Florentin Vesenbeckh
· 17.03.2026
Krasse DJI-Power gepaart mit schlankem Look und geringem Gewicht: Das Steppenwolf Tundra 10.0 kann als spaßiges Trailbike punkten. Enduro-Qualitäten darf man trotz viel Federweg aber nicht erwarten. Im harten Gelände kommt das Bike früh an seine Grenzen. Der fest verbaute Akku kann im Alltag und unterwegs einschränken.
| Preis | 7.999,00 € |
| Federweg | 160 mm |
| Laufradgröße | 29" |
| Gewicht | 21.8 kg |
| Motor | Avinox 120Nm |
| Akku | Avinox 800Wh |
| Gabel | Rock Shox Lyrik Ultimate |
| Dämpfer | Rock Shox Vivid Ultimate |
| Schaltung | SRAM X0 Eagle Transmission AXS |
| Bremse vorne | SRAM Maven Bronze |
Ende der 90er- und Anfang der Nuller-Jahre waren Modelle wie Tundra oder Tycoon von Steppenwolf feste Größen im Mountainbike Segment. Doch seit längerer Zeit war die Marke aus dem Münchener Umland fast vollständig von der Bildfläche verschwunden. Für das Modelljahr 2026 gibt’s einen komplett neuen Anlauf. Und zwar vor allem im Windschatten des gehypten E-Bike-Motors DJI Avinox. Unfassbar stark, trotzdem leicht und kompakt - so hat der DJI Avinox M1 (hier im Test) die Bike-Branche aufgerüttelt.
Und in diesem Stil steigt auch das E-Mountainbike Tundra 10.0 in den Ring. Optisch super schlank kommt es daher. Und auch die Waage zeigt ein angenehm niedriges Gewicht. 21,8 Kilo wiegt unser Testbike in Größe M. Mit 800 Wattstunden und satten 1000 Watt Spitzenleistung ist das absolut beachtlich. Dafür ist der Vollcarbonrahmen verantwortlich, aber auch eine gewichtsoptimierte Ausstattung, die nicht 100% auf Robustheit und Nehmerqualitäten setzt. Bei der Wahl von Reifen und Federgabel hatten die Produktmanager vermutlich auch die Waage im Hinterkopf. Das Full-29-Setup und der dicke Dämpfer sprechen hingegen für Geländekompetenz. Das gilt auch für den üppigen Federweg von 160 mm an Front und Heck.
In diesem Test betrachten wir das Topmodell. Für 7999 Euro gibt es hier eine sehr gute Ausstattung inklusive hochwertigem Ultimate-Fahrwerk von Rockshox und Srams X0-Transmission Funkschaltung. In die Vollen geht Steppenwolf für 8000 Euro aber noch nicht. So bleibt bei Bremsen und Laufrädern zum Beispiel noch Luft nach oben. Gut: Das DJI-Schnellladegerät ist beim Tundra 10.0 ab Werk mit dabei. Das Tundra gibt es übrigens auch im günstigeren Trimm 9.0 für 5199 Euro.
Auf dem Trail offenbart das Tundra klare Stärken - aber auch Schwächen. Vor den 160 Millimetern Federweg müssen sich auch gemütliche Biker nicht fürchten. Das Tundra ist kein krasses Enduro-Bike, das erst im Sturzflug seine Qualitäten entfaltet. Im Gegenteil. Ein einfaches, wendiges Handling hat das Steppenwolf ganz klar auf der Habenseite. Egal ob gemäßigte Tour im Flachen oder leichte Trails: Dieses Bike lässt sich quirlig und unkompliziert bewegen.
Die Sitzposition ist sehr kompakt. Durch den sehr steilen Sitzwinkel nimmt man super weit vorne im Bike Platz. Geht es steil bergauf, ist das ein dickes Plus. Denn das Vorderrad behält auch an steilen Stichen den Kontakt zum Boden und folgt Lenkbewegungen direkt. Durch die immense Power des Avinox-Motors werden extrem Steile Anstiege fast zum Kinderspiel. Nur die Traktion am Hinterrad könnte besser sein. In der Ebene lastet durch die nach vorne gerichtete Sitzposition aber einiges an Druck auf den Handgelenken.
Gemessen am üppigen 160er-Hub des Bikes, greift man auf schwierigen Downhills etwas früher in die Bremsen, als man es erwarten würde. Wie gesagt: Wir haben es hier nicht mit einem extremen Abfahrtskünstler zu tun. Neben der Geometrie schränkt auch die etwas störrische Heckfederung den Abfahrtsrausch auf rauen Pisten etwas ein. Traktion und Schluckvermögen könnten besser sein. Nutzt man das Bike hingegen im Trail- und All Mountain Gelände, überzeugt es mit viel Fahrspaß und Agilität. Das geringe Gewicht des Bikes ist definitiv spürbar. An der Ausstattung gibt es im Gelände wenig zu meckern. Die Maxxis-Reifen mit dünner EXO-Karkasse sollte man für mehr Pannenschutz und Geländekompetenz jedoch gegen robustere Modelle tauschen. Auch schön: Das Bike bleibt auf dem Trail recht ruhig, nur das dezente Freilauf-Rasseln des Avinox M1 ist zu hören.

Redakteur CvD