Josh Welz
· 24.07.2026
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Das Canyon Spectral:ON CF 8 kann sich trotz seines unterlegenen Motors behaupten. Sein Vollcarbon-Rahmen, der tiefe Schwerpunkt, das agile Mullet-Setup, der größere Federweg und die trailorientiertere Ausstattung machen es zum spannenderen und günstigeren Bike für Biker, denen es um Fahrspaß im Traileinsatz geht. Für das bessere Gesamtpaket reicht es im direkten Duell jedoch nicht ganz. Das Cube Stereo Hybrid ONE44 HPC Race 800 ist allein aufgrund des modernen Antriebs objektiv das stärkere E-All-Mountain.
Zwei Carbon-E-MTBs, zwei große 800-Wh-Akkus und ein Preisbereich um 4.000 Euro: Das Canyon Spectral:ON CF 8 und das Cube Stereo Hybrid ONE44 HPC Race 800 treten mit ähnlichen Grunddaten gegeneinander an. Auf dem Papier trennt die beiden Bikes vor allem der Motor. Während Canyon auf den etwas angestaubten Shimano EP801 setzt, arbeitet im Cube der deutlich modernere Bosch Performance Line CX der fünften Generation. Doch reicht ein stärkerer Motor aus, um das Duell zu entscheiden? Oder kann sich das Canyon mit seinem Vollcarbon-Rahmen, dem agilen Mullet-Laufradkonzept, den größeren Federwegs-Reserven und 400 Euro Preisvorteil behaupten?
| Merkmal | Canyon Spectral:ON CF 8 | Cube Stereo Hybrid ONE44 HPC Race 800 |
| Preis | 3.999 Euro, reduziert von 4.499 Euro | 4.399 Euro >> hier erhältlich |
| Rahmen | Vollcarbon | Carbon-Hauptrahmen, Aluminium-Hinterbau |
| Motor | Shimano EP801, 85 Nm | Bosch Performance Line CX Gen5, 120 Nm |
| Akku | 800 Wh, entnehmbar | 800 Wh, entnehmbar |
| Federweg | 160/155 mm | 150/140 mm |
| Laufräder | Mullet: 29/27,5 Zoll | 29 Zoll (27,5 Zoll bei Größe S) |
| Gewicht laut BIKE-Messung | 24,3 kg | 24,1 kg |
| Federgabel | Fox 36 Rhythm | Fox 36 Float AWL HD Sport |
| Dämpfer | Fox Float Rhythm | Fox Float Rhythm R |
| Schaltung | Shimano XT-Schaltwerk und XT-Schalthebel, SLX-Kassette | Shimano XT-Schaltwerk, Deore-Schalthebel |
| Bremsen | Shimano SLX, 4-Kolben, 203 mm | Shimano BR-MT420, 4-Kolben, 203 mm |
| Zulässiges Systemgewicht | 130 kg | 160 kg |
| Besonderheiten | Tiefer Akku-Schwerpunkt, GPS-Funktion, Mullet-Konzept | Winkelverstellung am Steuersatz, UDH-Schaltauge, X-Connect-Schnittstelle |
Der größte Unterschied zwischen den beiden E-MTBs steckt im Antrieb. Das Cube nutzt den Bosch Performance Line CX der fünften Generation. Mit bis zu 120 Nm Drehmoment, 750 Watt Peakpower und 600 Prozent Unterstützung wird der Bosch zur Zeit nur vom Avinox-Kraftpaket abgehängt. In Sachen Modulation ist der Bosch über jeden Zweifel erhaben, über Uphill-Stufen hilft die Extended-Boost-Funktion. Ergo: Ein top-modernen Motor.
Dagegen fährt Shimanos EP801 in einer anderen Hubraumklasse. Der Japaner hat zwar stets zuverlässige Dienste verrichtet, kann aber mit den modernen Power-Motoren weder bei Leistung noch Modulation mithalten. 85 Nm Drehmoment und 400 Prozent Unterstützung reichen aber allemal, wenn man sie nicht direkt an der steroiden Konkurrenz misst. Zudem ist der Japaner kompakt und leicht. Auf langen Touren und bei moderaten Steigungen arbeitet der EP801 angenehm harmonisch. Wer den Unterstützungsmodus häufig wechselt, kann seine Effizienz gut nutzen. Sobald es jedoch sehr steil und technisch wird, spielt der Bosch seine pure Kraft und seine spritzige Dynamik aus. In seriösen Uphill-Trails hat der EP801 gegen den Bosch CX nicht den Hauch einer Chance.
Punkt für das Cube: Der Bosch CX Gen5 besitzt mehr Power und die bessere Charakteristik für schwere Uphills.
Beide Bikes verfügen über einen 800-Wh-Akku. Damit sind sie für lange Tagestouren und reichlich Höhenmeter gerüstet. Canyon hat seinen Aluminium-Akku zusammen mit Darfon entwickelt. Er lässt sich nach unten aus dem Rahmen entnehmen. Durch seine flache Bauweise bleibt das Rahmen-Profil sehr schlank, zudem sitzt er tief im Unterrohr und trägt damit zum niedrigen Schwerpunkt des Canyon bei.
