Das neue Trance X wurde gerade erst vorgestellt und ist somit das neueste Modell im Giant-Line-up. Mit 150 Millimeter Federweg vorne und 140 am Heck positioniert sich auch die aktuellste Version mitten in der All-Mountain-Kategorie. Um das Trance X herum hat Giant die Modellpalette etwas gestrafft. So ist vom kleineren Bruder, dem Trance mit 130/120 Millimeter Federweg, erst mal keine Neuauflage geplant. Wer es sportlicher mag, muss also gleich eine ganze Stufe tiefer zum Marathon-Bike Anthem greifen. Sehr schade, wie wir finden, da auch das Trance in unseren Tests immer eine erstklassige Figur abgegeben hat. Bei unserem Testbike, dem Trance X Advanced 1, handelt es sich um das mittlere von drei Carbon-Modellen.
Zusätzlich gibt es auch zwei neue Alu-Varianten, die bei 3499 Euro starten. Um eine perfekte Anpassung an den Fahrer zu ermöglichen, hat Giant viel Hirnschmalz in die Details gesteckt: So bietet der neue Vollcarbon-Rahmen nicht nur eine dreifache Geometrieverstellung an der Wippe, was Einfluss auf Tretlagerhöhe und Winkel hat, sondern zusätzlich auch die Möglichkeit, den Reach anzupassen. Über unterschiedliche Steuersatzschalen lässt sich dieser um insgesamt zehn Millimeter variieren. Wir fuhren das Bike zunächst in der neutralen Position mit einem Reach von 472 Millimetern und anschließend in der fünf Millimeter längeren Variante. Ein echter Pluspunkt im Feintuning der Geometrie. Zusätzlich stehen vier Rahmenhöhen von S bis XL zur Wahl, womit Giant einen fein abgestuften Reach von 426 bis 514 Millimetern anbietet.
Im Gelände knüpft das neue Trance X an die Tugenden seines Vorgängers an und verquickt ein potentes Fahrwerk mit einem absolut unkomplizierten Handling. In der mittleren Flipchip-Einstellung beträgt der Lenkwinkel 64,4 Grad, was für eine angenehme Laufruhe in schnellen Passagen sorgt. Dennoch fährt sich das Trance X in engen Kurven oder gar Spitzkehren keineswegs zu sperrig. Dank der mittigen, schön im Bike zentrierten Fahrposition stellt sich schnell ein gutes Gefühl ein: draufsetzen und wohlfühlen. Bei einer Fahrergröße um 1,80 Meter gefiel uns die lange Reach-Einstellung am besten. In der neutralen Position fällt die Sitzposition durch den steilen Sitzwinkel ansonsten etwas zu aufrecht aus. Weder bei der Sensibilität noch beim Schluckvermögen lässt das Trance X etwas anbrennen und verwöhnt mit Komfort und Kontrolle. Bergauf pumpt der Hinterbau bei offenem Dämpfer spürbar. Die Plattform schafft Abhilfe.
Bei der Ausstattung wird Funktionalität großgeschrieben. Neben dem Fox-Fahrwerk mit Grip-2-Kartusche schaltet das Giant drahtlos mit einer Sram GX AXS Transmission. Auch bei den Bremsen kommt Bewährtes zum Einsatz: So verzögern Shimanos XT-Stopper kraftvoll und zuverlässig. Um auf vielen Untergründen zu performen, rollt das Trance X auf Maxxis-Minion-DHF- und -Dissector-Reifen. Diese Kombi funktioniert tadellos, solange es nicht zu nass oder schlammig wird. Ebenfalls positiv: Die hauseigene Giant-Telestütze, die sich im Hub verstellen lässt. Auch der neueste Giant-Rahmen kommt mit Staufach im Unterrohr. Das Rahmengewicht bleibt mit 2722 Gramm ohne Dämpfer in einem guten Bereich. Bei der Servicefreundlichkeit bietet das Trance X jedoch noch Luft nach oben. Zum Beispiel könnte die interne Zugverlegung reibungsloser funktionieren.
BENOTUNG: Das BIKE-Urteil setzt sich aus den subjektiven Eindrücken der Testfahrer und unseren Labormesswerten zusammen. Das Urteil ist preisunabhängig. Notenspektrum: sehr gut (0,5–1,5), gut (1,6–2,5), befriedigend (2,6–3,5), ausreichend (3,6–4,5), mangelhaft (4,6–5,5).
LABOR (10 %): 2,9
AUSSTATTUNG (25 %): 1,9
+ ausgewogenes Handling
+ sensibles, potentes Fahrwerk
+ vielfältig anpassbare Geometrie
– wenig effizient im Wiegetritt
Das Giant Trance X begeistert auf Anhieb. Fahrwerk und Handling stechen heraus und machen auch die neueste Ausbaustufe zu einem stimmigen und funktionalen All Mountain. - Peter Nilges, BIKE-Testleiter