Schweizer TaschenmesserDas All Mountain Bike Koba Trailtool 150 V2 Custom im Test

Max Fuchs

 · 26.07.2024

Koba Trailtool V2 150 Custom // 12,1 kg // 150/150 mm // 29" // 11.500 Euro // Carbon // All Mountain Bike
Fotos: Max Fuchs
Es kratzt an der 12-Kilo-Marke, besitzt dennoch 150 Millimeter Federweg und abfahrtslastige Geometrie-Daten - auf dem Papier schürt das Koba Trailtool V2 150 Hoffnungen auf das ultimative Bike für alles. Ob sich das auch auf dem Trail bestätigt, haben wir auf den groben Trails in Finale Ligure getestet.

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Noch potenter, noch robuster und noch schwerer. Besonders im Fully-Segment bewegt sich der Markt aktuell in eine klare Richtung: Vollgas bergab. Koba-Gründer Jan Koba blickt skeptisch auf diesen Trend. Er vergnügt sich zwar auch gerne in Downhills, für ihn ist der Uphill aber ebenso ausschlaggebend für den Fahrspaß: „Ein Bike mit über 14 Kilo auf den Rippen bereitet bergauf einfach keine Freude. Das sehen viele andere Biker da draußen auch so“, schildert der Schweizer seine Sicht der Dinge. Und genau dieser Zielgruppe widmet Koba das neue Trailtool V2.

Die Fakten zum Koba Trailtool V2 150 Custom

  • Preis: 11.500 Euro
  • Einsatzbereich: All Mountain
  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Federweg: 150 mm vorn / 150 mm hinten
  • Laufradgröße 29-Zoll
  • Rahmengrößen: S, M, L, XL
  • Gewicht: 12,1 kg in Größe L
  • Gewicht Laufräder: 3878 kg
  • Garantie: 10 Jahre
  • Besonderheiten: extrem leicht, Kabelintegration im Steuerrohr, Carbon so weit das Auge reicht, zwei Montagepunkte für Flaschenhalter
Die anspruchsvollen Trails um Finale Ligure bringen das sportliche und superleichte Koba an seine Grenzen. Dafür stehen tretintensive Touren oder schnelle Feierabendrunden ganz oben im Lastenheft - in dieser Federwegsklasse ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.Foto: Max FuchsDie anspruchsvollen Trails um Finale Ligure bringen das sportliche und superleichte Koba an seine Grenzen. Dafür stehen tretintensive Touren oder schnelle Feierabendrunden ganz oben im Lastenheft - in dieser Federwegsklasse ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.

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Ein Ding der Unmöglichkeit?

Entgegen der Marktrichtung lauten die Attribute des Koba Trailtool V2: flinker, vielseitiger und noch leichter. Die Rahmenplattform bietet drei Basismodelle mit 150, 160 oder 170 Millimetern Federweg. Laufradgröße: 29 Zoll. Da der Koba-Konfigurator individuelle Aufbauten ermöglicht, sind je nach Spezifikation sogar Gewichte ab 11,4 Kilo möglich. Damit realisiert das zehnköpfige Team, was aktuell den wenigsten Herstellern gelingt: viel Federweg in Kombination mit geringem Gewicht.

Als Basis für das Fliegengewicht dient ein schlankes Carbon-Chassis mit einem einfachen Viergelenk-Hinterbau. Auf Details wie ein Staufach oder zusätzliche Montagepunkte verzichtet Koba aus Gewichtsgründen. Einziges Schmankerl: die Kabelintegration im Steuersatz.Foto: Max FuchsAls Basis für das Fliegengewicht dient ein schlankes Carbon-Chassis mit einem einfachen Viergelenk-Hinterbau. Auf Details wie ein Staufach oder zusätzliche Montagepunkte verzichtet Koba aus Gewichtsgründen. Einziges Schmankerl: die Kabelintegration im Steuersatz.

Für unseren Test fiel die Wahl auf die All-Mountain-Variante mit 150 Millimetern Federweg. Als Basis dient ein schlankes Carbon-Chassis mit einem einfachen Viergelenk-Hinterbau. Auf Details wie ein Staufach oder zusätzliche Montagepunkte verzichtet Koba aus Gewichtsgründen. Einziges Schmankerl: die Kabelintegration im Steuersatz. Die Ausstattung? Gewichtsoptimiert. Das Bike wäre zwar auch mit einem Dämpfer mit Ausgleichsbehälter und Enduro-Pneus erhältlich, das würde jedoch den eigentlichen Entwicklungsansatz des Trailtool verwässern. Denn wir erinnern uns: Ein Koba soll vor allem leicht sein. Das ist unser Testbike definitiv: 12,1 kg in Rahmengröße L! Damit stellt das 150-Millimeter-All-Mountain sogar manch mittelpreisiges Race-Fully in den Schatten. Einen Großteil des geringen Gewichts verdankt unser Testbike allerdings auch der luxuriösen Ausstattung. Denn für gesalzene 11.500 Euro kommt das Bike mit edlen Toboga-Laufrädern aus Carbon, Shimano-Komponenten der höchsten Güteklasse und Srams teuerstem Transmission-XX-SL-Antrieb.

