. Stattdessen regeln einzelne Bundesstaaten den Betrieb von Elektrorädern eigenständig, was zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Vorschriften geführt hat. Das weit verbreitete Drei-Klassen-System unterscheidet zwischen:
Entscheidend: Auf dem US-Markt sind auch deutlich schnellere und leistungsstärkere E-Bikes erhältlich, die diese Klassengrenzen weit überschreiten. Dort gibt es bislang keine einheitliche Regelung, die solche Fahrzeuge konsequent vom Fahrradweg oder dem Singletrail fernhält. Genau hier setzt Treks Initiative an.
Hinter den nüchternen Kilometerstunden-Zahlen steckt eine handfeste Sorge: der drohende Verlust von Streckenzugang für alle Radfahrenden. 2025 wurden in den USA mehr als 17.000 Meilen neue Mountainbike-Trails für E-Bikes freigegeben – das Ergebnis jahrzehntelanger Lobbyarbeit von Verbänden, Landbesitzern, Ehrenamtlichen und lokalen Gemeinschaften. Diese hart erkämpften Zugänge stehen nach Ansicht von Trek auf dem Spiel, wenn immer schnellere und motorstärkere Elektrogefährte auf denselben Trails unterwegs sind wie klassische Mountainbiker und Wanderer.
„Als Industrie haben wir Jahrzehnte daran gearbeitet, uns Zugang zu Trails und Radwegen zu verdienen", sagt Trek-Präsident John Burke. „Wir übernehmen lieber heute Verantwortung, als morgen erklären zu müssen, warum Fahrer den Zugang zu den Orten verloren haben, die sie lieben." Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Wenn E-Bikes immer mehr an Motorräder erinnern – und sich auch so verhalten –, wird die Toleranz gegenüber ihrer Präsenz auf nicht-motorisierten Wegen schwinden. Dann drohen pauschale Verbote, die letztlich auch normale Pedelecs und analoge Mountainbikes treffen.
Für Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und der restlichen Europäischen Union hat die Trek-Initiative zunächst keinen Einfluss. In der EU ist die Rechtslage für sogenannte Pedelecs bereits deutlich klarer geregelt und die freiwillige Begrenzung muss in der EU ohnehin von gesetzeswegen noch übertroffen werden. Nach der europäischen Norm EN 15194 gilt ein Elektrofahrrad als solches, wenn:
Fahrzeuge, die diese Grenzen überschreiten, gelten rechtlich nicht als Fahrräder, sondern als Kleinkrafträder oder Mopeds – mit entsprechenden Zulassungs-, Versicherungs- und Führerscheinpflichten. Die Klassifizierung als „Speed-Pedelec" (S-Pedelec) greift bei Unterstützung bis 45 km/h, erfordert aber bereits Kennzeichen und Versicherung.
Europa hat also in vieler Hinsicht einen Regulierungsvorsprung gegenüber den USA. Der Wildwuchs an Ultra-Speed-E-Bikes, den Trek in den Staaten adressiert, ist durch das EU-Regelwerk strukturell eingedämmt.
Trotzdem wäre es voreilig, die Trek-Initiative als rein amerikanisches Thema abzutun. Denn auch in Europa ist eine schleichende Entwicklung zu beobachten, die nachdenklich stimmt. Immer mehr E-MTBs mit hoher Motorleistung tauchen auf Trails auf, bei denen Graubereiche in der Klassifizierung ausgenutzt werden. Und in einigen Ländern häufen sich bereits Forderungen nach schärferen Kontrollen oder gar generellen E-Bike-Verboten auf bestimmten Strecken.
Die eigentliche Botschaft von Trek ist deshalb universell: Freiwillige Selbstverpflichtung heute kann erzwungene Regulierung morgen verhindern. Diese Logik gilt für den Alpenraum ebenso wie für die Rocky Mountains. Sollte sich der Trend zu immer leistungsstärkeren und schnelleren E-Bikes auch in Europa fortsetzen, könnte der politische Druck steigen, die bestehenden Normen zu verschärfen oder den Zugang zu Trails und Wegen neu zu regeln. In diesem Fall wäre eine branchenweite Selbstverpflichtung nach dem Vorbild von Trek ein mögliches Instrument, um die Fahrradkultur zu schützen – ohne auf staatliche Eingriffe zu warten.
„Treks Mission ist es, die Welt zu verändern, indem wir mehr Menschen aufs Fahrrad bringen", sagt Burke. „E-Bikes sind ein großartiger Weg, mehr Menschen zum Radfahren zu bringen – aber das ist nur möglich, wenn die Menschen weiterhin Zugang zu Orten zum Fahren haben."

Redakteur CvD
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