Propain Tyee Trail Kurz-TestWenn weniger wirklich mehr ist

Adrian Kaether

 · 09.08.2026

Das Propain Tyee Trail macht von moderater Tour bis hin zu schwerem Gelände Vieles gut mit. Ein gelungener Allrounder.
Foto: Nina Ludwig
​Weniger Federweg - mehr Bike? Was Propain Anfang 2026 mit dem Tyee Trail präsentiert, klingt wenig logisch. Bei einem Presscamp in Molini di Triora konnten wir das geschrumpfte Enduro im edlen Factory Trimm schon fahren. Und waren überrascht.

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BIKE-Fazit: Eins zum Verlieben

Neben dem großartigen Freerider Spindrift hatte das trailige Enduro Tyee immer einen etwas schweren Stand. Das hier ist die Lösung. Das Tyee Trail bekennt Flagge als All Mountain. Ein wunderbar ausgewogenen Charakter und ein gutes Fahrwerk können ebenso punkten, wie die Vielseitigkeit. Das Rad ist spaßig und direkt auf flowigen Trails und potent genug für fieses Gelände. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

Kompromiss? Goldene Mitte!

Achtung, jetzt wird’s persönlich: Ich habe die Propains immer gemocht. Mein erster Test bei BIKE war ein All Mountain Vergleichstest mit dem ersten Hugene als Sieger. Tourenstark, nicht zu schwer und auch noch mit einem super Fahrwerk gesegnet war die Sache damals ziemlich klar. Auch bei den E-Bikes macht Propain Einiges richtig. Das Ekano 2 mit Powertrain war trotz fettem Federweg eines der besten und vielseitigsten E-Bikes, was man sich auf dem Trail wünschen konnte. Das Sresh SL mit TQ Motor ist auch ein richtig gutes Bike und hat bei uns den letzten Light-Vergleichstest gewonnen.

Bei den MTBs ohne Motor fremdle ich aber seit längerem ein bisschen mit den Bikes aus dem Allgäu. Das neue Trailbike Hugene ist mit auch fast 15 Kilo ganz schön schwer für die Federwegsklasse. Das Enduro Tyee lag schon sehr nah am Freerider Spindrift, hatte aber das schlechtere Fahrwerk. Also blieb eigentlich nur der dickste Bolide im Stall, vom Downhiller Rage abgesehen. Das Spindrift ist wirklich ein Klasse Rad, aber mit 180 Millimetern auch zu viel des Guten, wenn nicht vor allem Finale, Vinschgau und Bikepark auf dem Programm stehen.

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Jetzt also steht dieses Gerät hier vor mir: Das Tyee Trail rückt mit 160/145 Millimetern wieder näher an die klassische All Mountain Kategorie heran und kommt als 29er oder im Mullet Setup. Gefahren bin ich das Bike übrigens bei einem Presscamp von Propain, Schwalbe und DT Swiss in Molini di Triora im Frühjahr 2026. Deswegen ist das hier auch kein vollkommen belastbarer Vergleichstest sondern eher ein persönlicher Fahreindruck. Dennoch zeigt das Event: Mit dem Tyee Trail ist Propain wieder auf dem richtigen Weg.

Fahrwerk: Definiert, mit Reserven

Das Herzstück des Tyee Trail ist der bei Propain übliche Pro 10 Hinterbau mit VPP-Kinematik. Der konnte uns bei Hugene und Tyee in letzter Zeit nicht vollständig überzeugen. Gerade am Anfang des Federwegs fehlte es an Sensibilität. Das Tyee Trail ist hier eine willkommene Abwechslung, auch dank eines besonderen Kniffs.

Das definierte Feedback bleibt, dafür punktet das Tyee Trail mit einem komfortablen, aber nie schwammigen Grundcharakter und einer angenehmen, nicht übertriebenen Endprogression. Sobald der Federweg wirklich gefordert wird, arbeitet das System überzeugend und hat genügend Reserven, um auch auf ernsteren Enduro-Trails noch kontrolliert laufen zu lassen. Das erinnert mich wieder im besten Sinn an die großhubigen Bikes à la Ekano und Spindrift oder das federwegsseitig sehr ähnliche aufgestellte Sresh SL. Man möchte sagen: Geht doch!

