Raymon Tarok im TestDas leichteste E-MTB mit Avinox M2S?

Florentin Vesenbeckh

 · 19.06.2026

Mit superschlankem Unterrohr und ebensolchem Gewicht setzt das Tarok eine neue Bestmarke beim Verhältnis aus Magerwahn und Superpower. 
Beeindruckend, was hier möglich ist.
Foto: Max Fuchs
​Das Raymon Tarok Ultimate will nicht nur mit dem bärenstarken Motor Avinox M2S glänzen, sondern verspricht auch ein Rekordgewicht. Dabei will dieses E-Mountainbike gar kein Supersportler sein, sondern ein Rad für Jedermann. Wir haben das superleichte E-Bike ausführlich getestet.

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Fazit zum Test des R Raymon Tarok Ultimate HSC

Beeindruckendes Gewicht, ebenso schlanke Optik und das Ganze mit dem stärksten und besten E-Motor am Markt: Das Raymon Tarok hält gleich mehrere Superlative parat. Auf dem Trail überzeugt es mit sehr ausgewogenen, aber überraschend sportlichen Fahreigenschaften. Leichtfüßig und potent zugleich lädt es vor allem versierte Biker zum schnellen Trail-Tanz ein. Gelungen!

Daten und Fakten zum R Raymon Tarok Ultimate HSC

Preis9.999,00 €
Federweg160 mm
Laufradgröße29"/ 27,5"
Gewicht20.6 kg
MotorAvinox M2S+
AkkuAvinox FP 700
GabelFox 36 Float Factory
DämpferFox Float X
SchaltungSRAM X0 Eagle Transmission AXS
Bremse vorneSRAM Maven Silver

​Das Raymon Tarok erblickte vor gut einem Jahr das Licht der Welt – damals mit dem super kompakten ZF-Motor. Im BIKE-Test überraschte das Tarok mit ausgewogenen Fahreigenschaften und hohem Fahrspaß. Doch der Motor konnte sich nicht durchsetzen und verschwand nun ganz von der Bildfläche. Jetzt ist die Neuauflage da: das Tarok mit dem neuen Benchmark-Motor Avinox M2S. Trotz deutlich mehr Power ist das Bike jetzt viel schlanker und auch leichter geworden. Im Juli 2026 sollen die Tarok-Modelle im Handel landen.

Gleich an der ersten Station im BIKE-Test legt der Carbon-Flitzer Tarok Ultimate einen Bestwert hin: 20,6 Kilo wiegt das Topmodell in Größe L. So leicht wie das Ur-DJI-Bike Amflow PL Carbon Pro (hier im Test), das den Hype um den neuen Super-Motor ausgelöst hat. Ok, Raymon kommt mit 700 statt 800 Wattstunden – dafür hat das Tarok solidere Reifen und fette Maven-Stopper am Start. Das Gewicht dieses Bikes ist also schon mal allererste Sahne. Bisher kam kein Kandidat in unserem Testlabor an die von der DJI-Zunft versprochenen Traumgewichte heran. Das Raymon ist das mit Abstand leichteste Bike, das wir bisher mit dem M2S in die Finger bekommen haben. Und auch optisch geht’s kaum schlanker.

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Super-Motor, Super-Akku?

Das schlanke Unterrohr liegt vor allem an der neuen 700er Batterie von Avinox, die bisher neben der DJI-Marke Amflow im neuen PX Carbon kaum andere Hersteller verbauen. Damit ist das Unterrohr schlanker als bei den allermeisten Light-E-MTBs, was staunende Blicke anderer Biker mit sich bringt. Noch größer wird das Staunen, wenn man sich an Bord des Bikes in den Unterstützungsstufen ganz nach oben klickt: 1500 Watt und 150 Newtonmeter wirft der Motor mit der neuen Batterie aus – nochmal mehr als die Bikes mit 800er Akku. An den meisten Bergen dieser Welt erreicht man damit schnell die 25-km/h-Grenze, sodass man die volle Power nur selten und kurzfristig wirklich abrufen kann. Das ist ein neues Level, das wohl die wenigsten Biker wirklich häufig nutzen werden.

