Das Levo 4 Expert zählt zu den fahrstärksten Full-Power-E-MTBs auf dem Markt. Vor allem in anspruchsvollem Gelände glänzt es mit enorm viel Fahrsicherheit. Bergauf überzeugt der kräftige, fein dosierbare Antrieb, bergab punktet das souveräne Fahrwerk und die gelungene sowie vielseitig einstellbare Geometrie. Dennoch bleibt das bekannte Specialized-Manko bestehen: Das Levo 4 Expert ist teuer. Für den aufgerufenen Preis bieten viele Wettbewerber mittlerweile leichtere Bikes mit einer mindestens gleichwertigen Ausstattung und ähnlich starken Fahreigenschaften. Dafür setzt Specialized bei Verarbeitung, Detaillösungen und Qualitätsanmutung nach wie vor Maßstäbe.
Um dem Launch vor knapp einem Jahr Nachdruck zu verleihen, ließ das Entwicklungsteam keinen Stein auf dem anderen und konstruierte das Power-All-Mountain Turbo Levo von Grund auf neu. Lediglich den Federweg von 160 Millimetern vorn und 150 Millimetern hinten hat das Levo 4 von seinem Vorgänger geerbt. Rahmen, Geometrie, Motor, Akku, Fahrwerk und selbst die Software wurden komplett neu entwickelt und konsequent aufeinander abgestimmt.
Specialized setzt beim Levo 4 – je nach Modell – auf zwei unterschiedliche Motorvarianten. Im Topmodell S-Works, das für 14.500 Euro angeboten wird, arbeitet der exklusive S-Works-3.1-Motor. Er liefert 111 Nm Drehmoment und eine Spitzenleistung von 850 Watt.
In den darunter positionierten Carbon-Modellen Comp, Expert und Pro kommt der Specialized-3.1-Motor zum Einsatz. Mit 105 Nm Drehmoment und 810 Watt Spitzenleistung fällt er auf dem Papier zwar etwas schwächer aus.
Unsere Praxistests zeigen jedoch: Die besseren Leistungsdaten des S-Works-Motors sind in erster Linie eine formale Abgrenzung zum Topmodell und dienen vor allem als zusätzlicher Kaufanreiz zugunsten des Topmodells. Auf dem Trail sind die Unterschiede dagegen kaum wahrnehmbar.
Für die Energieversorgung setzt Specialized serienmäßig auf einen 840-Wh-Akku, der auch auf langen Touren oder alpinen Trail-Abenteuern ausreichend Reserven bieten soll. Wer Gewicht sparen möchte, kann alternativ zum 600-Wh-Akku greifen und das Gesamtgewicht um rund 1,2 Kilogramm reduzieren. Beide Energiespeicher sind mit einer Schraube gesichert und werden seitlich aus dem Unterrohr entnommen. Baut man den Akku aus, legt man auch die SWAT-Zubehörtasche frei, die oberhalb des Akkus direkt hinter dem Steuerrohr sitzt und über einen Magnetverschluss gesichert wird.
Mit 24,5 Kilogramm (ohne Pedale in Gr. S3) gehört das Levo 4 Expert zwar nicht zu den Leichtgewichten seiner Klasse, dafür ist die Ausstattung konsequent auf den harten Trail-Einsatz ausgelegt. Eine FOX 38 Performance Elite GRIP X2 Federgabel, SRAM Maven Silver-Bremsen mit großzügig dimensionierten 220- und 200-Millimeter-Bremsscheiben, Reifen mit stabiler Gravity-Karkasse sowie eine SRAM GX Eagle Transmission-Schaltung zeigen, dass Robustheit und Standfestigkeit klar im Vordergrund stehen.
Ein weiteres Plus des Levo 4 sind seine vielseitigen Einstellungsmöglichkeiten. Über drei Flip-Chips lassen sich Lenkwinkel, Tretlagerhöhe und Kettenstrebenlänge variieren. Dadurch reicht die fahrdynamische Bandbreite von einem reaktiveren Trailbike bis hin zu einem ausgesprochen laufruhigen und spurtreuen All-Mountain. Je nach Setup lässt sich der Charakter des Bikes also spürbar verändern.
Ganz ausblenden lässt sich das hohe Gesamtgewicht allerdings nicht. Trotz der vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten vermittelt das Levo 4 nie ganz die spielerische Leichtigkeit, die einige leichtere Konkurrenzmodelle auf den Trail bringen. Stattdessen überzeugt es vor allem mit viel Ruhe, Souveränität und generell viel Fahrsicherheit – Eigenschaften, die insbesondere in anspruchsvollem Gelände ihre Stärken ausspielen.
Optisch fällt das Levo 4 aktuell leider etwas aus der Zeit. Das voluminöse Unterrohr und der vergleichsweise groß bauende Motor lassen das Bike betont wuchtig und massiv aussehen. Angesichts aktueller Full-Power-E-MTBs, die trotz vergleichbarer Leistung und Akkukapazität deutlich schlanker ausfallen und sich optisch zunehmend an Light-E-MTBs orientieren, wirkt das Levo 4 in dieser Hinsicht etwas altbacken. Auf die Funktion hat das zwar keinen Einfluss, im direkten Vergleich erscheint das Gesamtpaket jedoch weniger modern als einige der jüngsten Wettbewerber.
Beim Hinterbaudämpfer setzt Specialized auf die bereits vom Stumpjumper und Levo SL bekannte Genie-Technologie. Die vergrößerte Luftkammer soll für ein sensibles Ansprechverhalten und mehr Komfort im mittleren Federwegsbereich sorgen, ohne die notwendige Endprogression zu opfern. Zusätzlich lässt sich die Charakteristik über Volume-Spacer individuell anpassen.
In der Praxis zeigt sich der Hinterbau ausgesprochen komfortabel und fühlt sich sehr linear an. Große Schläge und verblockte Passagen bügelt das Fahrwerk souverän weg, was die Fahrsicherheit des Levo 4 Expert auch in anspruchsvollem Gelände unterstreicht. Bei sehr harten Landungen fehlt es der Abstimmung allerdings gelegentlich etwas an Unterstützung am Ende des Federwegs. Hier lohnt es sich, mit den mitgelieferten Genie-Bands – den speziellen Volumen-Spacern von Specialized – nachzujustieren und dem Dämpfer etwas mehr Endprogression zu verleihen.

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