Die Ausstattung des Koba Trailtool V2 150 Custom

  • Gabel: Fox 36 Factory
  • Dämpfer: Fox Float Factory
  • Schaltung: Sram XX Transmission
  • Übersetzung/Bandbreite: 32; 10-52/520 %
  • Bremsen: Shimano XTR BR-M 9120 203/180 mm
  • Telestütze/Hub: Rockshox Reverb Stealth/150 mm
  • Laufräder: Toboga SL, DT-Naben
  • Reifen: Schwalbe Nobby Nic; Evo Addix Speedgrip SuperRace TLE 29 x 2,40
Einen Großteil des geringen Gewichts verdankt unser Testbike allerdings auch der luxuriösen Ausstattung. Dazu gehört Srams teuerster Transmission-XX-SL-Antrieb sowie...
Foto: Max Fuchs

In der Praxis: ein Für und Wider

Das Fahrerlebnis wird vom ausgeprägten Vorwärtsdrang des Trailtool V2 dominiert. Für maximale Beschleunigung lässt sich das Fahrwerk komplett blockieren. Gepaart mit den Nobby-Nic-Reifen in Schwalbes schnellster Gummimischung wandelt das Koba jedes Watt Beinarbeit verlustfrei in Vortrieb um. Auch gut: Dank des Gewichtsvorteils tänzelt das Koba förmlich durch leichtes Gelände und sorgt für ein angenehm spritziges Fahrverhalten. Kleine Tricksereien gehen locker von der Hand und Bunnyhops gelingen mit Leichtigkeit. Die Sitzposition fällt sehr sportlich aus. Der 490 Millimeter lange Reach positioniert den Piloten ordentlich gestreckt über dem Rahmendreieck.

Als limitierender Faktor entpuppte sich der Hinterbau. Mit „kleinem“ Fox-Float-Dämpfer reagiert dieser wenig sensibel auf feine Unebenheiten, hadert aber auch mit groben Schlägen im rauen Geläuf. So vermittelt das Bike deutlich weniger Reserven, als man es sich von einem 150-Millimeter-Fahrwerk wünschen würde. Auch die Geometrie erfordert bergab Fingerspitzengefühl. Selbst wenn die Länge des Bikes und der flache Lenkwinkel eigentlich viel Laufruhe versprechen, wollte es keiner unserer Tester so richtig krachen lassen.

Warum? Das hölzerne Fahrwerk und die eingeschränkte Beinfreiheit (langes Sitzrohr, kurzer Stützen-Hub) vermitteln nicht das Gefühl, sicher im Bike zu stehen. Der Grip-Mangel seitens der superleichten Reifen kommt erschwerend hinzu. Kurzum: Lediglich die Gabel und die hohe Front erinnern an die Qualitäten eines All Mountains. Ansonsten spielt das Koba V2 150 eher in der Liga sportlicher Touren-Bikes.

BIKE-Bewertung des KobaTrailtool V2 150 Custom

Dank des Gewichtsvorteils tänzelt das Koba förmlich durch leichtes Gelände und sorgt für ein angenehm spritziges Fahrverhalten. Kleine Tricksereien gehen locker von der Hand und Bunnyhops gelingen mit Leichtigkeit.Foto: Max FuchsDank des Gewichtsvorteils tänzelt das Koba förmlich durch leichtes Gelände und sorgt für ein angenehm spritziges Fahrverhalten. Kleine Tricksereien gehen locker von der Hand und Bunnyhops gelingen mit Leichtigkeit.

Stärken

  • Wahnsinns-Vortrieb
  • leichtfüßig und agil
  • großer Aktionsradius
  • Beispiellose Ausstattung

Schwächen

  • unterdimensionierte Reifen
  • schwaches Fahrwerk
  • ungünstige Fahrposition bergab
  • Züge klappern
Die Geometrie-Daten des Koba Trailtool V2 150 aus unserem BIKE-Labor in Rahmengröße L.
Foto: BIKE-Grafik
Unsere Labor-Daten und die Bewertung des Koba Trailtool V2 150 Custom im Überblick.

Das BIKE-Fazit zum Koba Trailtool V2 150 Custom

Wer sich einen großen Aktionsradius wünscht, viel Vortrieb und ein agiles Handling, wird mit dem Koba Trailtool V2 in dieser superleichten Konfiguration glücklich. Wer im Downhill höhere Ansprüche an das Fahrverhalten hat, muss mehr Gewicht in Kauf nehmen. – Max Fuchs, BIKE-Testredakteur
Max Fuchs, Test-Redakteur und Fotograf beim BIKE-Magazin.Foto: Dan GriffithsMax Fuchs, Test-Redakteur und Fotograf beim BIKE-Magazin.

Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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