Cube setzt auf den Bosch PowerTube 800. Auch dieser Akku ist entnehmbar und kann direkt am Bike oder außerhalb des Rahmens geladen werden. Ein Nachteil des Cube: das mitgelieferte Bosch-Ladegerät mit lediglich 2 Ampere. Der große Akku benötigt dadurch vergleichsweise viel Zeit bis zur vollständigen Ladung.
In Sachen Verbrauch ist klar: Der CX im Cube saugt gieriger an der Batterie als der etwas schwachbrüstige Shimano. Aber: In der Praxis hängt die Reichweite stark von Unterstützungsstufe, Fahrergewicht, Höhenmetern, Reifendruck und Fahrstil ab. Keine zwei Meinungen gibt es beim Gewicht: Mit 3,9 Kilo ist der Bosch PowerTube deutlich leichter als der 4,6 Kilo schwere Darfon-Akku im Canyon. Das verbaselt dem Versenderbike den Gewichtsvorteil, den es eigentlich durch sein Vollcarbon-Chassis hätte.
Punkt für beide: Beide 800-Wh-Akkus sind reichweitenstark. Das Canyon punktet mit flachem Unterrohr-Design und tiefem Schwerpunkt, das Cube mit der leichteren Batterie.
Beim Federweg hat das Canyon die Nase vorn. Das Spectral:ON CF 8 bietet vorne 160, am Heck 155 Millimeter. Das Cube kommt auf 150 Millimeter vorne und 140 Millimeter hinten.
An der Front arbeiten beide Bikes mit einer Fox 36. Beim Canyon kommt die Rhythm zum Einsatz. Das Cube nutzt die Float AWL HD Sport. Beide Gabeln sind auf Komfort und Toureneinsatz ausgelegt, bieten aber weniger Einstellmöglichkeiten als preislich höher positionierte Fox-Modelle. Im Falle der Float AWL HD Sport muss man sogar ohne Druckstufen-Einstellung auskommen. Ein Nachtteil gegenüber der Fox-Forke im Canyon.
Auf dem Trail bietet das Canyon durch den längeren Federweg mehr Sicherheit in anspruchsvollen Abfahrten. Im BIKE-Test zeigt der Hinterbau allerdings eine eher lineare Kennlinie. Aktive Fahrer, die in Anliegern Druck aufbauen oder über Kanten springen wollen, werden etwas den Gegenhalt im mittleren Federwegsbereich vermissen.
Das Cube-Fahrwerk arbeitet komfortabel und schluckfreudig. Bei schnellen Schlagfolgen und aggressiver Fahrweise stößt die einfachere Fox-Ausstattung jedoch früher an ihre Grenzen. Die 2,6 Zoll breiten Schwalbe Nobby Nic Reifen sind auf Tour sehr komfortabel, im Grenzbereich aber an Präzision und Kurventraktion.
Punkt für das Canyon: Der größere Federweg und die trailorientiertere Auslegung bringen bergab mehr Reserven und im Traileinsatz mehr Fahrspaß. Das Cube überzeugt durch Komfort und Fahrsicherheit und richtet sich damit mehr an Tourenfahrer.
Das Canyon setzt auf ein Mullet-Konzept. Das 29-Zoll-Vorderrad rollt sicher über Wurzeln und Stufen, während das 27,5-Zoll-Hinterrad das Bike in engen Kurven und bei Richtungswechseln agil hält. Die Kettenstreben sind mit 440 Millimetern moderat kurz. Dadurch lässt sich das Spectral:On leicht aufs Hinterrad ziehen und verspielt durch verwinkelte Trails bewegen. Dank tiefem Akku-Schwerpunkt liegt das Bike auch bei Highspeed-Abfahrten sehr satt, durch den langen Reach und die üppige Tretlager-Absenkung fühlt man sich gut ins Bike integriert.
Das Cube rollt auf 29-Zoll-Laufrädern, die Kettenstreben fallen mit 457 Millimeter recht lang aus. Allein das deutet den moderateren Touren-Charakter des Cube im Vergleich zum Canyon an. Gut: Der Lenkwinkel kann über spezielle Lagerschalen angepasst werden. Auf schnellen Forstwegen und langen Abfahrten liegt das Cube mit langem Radstand satt auf dem Trail und hält zuverlässig die Spur. In engen Kurven und auf spielerischen Abschnitten verlangt es deutlich mehr Körpereinsatz als das Canyon.
Punkt für das Canyon: Das Mullet-Konzept und die kurzen Kettenstreben machen es wendiger und spielerischer. In Sachen Fahrspaß hat das Canyon die Nase vorn.
