Merida geht einen Schritt nach dem anderen. Mit dem Multivan-Merida-Rennteam im Hintergrund spielen superleichte, agile 26er immer noch eine große Rolle im Portfolio. Erst nach und nach werden Fans großer Räder bedient. Im Falle des neuen Big Ninety-Nine heißt das: Ein Superracer steht noch nicht bereit, aktuelles Top-Modell ist das Pro X0 mit Carbon-Hauptrahmen und Alu-Hinterbau. Fürs Rahmengewicht des Vorserien-Bikes spuckt unser Testlabor 2778 Gramm aus, das ist vergleichsweise schwer. Insgesamt wurde das Pro aber nicht auf extremen Leichtbau getrimmt, sondern auf Fahrbarkeit. Mit einer sehr guten Sitzposition fühlt man sich auch auf langen Strecken wohl, der lange Radstand erhöht die Laufruhe. An steilen Rampen bremst nur die Übersetzung den Vorwärtsdrang, Steigfähigkeit (steiler Sitzwinkel für gute Kraftübertragung) und Traktion sind ausgezeichnet. Das Fahrwerk hält sich dabei völlig im Hintergrund, es fällt nicht durch Wippen oder Unruhe auf, allerdings verwöhnt es bei kleinen Schlägen auch nicht mit Komfort. Wie gut Länge läuft, wird in schnellen Passagen bergab spürbar. Das Fahrwerk schluckt große Schläge souverän, der Fahrer kann sich entspannen. Einmal mehr spenden hier die großen Laufräder Vertrauen ins Tempo, das man von den nackten Zahlen des Federwegs nicht erwartet hätte. Das Vorserien-Test-Bike war auf dem Prüfstand nur mäßig steif (58,7 Nm/Grad) und bevorzugt leichte Fahrer. Merida bietet vom Big Ninety-Nine zwei Modelle mit Carbon-Hauptrahmen/ Alu-Hinterbau, sowie zwei Voll-Alu-Modelle. Spannend wäre das Bike mit einer 120er-Gabel.
Fazit: Meridas neues 29er-Fully zielt auf den engagierten Amateur-Racer und Touren-Fahrer. Das Fahrverhalten ist narrensicher, das Gewicht allerdings noch relativ hoch. Voll-Carbon folgt im Frühjahr.
PLUS Sitzposition, laufruhiges Handling, vielseitig einsetzbar
MINUS Relativ schwer