Freiheit für die Federung: DEG DF

Mit entscheidend für die Performance war aber auch das DT Swiss DEG DF System: Der Propain Hinterbau profitiert spürbar vom reduzierten Pedal-Kickback-Effekt. Mit dem passenden Setting trackt das Hinterrad dadurch auch bei schnellen Schlägen deutlich besser und fühlt sich insgesamt runder an. Die Fox 36 GripX2 Gabel fügt sich perfekt ins Bild: Sie bleibt sportlich und definiert, macht seit dem Druckstufen-Update 2025 bei großen Schlägen aber wunderbar auf. Das animiert auch mit nur 145 Millimetern Federweg im Heck noch dazu, die Bremse auf rauen Strecken ruhig mal etwas länger auf zu lassen. Möglich natürlich, dass mit DF-System auch der Hinterbau des klassischen Tyee etwas satter liegt. Das konnten wir bislang noch nicht ausprobieren.

Handling: Leichtfüßig, verspielt, ausbalanciert

Auf dem Trail fühlt sich das Tyee Trail trotz längerer Kettenstreben leichtfüßig und lebendig an. Es geht bereitwillig in die Luft, lässt sich mühelos ins Bunny Hop heben und animiert zu aktivem, poppigem Fahren. Manual-Fans werden sich die Kettenstreben zwar noch kürzer wünschen. Für alle anderen sind die von Propain gewählten 446 Millimeter aber eine gute Wahl und tragen zum ausgewogenen, souveränen Fahrgefühl bei.

Tendenziell fühlt sich das Rad etwas kompakter an, als 475 Millimeter Reach nach Werksangabe vermuten lassen. Die Front liegt dank vieler Spacer und Riser-Lenker nicht ultratief – was das Bike direkt und agil macht. Sehr erfreulich: Das Rad pedaliert gut. Der Hinterbau wippt im Sitzen kaum und zusammen mit rund 15 Kilogramm Gewicht sind auch längere Uphills und alpine Touren eine Option. Das Tyee Trail ist damit tatsächlich das, was der Name verspricht – ein ernsthaftes Tourenrad mit Abfahrtspotenzial.

Ausstattung & Preis

Unser Testrad kommt als Individual-Konfiguration nah an der Factory Variante. Mit SRAM XX Eagle Transmission, Shimano XT M8220 Bremsen und der Fox Transfer Kashima Dropper Post steht das Rad optisch edel da. Der Preis für diese Konfiguration liegt dann aber auch um 8000 Euro. Dank Konfigurator kann man bei Propain aber selbst die Akzente setzen. Funktional ähnliche Bikes mit Factory Fahrwerk, guten Bremsen und mechanischer Transmission gibt’s um 5000 Euro, die Einstiegsvariante des Tyee Trail kostet ab 3499 Euro.

Ein kleiner Haken an der Sache: Neben Laufrädern von Newmen bietet Propain das Tyee Trail nur mit den DT Swiss EX 1700 Enduro Laufrädern mit voller ASTM 5 Downhill Freigabe an. Für die meisten Fahrer ist das in Sachen Stabilität sicher etwas Overkill. Die zumindest etwas leichtere XM Serie mit ASTM 4 Freigabe (Enduro) würde allen außer den aggressivsten Fahrern vermutlich gut ausreichen.

Das Tyee Trail im Überblick

Stärken:

  • Hohe Vielseitigkeit
  • Fahrwerk definiert und dennoch komfortabel
  • Breiter Einsatzbereich
  • Konfigurator

Schwächen:

  • Hinterbau lässt ohne DEG DF noch etwas Potential liegen
  • Serienmäßige EX Laufräder sind fast etwas zu bombproof für die Federwegs-Klasse

Technische Daten Testbike

ModellPropain Tyee 6.1 CF Trail Individual 29"
RahmengrößeL
Federweg160 / 145 mm
FedergabelFox 36 GripX2 Factory Kashima
DämpferFox Float X Factory
AntriebSRAM XX Eagle Transmission
BremsenShimano XT M8220
LaufräderDT Swiss XMC 1500 (nicht serienmäßig konfigurierbar)
ReifenSchwalbe Romy Radial (nicht serienmäßig konfigurierbar)
LenkerOneUP V2 Carbon, 35 mm
VorbauSixpack Millenium 50 ICR
SattelstützeFox Transfer Kashima, 210 mm
Gewichtca. 15 kg
Preis Testbikeca 7500 Euro

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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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