Argumentativ wird sich Propain mit einem Alu-Rad ohne Gewichtsrekorde und mit fest verbauter Batterie auch oder gerade im DJI-Kosmos nicht ganz leicht tun. Funktional wirkt das Ekano 3 AL auf den ersten Trail-Metern aber richtig gelungen. Unkompliziert, fahrstark und leise, dazu noch mit einem super Fahrwerk ist es ein Bike, an dem man vermutlich lange Spaß haben wird. Gelungen!
Propain strafft sein Portfolio und fasst das bisherige Ekano AL mit Shimano-Motor sowie das Carbon-Modell Ekano CF mit Sram-Powertrain zu einem einzigen Modell zusammen: dem Ekano 3 AL. Die Basis bildet ein komplett neuer Aluminiumrahmen, der um das Pro-10-Hinterbausystem mit virtuellem Drehpunkt und einen fest integrierten Akku herum gezeichnet wurde. Wie bei Propain üblich ist das Bike über den Konfigurator umfangreich auf eigene Vorlieben anpassbar.
Das Herzstück des neuen Ekano ist der Avinox-Drive in zwei Leistungsstufen: Der Avinox M2S als Performance-Variante liefert 150 Nm Drehmoment bei 1.300 Watt Spitzenleistung und bringt 2,6 Kilogramm auf die Waage. Wer budgetbewusster plant, greift zum Avinox M2, der mit 125 Nm und 1.100 Watt zwar etwas moderater ausfällt, mit 2,65 Kilo aber nahezu identisch leicht bleibt.
Bei den Akkus haben Käufer die Wahl zwischen 600 Wh (2,87 kg) und 800 Wh (3,74 kg) – beide sind fest im Unterrohr integriert und nicht ohne weiteres entnehmbar. Ergänzt wird das System durch unterschiedliche Display- und Ladegerät-Optionen (4A oder 12A), sodass sich das Bike gezielt auf Reichweite, Performance und Preisniveau abstimmen lässt.
Propain bietet das Ekano 3 AL in zwei klar definierten Ausrichtungen an:
Als Trail-Version (160/150 mm): Das vielseitige Setup für Touren und Trail-Einsatz gibt es wahlweise als Mullet-Aufbau (29"/27,5") oder komplett auf 29 Zoll. Effizient bergauf und fahrstark bergab soll – die klassische All-Mountain-Abstimmung für einen maximal breiten Einsatzbereich sorgen. Spannend: Die Entwickler sagen, dass auch das Fahrwerk des All Mountains etwas anders abgestimmt ist, als das vom Enduro. Mehr Komfort auch bei nicht ganz so engagierter Fahrweise dürfte das Rad angenehm auch auf langen Touren machten.
Die Enduro-Version (170/160 mm) ist ausschließlich im Mullet-Setup erhältlich und konsequent auf Abfahrtsperformance getrimmt. Mehr Federweg, mehr Reserven im groben Gelände, maximale Laufruhe bei Speed, das ist die Idee. Der Fahrwerkstune ist hier etwas härter gewählt, um mehr Reserven für Sprünge und Highspeed in der Hinterhand zu haben.
Technisch wartet das Ekano 3 AL mit einigen interessanten Details auf: Die in den Steuersatz oder klassisch integrierte Kabelführung lässt dem Kunden die Wahl ob eine aufgeräumte Optik oder ein unkomplizierteres Schrauben die höhere Priorität haben. Das Avinox-Touch-Farbdisplay ist direkt ins Oberrohr integriert. Tool Mount und Chain Guide gehören zur Serienausstattung.
Der Rahmen wird in den Größen S bis XL angeboten und erfüllt als Komplettbike die ASTM Kategorie 4 (Enduro), während der Rahmen selbst sogar nach Kategorie 5 (Downhill-Anforderungen) getestet wurde. Damit man lange Spaß am Bike hat, verklebt Propain ab Werk eine Ride-Wrap-Folie um den Rahmen vor Schäden bestmöglich zu schützen.
Wenig Überraschungen gibt es bei der Geometrie. Propain verpasst dem Ekano 3 AL nicht zu kurze Kettenstreben (447 oder 452 mm) je nach Laufradgröße. Der Hinterbau kann per Flip Chip vom einen auf das andere Laufrad angepasst werden. Der Lenkwinkel beträgt 64, der Sitzwinkel steile 78,5 Grad - das Enduro ist 0,5 Grad flacher. Den Reach gibt Propain mit 479 Millimetern in Größe L an.
Mit einem Einstiegspreis von 4999 Euro positioniert sich das Ekano 3 AL deutlich unter den High-End-E-MTBs der Konkurrenz, dann allerdings mit kleiner Batterie, M2-Motor und ohne Schnellladegerät. Realistische Trail-ready-Aufbauten ohne viele Kompromisse dürfte es ab 6000 Euro aufwärts geben.
Ein Full Power Bike, dass sich vom Handling nicht wie eines fährt? Ob das Propain-Marketing den Mund da nicht etwas voll nimmt? Denn die Fakten sprechen eher dagegen. Das Ekano 3 AL ist weder super kompakt noch extrem leicht.
Was das Rad dafür richtig gut kann, ist Vertrauen vermitteln. Der Charakter ist extrem fahrstark und ausgewogen. Selbst wer wie wir auf dem Presse-Event in Molini di Triora blind in fremde Trails hineinsticht, fühlt sich immer wohl und gut integriert.
Mit langen Kettenstreben und sehr steilem Sitzwinkel klettert das Propain sehr gut, auch wenn bei bis zu 1300 Watt natürlich schon mal die Front leicht werden kann. Das schluckfreudige und trotzdem keinen Deut undefinierte Fahrwerk ist ein klares Highlight.
Der erste Eindruck zum Bike fällt damit ausgesprochen positiv aus. Nur wer es wirklich leichtfüßig und verspielt mag, dürfte mit dem tollen Light-E-MTB Propain Sresh SL (hier im Test) noch deutlich glücklicher werden. Schön: Unser Testbike blieb bergab extrem leise.

Redakteur