Ab 4999 Euro

Bei all der Superlative: Raymon hat das Tarok als Bike für jedermann entwickelt, nicht als Supersportler. Das Chassis verzichtet auf komplizierte Verstelloptionen und Anpassungsmöglichkeiten und kommt dafür mit einer Seitenständeraufnahme. Und auch der Preis soll das Tarok zugänglich machen. Beim Einstiegsmodell für 4999 Euro muss man im ernsten Gelände noch deutlich Abstriche aufgrund der Ausstattung hinnehmen. Das Pro-Modell für 5999 Euro dürfte jedoch auch auf dem Trail eine solide Performance hinlegen.

Realitätscheck: Das Raymon Tarok auf dem Trail

In der Praxis stellt sich natürlich die Frage: Macht Gewichtstuning am E-Mountainbike Sinn? Das Tarok beweist: Ja! Zumindest wenn es mit Verstand geschieht. Denn diesem E-Bike merkt man sein geringes Gewicht auf dem Trail direkt an. Trotz solider Reifen fallen die Laufräder des Topmodells extrem leicht aus. Heraus kommen eine spritzige Beschleunigung und ein lebhaftes Handling, was das Tarok angenehm vom Gros der Power-E-MTBs abhebt. Fahrspaß pur!

Auf dem Trail punktet das Bike mit einer Wohlfühl-Position. Tiefes Tretlager, hohe Front: So steht man richtig gut integriert im Bike. Die Geometrie trifft die goldene Mitte und vermeidet dabei Extremwerte. Der solide Radstand verschafft dem Tarok trotz des lebhaften Charakters eine gesunde Laufruhe, die Sicherheit und Vertrauen gibt. Auch das Fahrwerk überzeugt. Das Heck arbeitet eher sportlich als plüschig, was das Handling des Bikes berechenbar und aktiv macht. Hier versumpft man nicht plump im Hub oder verschwendet beim aktiven Fahren Energie. Trotzdem generiert die Federung in Kombination mit den tollen Conti-Reifen richtig viel Traktion.

Sportwagen oder Komfortkutsche?

Auf maximalen Komfort ist das Bike aber nicht getrimmt. Beim gefühlten Hub und dem Schluckvermögen landet das Tarok eher auf Trailbike-Niveau als in der Kategorie Mini-Enduro. Aber keine Sorge: Für harte Einschläge hält das Heck eine gesunde Endprogression und damit ausreichend Reserven bereit. Dieser Charakter kommt besonders sportlichen und versierten Bikern entgegen, die ihr Rad gerne aktiv bewegen und ein definiertes Feedback vom Untergrund zu schätzen wissen. Dann macht das Tarok von zahmen Hausrunden bis hin zu harten Enduro-Strecken Trails jeglicher Couleur mit.

Im Uphill drückt die massive Power des Avinox M2S dem Raymon ihren Stempel auf. Selbst fiese Steilrampen werden damit zur Spielwiese, die das Tarok ohne ernsthaften Krafteinsatz vom Fahrer hinauftänzelt. Doch Achtung: Der aggressive Punch des Motors kann den Fahrer auch mal unvermittelt abwerfen oder aus der Kurve schieben – das gehört zu dieser Art Spiel wohl dazu. Besser, man dosiert in kniffligen Passagen die Motor-Power vorsichtig. Dann ist das Tarok ein souveräner und gutmütiger Kletterpartner.

Zwar wird das Vorderrad bei passiver Fahrweise schon mal leicht, doch dank der zentralen Sitzposition lässt sich das gut kontrollieren. Auch die Traktion im Heck ist hervorragend. Durch das tiefe Tretlager gehören Kurbelaufsetzer im verblockten Gelände aber dazu. Extrem angenehm: Im Tarok tönte der Avinox-Antrieb auffällig leise, was in Anbetracht der extremen Power wirklich beeindruckend ist.

Stärken und Schwächen

Stärken

  • ​extrem leicht bei enormer Power
  • super Fahrposition
  • spritziges Handling
  • ​Schnellladegerät

Schwächen

  • ​Akku fest verbaut
  • Kurbelaufsetzer durch tiefes Tretlager
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Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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