Beim Antrieb ist die Ausstattung des Cube klar stärker. Neben dem Bosch CX Gen5 gibt es das Bosch Purion 400 Display, die Bosch System Control und eine unauffällige Mini Remote am Lenker. Bei der Schaltung kombiniert Cube ein Shimano XT-Schaltwerk mit einem günstigeren Deore-Schalthebel. Diese Mischung spart Kosten, ohne die Funktion des Antriebs wesentlich zu beeinträchtigen. Die Bremsanlage des Cube besteht aus Shimano BR-MT420 mit vier Kolben und 203-Millimeter-Bremsscheiben. Der Stopper liegt im Shimano-Regal weit unten, die Hebel sind recht lang. Trotzdem bietet die Bremse solide Leistungen.
Das Canyon besitzt ein Shimano XT-Schaltwerk und XT-Schalthebel, kombiniert mit einer SLX-Kassette. Die Shimano-SLX-Bremsen arbeiten ebenfalls mit vier Kolben und 203-Millimeter-Scheiben, die Bremshebel sind ergonomisch besser und etwas kürzer. Damit ist das Canyon bei der Schaltung auf dem Papier etwas homogener ausgestattet.
Auch bei den Reifen unterscheiden sich die Konzepte deutlich. Canyon verbaut vorne einen Maxxis Assegai und hinten einen Maxxis Minion DHR II. Beide Reifen sind stärker auf Traktion und anspruchsvolle Trails ausgerichtet. Cube setzt auf Schwalbe Nobby Nic Performance in 2,6 Zoll. Diese Pneus rollen komfortabel und eignen sich gut für Touren, bieten bei aggressiver Fahrweise aber weniger Präzision.
Das Cube verfügt außerdem über einige interessante Rahmenlösungen:
Das Canyon hält mit einer GPS-Funktion, einer robusten Carbon-Konstruktion und austauschbaren Gewindeeinsätzen dagegen. Das GPS-Modul kann laut Canyon auch dann aktiv bleiben, wenn der Akku des Bikes leer ist.
Punkt für das Canyon bei der Trail-Ausstattung: Unterm Strich sind beide Bikes für diesen Preisbereich sehr vernünftig ausgestattet. Uns gefällt die sportlichere Ausrichtung des Canyon aber besser.
Beim Cube besteht nur der Hauptrahmen aus Carbon, bei Canyon auch der Hinterbau. Trotzdem ist das Stereo Hybrid ONE44 laut BIKE-Messung mit 24,1 Kilogramm minimal leichter als das Canyon mit 24,3 Kilogramm. Das liegt vor allem am schweren Akku. Der Gewichtsvorteil ist in der Praxis allerdings klein. Viel entscheidender ist die Gewichtsverteilung. Das Canyon platziert seinen schweren Akku tief und zentral. Durch die kompaktere Geometrie wirkt es unterm Strich agiler. Bei beiden Bikes werden die Kabel schon ab dem Steuersatz ins Rahmeninnere verlegt.
Punkt für beide: Das Cube ist insgesamt einen Hauch leichter, das Canyon mit Carbon-Hinterbau etwas wertiger.
Auf langen Touren fahren beide Bikes komfortabel und sicher. Das Cube klettert traktionsstark und hält das Vorderrad auch an steilen Anstiegen gut am Boden. Der Bosch-Motor unterstützt diesen Charakter mit kräftigem, dynamischem Schub. Wer viele Höhenmeter fährt und nicht jede Rampe mit hoher Eigenleistung bewältigen möchte, fühlt sich auf dem Cube sehr wohl.
Das Canyon fährt sich im Traileinsatz spielerischer. Es lässt sich leichter in Kurven drücken und schneller um enge Kehren bewegen. Auf anspruchsvollen Abfahrten vermittelt der größere Federweg des Canyon und die traktionsstärkeren Reifen mehr Sicherheit. Durch die lineare Hinterbau-Kennlinie wirkt das Spectral:On aber eher satt als sportlich straff.
Bergauf ist das Bild umgekehrt. Der Shimano EP801 genügt für normale Touren und moderate technische Anstiege, bleibt im direkten Vergleich aber spürbar zahmer. Das Cube beschleunigt sportlich-spritzig und bewältigt steile Passagen mit deutlich weniger Kraftaufwand.
Punkt für beide: Das Cube ist ein unaufgeregter Begleiter für ausgedehnte Touren, das Canyon eine Spaßmaschine für den Traileinsatz.
Das sportliche Canyon wurde von 4.499 auf 3.999 Euro reduziert. Dafür gibt es einen hochwertigen Vollcarbon-Rahmen und eine trailtaugliche Komponentenwahl. Das Cube ist 400 Euro teurer. Sein schlagendes Argument ist schlichtweg das bärenstarke Bosch-Paket. Wer Wert auf einen durchzugsstarken, im Traileinsatz performanten Antrieb legt, kommt am Cube nicht vorbei. Dazu kommt das höhere zulässige Systemgewicht und praktische Rahmenfeatures. Gespart wird bei Fahrwerk, Reifen, Ladegerät und teilweise bei der Schalt- und Bremsausstattung.

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