Cannondale ist nicht unbedingt für günstige Preise bekannt. Das neue E-MTB Moterra 3 zeigt jedoch, dass die Amerikaner auch außerhalb der Premium-Kategorie überzeugen können. Der BIKE-Test deckt auf, was das neue E-Bike im Gelände und auf Touren leisten kann.
Das Cannondale Moterra 3 tritt als Aluminium-Variante mit bewährtem Bosch Performance CX-Motor und einem großen 800-Wh-Akku an. Schon die technischen Daten zeigen: Das Moterra ist kein Leichtgewicht. Mit rund 27 Kilogramm bringt es etwas mehr auf die Waage als die meisten vergleichbaren E-MTBs dieser Kategorie und Preisklasse. Immerhin: Diese üppige Masse steckt es sinnvoll in Geländetauglichkeit und Robustheit.
Dieser Test ist im Rahmen eines Duells mit dem Canyon Neuron:On AL 9 entstanden. Zwei neue E-Mountainbikes unter 6000 Euro im Test. Die weiteren Artikel dieser Reihe gibt’s direkt hier in den Links:
Der robuste Aluminiumrahmen hat eine integrierte Akkuaufnahme zur klassischen Batterieentnahme und der Proportional Response-Hinterbau stellt 150 mm Federweg bereit. Angetrieben wird es vom kraftvollen Bosch Performance Line CX Motor, auf Wunsch mit satten 100 Nm Drehmoment. Gespeist wird die Schwaben-Power von einem großen 800-Wh-Akku, der sich optional mit einem Range Extender erweitern lässt.
Foto: Max FuchsBewährt und gut: Der Bosch Performance CX.
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Foto: Max FuchsDer dicke Powertube 800 ist mit einem Schloss gesichert und lässt sich leicht nach vorne herausklappen.Foto: Max FuchsBedient wird das Bosch-System mit dem Purion 200 am Lenker. Im Oberrohr ist optional Platz für den Systemcontroller.
Vorne arbeitet eine RockShox Psylo Silver RC mit 160 mm Federweg, hinten ein RockShox Deluxe Select Luftdämpfer. Für Verzögerung sorgen günstige, aber kräftige 4-Kolben-Scheibenbremsen von Shimano (MT520) mit großen 203-mm-Scheiben, während Continental Kryptotal-Reifen auf WTB ST i30-Felgen für Traktion sorgen. Die Shimano CUES U6000 LinkGlide mit elf Gängen kümmert sich um den Antrieb – robust und zuverlässig, wenn auch weniger spektakulär als elektronische Konkurrenten. Insgesamt präsentiert sich das Moterra 3 als geländegängiges, souveränes E-Fully mit Fokus auf Haltbarkeit und Reserven.
Foto: Max FuchsShimanos Cues mit Linkglide liefert nur 11 Gänge - soll dafür robuster und langlebiger sein.Foto: Max FuchsGünstig und dennoch gut: Die Shimano-Deore-Stopper mit definiertem Druckpunkt und großen Bremsscheiben.
Die wichtigsten Komponenten des Cannondale Moterra 3
Reifen: Continental Kryptotal Fr / Re Enduro Soft, 29 x 2,4
Teleskopstütze: Cannondale Downlow / 200 mm
Foto: Max FuchsDie Züge laufen integriert durch den Steuersatz in den Rahmen. Das schafft ein aufgeräumtes Cockpit, erschwert aber manche Servicearbeit.
Vor- und Nachteile der einzelnen Komponenten
Ausstattungsseitig besonders gefallen haben im Test die kräftigen Shimano-Bremsen und die Continental-Reifenkombination, die viel Grip und Vertrauen aufbauen. Ein weiterer dicker Pluspunkt: Cannondale gewährt lebenslange Garantie auf den Rahmen und erlaubt eine sehr hohe Gewichtsfreigabe – ein Vertrauensbeweis in die Haltbarkeit. Die Psylo-Silver-Federgabel markiert hingegen einen Schwachpunkt. Während das Heck extrem souverän arbeitet und auch grobe Schläge locker wegsteckt, limitiert die Front das Potenzial des Bikes spürbar.
