Florentin Vesenbeckh
· 26.06.2026
Erwachsener, Trail-Stärker und trotzdem weiter mit komfortabler Tourenkompetenz: Die Neuauflage des Bulls Vuca Evo AM2 ist gelungen. Mit Pinion MGU und Riemenantrieb hat dieses E-MTB ein innovatives, wartungsarmes Antriebspaket parat, das klare Vorteile bietet – wenngleich mit gewissen Eigenheiten. Mit 25,7 kg ist das Bike kein Leichtgewicht, dafür hat es viele nützliche Extras parat.
Ein E-Mountainbike ohne Schaltwerk – und trotzdem mit 12 Gängen. Das Bulls Vuca Evo AM2 mit Pinion MGU vereint die Vorteile eines klassischen Getriebes mit moderner E-Bike-Technologie. Kein abreißbares Schaltwerk, keine verschleißanfälligen Ketten und Kassetten, kein Geklapper. Was auf den ersten Blick wie das bereits bekannte Vorgängermodell wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als komplette Neuentwicklung.
Das Vuca Evo AM gehörte zu den allerersten Bikes mit Pinion MGU, die direkt bereit standen, als die Motor-Getriebeeinheit 2024 vorgestellt wurde. Doch für das Jahr 2026 hat Bulls das Bike grundlegend überarbeitet. Rahmen samt Geometrie, Akku, Bedienelemente und Ausstattung – nahezu jedes Detail wurde erneuert. Das Ergebnis ist ein deutlich erwachseneres und sportlicheres E-Mountainbike mit vielen spannenden Detaillösung.
Im Zentrum des Bulls Vuca Evo AM2 steht die Motor-Getriebe-Einheit Pinion MGU. Der E-Bike-Motor integriert direkt ein 12-Gang-Schaltgetriebe, was im Alltag und im Gelände entscheidende Vorteile bringt:
Ein besonderes Feature ist der Automatikmodus: Das System schaltet eigenständig basierend auf einer vorgegebenen Trittfrequenz. In der Ebene und bei entspannter Fahrt funktioniert dieser Modus zuverlässig, in steilen, technischen Anstiegen empfiehlt sich jedoch eher die manuelle Schaltung. Der Wechsel zwischen beiden Modi erfolgt intuitiv während der Fahrt durch einen langen Druck am Schalthebel.
Die Vorteile eines integrierten Schaltgetriebes direkt im Motor sind enorm. Doch ohne Nachteile kommt die Pinion MGU nicht aus. Leistung und Durchzug des Motors sind super. Doch gerade in den Berggängen fällt das Antriebsgeräusch laut aus. Gerade im Vergleich zu den dezent tönenden Motoren von Bosch und vor allem Avinox ist das auffällig. Außerdem gibt es eine Eigenart bei den Gangwechseln. Über die zwölf Gänge gibt es zwei Schaltvorgänge, bei denen zwei Getriebestufen gleichzeitig geschaltet werden müssen. Von 4 zu 5 und von 8 zu 9. Diese Doppelsprünge fallen ungewöhnlich hart aus und unterbrechen den Fahrfluss etwas.
Die Neuauflage des Vuca setzt auf einen komplett neuen Carbonrahmen. Bulls hat an vielen Detaillösungen gearbeitet, die den Bedienkomfort und Servicearbeiten deutlich angenehmer machen sollen. Darüber hinaus wurden dem Chassis auch auffälligere Neuerungen eingepflanzt: Die werkzeuglos verstellbare Eightpins-Sattelstütze bietet 180 mm Verstellweg. Der große Durchmesser der integrierten Stütze bewältigt die Belastungen beim Fahren deutlich besser als herkömmliche Systeme und verspricht langfristig bessere Funktion und Haltbarkeit.
Ein integriertes Kurvenlicht im Steuerrohr ergänzt die bereits vom Vorgänger bekannten, unauffällig im Ausfallende platzierten Rücklichter. Beide Leuchten werden direkt vom E-Bike-Akku versorgt. Am Cockpit findet sich darüber hinaus eine werksseitig mit dem Hauptakku verbundene SP-Connect-Schnittstelle. Diese ermöglicht den Anschluss verschiedenen Zubehör-Teile wie leistungsstarker Zusatzlichter oder Smartphone-Halterungen mit induktiver Ladefunktion.
Die komplett überarbeitete Geometrie bringt spürbare Verbesserungen. Insbesondere den sehr flachen Sitzwinkel mussten wir beim Vorgänger kritisieren (zum Test des Bulls Vuca Evo AM). Hier hat Bulls mit Augenmaß nachgebessert. So sitzt man jetzt zentral im Bike, ohne dass die Sitzposition ohne unangenehm extreme Ausrichtung. Die leicht gestreckte Position durch die niedrige Front ermöglicht effizientes Pedalieren.
Bergauf überzeugt das Vuca Evo AM2 mit guter Spurtreue. Das Vorderrad bleibt stabil in der Spur, während der Hinterbau hohe Traktion generiert. In Kombination mit der kraftvollen Pinion MGU wird das Bike zum souveränen Kletterer, der gleichzeitig in der Ebene noch komfortabel zu handhaben bleibt.
Im Trail-Einsatz zeigt sich die Neuauflage deutlich erwachsener und sportlicher. Der flachere Lenkwinkel und der längere Radstand sorgen für beeindruckende Laufruhe und hohe Fahrsicherheit, ohne dass das Bike dabei träge wirkt. Die Hinterradfederung arbeitet exzellent und liefert durch ihre gute Abstimmung viel Traktion am Untergrund, was im Gelände für hohe Kontrolle sorgt.
Der gesunde Gegenhalt der Dämpfung trägt zusätzlich zum souveränen Fahrverhalten bei. Der Charakter bleibt dabei klar im All-Mountain-Bereich angesiedelt. Das heißt: Das Bike meistert schweres Gelände souverän, schreit aber nicht nach extremen Enduro- oder Bikepark-Strecken. Die Handhabung ist intuitiv und spaßig, allerdings erfordern Manöver wie Bunny-Hops und Manuals eine Extraportion Körpereinsatz.
Trotz der vielen Stärken gibt es einige Kritikpunkte: Die verbauten Schwalbe Magic Mary in der günstigen Performance-Variante mit harter Gummimischung sind für ein E-Mountainbike dieser Preisklasse unangemessen. Das aggressive Profil täuscht über die tatsächlichen Grip-Eigenschaften hinweg, besonders bei Nässe zeigen sich Defizite. Hier wären höherwertige Reifen ab Werk wünschenswert.
Auch am Cockpit können Trail-Biker noch optimieren. Die Carbon-Kombi aus Lenker und Vorbau spart zwar Gewicht und sieht hochwertig aus, schränkt aber die Flexibilität ein. Der Lenker lässt sich nicht individuell drehen oder gegen Modelle mit mehr Rise tauschen. Eine höhere Lenkzentrale würde die Sitzposition entspannter gestalten und im anspruchsvollen Gelände mehr Sicherheit vermitteln, da die Front im Serientrimm recht flach ausfällt. Zwei Kleinigkeiten, die das Fahrverhalten nochmal verbessern können, ohne zu viel Budget zu verschlingen.

Redakteur CvD
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