Foto: Max FuchsDie günstige Psylo Silver von Rockshox kann nicht mit dem potenten Hinterbau des Moterra 3 mithalten.Foto: Max FuchsPositiv fallen dafür die gut dämpfenden und sehr griffigen Conti-Reifen mit Enduro-Karkasse auf.
Weitere Infos zum Cannondale Moterra 3
Motor: Bosch Perf. CX, 100 Nm max. Drehmoment
Akku: 800 Wh (entnehmbar)
Rahmenmaterial: Alu
Federweg: 160/150 mm
Laufradgröße: 29 Zoll
Rahmengrößen: S, M, L, XL
Preis: 5899 Euro
Gewicht: 26,9 kg (Testbike in Größe L, BIKE-Messung)
Max. Systemgewicht: 150 kg
Garantie: lebenslang auf den Rahmen
Foto: Max FuchsAlltagstauglich: Das Cannondale Moterra 3 hat Anschraubpunkte für einen soliden Seitenständer.
Geometriedaten aus dem BIKE Labor
Foto: BIKE MagazinDie Geometriedaten wurden im BIKE Testlabor für das Cannondale Moterra 3 in Größe L ermittelt.
Fahreindruck und Sitzposition
Direkt im Uphill zeigt das Moterra seine Klasse. Der steile Sitzwinkel bringt den Fahrer weit nach vorne, das Vorderrad bleibt auch auf schwierigen Rampen satt am Boden. Die Traktion am Hinterrad ist hervorragend, selbst in Schlüsselstellen verliert das Bike nicht die Ruhe. Einzig bei sehr langsamer Fahrt und in enge Kehren merkt man die Länge und das hohe Gewicht des Bikes etwas negativ. Doch in Summe glänzt das Alu-Moterra als herausragender Kletterer.
Foto: Max FuchsSchwierige Uphills werden mit dem Cannondale Moterra 3 zur Spielwiese.
Auch in der Abfahrt vermittelt das Moterra viel Sicherheit. Die laufruhige Geometrie und der progressive Hinterbau machen es zum idealen Partner für schweres Gelände. Auf schnellen Abfahrten liegt es richtig satt und sicher, das Heck generiert viel Traktion und schluckt auch mal eine verpatzte Landung ohne Probleme. Für ein Touren-E-MTB sind die Reserven beachtlich. Größter Schwachpunkt ist die günstige Psylo-Federgabel, die mit dem Heck nicht mithalten kann. Auf flachen Trails und engen Kursen spürt man das hohe Gewicht: verspielte Manöver sind nicht die große Stärke des Cannondale Moterra 3.
Foto: Max FuchsVertrauen gibt das Cannondale Moterra 3 reichlich. Verspielte Manöver sind aber nicht die Stärke des Bikes.
Das Cannondale Moterra 3 in der BIKE Bewertung
Foto: BIKE MagazinSitzposition, Reichhöhe und Servicefreundlichkeit des Cannondale Moterra 3. Reichhöhe ermittelt bei Messfahrten auf Asphalt mit 12,2 Prozent Steigung. Höchste Unterstützungsstufe, 150 Watt Fahrerleistung, Fahrergewicht 90 kg.
Pluspunkte
potente Hinterbaufederung
hohe Laufruhe
fahrstark bergauf wie bergab
reichweitenstark mit super Motor
Schwachstellen
sehr schwer
Federgabel limitiert
etwas behäbig
Foto: BIKE MagazinCharakter des Cannondale Moterra 3.Foto: BIKE MagazinDie BIKE Note des Cannondale Moterra 3.
BIKE Fazit zum Cannondale Moterra 3
Trotz günstiger Ausstattung kann das Cannondale Moterra 3 im harten Geländeeinsatz überzeugen. Seine Reserven im Fahrwerk und die Souveränität am Berg geben Vertrauen, auch wenn Gewicht und Ausstattung nicht die sportlichsten Werte liefern. Wer ein robustes, langlebiges und abfahrtsstarkes E-Fully sucht, wird hier fündig. - Florentin Vesenbeckh, stv. Chefredakteur BIKE Magazin
Foto: Max FuchsFlorentin Vesenbeckh ist stv. Chefredakteur beim BIKE Magazin.
Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.