Sayle Cycle № im Pickup-StyleDas perfekte Lastenrad macht alles anders!

Max Fuchs

 · 26.10.2026

Lang, aber nicht ausladend: 217,5 Zentimeter Gesamtlänge, 158,5 Zentimeter Radstand und 52 Zentimeter Rahmenbreite an der Ladefläche gemessen.
Foto: Sayle Bikes
Eine Ladefläche zwischen den Sitz- und Kettenstreben, ein kleines Hinterrad und zwei Antriebsstränge: Das Sayle Cycle № sieht nicht aus wie ein gewöhnliches Lastenrad. Die Münchner Marke legt die Fracht tief hinter den Fahrer und will damit Alltagstransporter und Sportgerät zusammenbringen. Selbst eine Mountainbike-Version mit Federgabel gehört zum Programm. Ist das das cleverste Cargo-Bike-Konzept to date?

Themen in diesem Artikel

Zusammenfassung

  • Das Sayle Cycle № ist ein kompaktes Lowtail-Lastenrad mit Stahlrahmen, 27,5-Zoll-Vorderrad und tief liegender Ladefläche über einem 20-Zoll-Hinterrad.
  • Zwei Antriebsstränge ermöglichen das ungewöhnliche Rahmenlayout. Die Ladefläche misst 46 × 40 Zentimeter und darf laut Hersteller bis zu 50 Kilogramm tragen.
  • Die Preise starten bei 2990 Euro.

Ein Fahrrad für den Einkauf, den Arbeitsweg und den Ausflug ins Grüne: Marcel Sayle wollte diese Aufgaben nicht auf mehrere Räder verteilen. Der Ingenieur und Zweiradmechaniker entwickelte deshalb das Konzept des Lastenrads neu und gründete 2023 Sayle Cycle. Über drei Jahre hinweg entstanden mehrere Prototypen, bevor das № seine heutige Form bekam. Ausgesprochen wird der Modellname „Numero“.

Fazit von Max Fuchs, BIKE-Redakteur

Lastenräder sind großartig. Die meisten Modelle haben aber ein Problem: die Fahreigenschaften. Lange Long-John-Lastenräder fahren sich sperrig – kein Vergleich zum Handling eines normalen Bikes. Cargo-Bikes mit normaler Front, bei denen die Ladung dafür über dem Hinterrad platziert ist, fühlen sich wegen des hohen Schwerpunkts bei viel Zuladung sehr kippelig an.

Das Sayle Cycle № bietet das Beste aus beiden Welten: eine klassische Steuerzentrale mit großem Vorderrad für ein natürliches Handling und eine tiefe Ladefläche für einen idealen Schwerpunkt. Damit eignet sich das Lastenrad für Menschen, die nicht nur maximale Transportkapazität suchen, sondern auch ein Bike, das sich trotz Zuladung wie ein normales Fahrrad fährt. Die Kehrseite des Konzepts sind der zusätzliche Antriebsstrang und die klare Einschränkung beim Personentransport: Das № ist für Gepäck gedacht, nicht für mitfahrende Kinder.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Das Sayle Cycle № im Detail

MerkmalHerstellerangabe
EinsatzgebietAlltag, Transport, Touren; je nach Ausführung auch unbefestigte Wege
BauformLowtail mit tiefer Heckladefläche
Rahmenmaterial25CrMo4-Stahl, pulverbeschichtet
Laufradgrößen27,5 Zoll vorne / 20 Zoll hinten
Länge / Radstand187 / 123 cm
Ladefläche46 × 40 cm
Maximale Last auf der Ladefläche50 kg
Zulässiges Gesamtgewicht168 kg einschließlich Fahrrad, Fahrer und Gepäck
KörpergrößeLaut Hersteller etwa 160 bis 200 cm
Gewicht UrbanCa. 18 kg, ohne Pedale und Zubehör
Gewicht ATBCa. 19 kg, ohne Pedale und Zubehör
PreisAb 2990 Euro
BesonderheitenZwei Antriebsstufen, tiefe Ladefläche, modulares Zubehörsystem

Die 46 × 40 Zentimeter große Transportfläche ist auf Alltagsladungen wie Getränkekisten, Pakete oder Taschen ausgelegt. Ihr 50-Kilogramm-Limit ist allerdings nicht mit der insgesamt möglichen Zuladung gleichzusetzen. Die Betriebsanleitung nennt 168 Kilogramm als zulässiges Gesamtgewicht – inklusive Rad, Fahrer und sämtlichem Gepäck. Je nach Fahrergewicht und Ausstattung kann die verbleibende Transportreserve daher schon vor Erreichen der Plattformgrenze ausgeschöpft sein.

Wer vor allem ein Familienrad sucht, muss ebenfalls genau hinsehen: Die Betriebsanleitung des № schließt den Transport von Kindern und anderen Personen auf dem Rad aus. Ein Kinderanhänger darf dagegen entsprechend den Herstellervorgaben verwendet werden.

Das Unternehmen hinter dem Lowtail

Sayle Cycle wurde 2023 in einem kleinen Ort im Münchner Umland gegründet. Die Idee zum ungewöhnlichen Lastenrad entstand bereits im Sommer 2022 im Rahmen von Marcel Sayles Bachelorarbeit im Industriedesign zum Thema „Mobilität in Städten“. Dabei brachte er seine Erfahrungen aus der Fahrrad- und Metallbaubranche ein. Die Marke setzt auf regionale Fertigung: Nach eigenen Angaben werden die Stahlrahmen regional geschweißt, pulverbeschichtet und versiegelt. Die Endmontage übernimmt Marcel Sayle am Firmenstandort selbst. Im Mittelpunkt stehen Langlebigkeit, Alltagstauglichkeit und die Reparierbarkeit mit Standardteilen. Als Vorbild für das vielseitige Fahrradkonzept nennt Sayle den Kombi: sportlich unterwegs, aber mit Platz für Gepäck.

Zwei Antriebsstränge für das Pickup-Design

Die tiefe Heckpartie verlangt nach einer besonderen Antriebslösung, da kein Platz für eine normale Kettenschaltung ist. Beim № laufen deshalb zwei Antriebsstränge über ein Zwischengetriebe. Damit lässt sich die Kraftübertragung an das ungewöhnliche Rahmenlayout anpassen, wodurch die Kette unter der Ladefläche zum Hinterrad laufen kann. Das Design besitzt eine vordere und eine hintere Kette; beide haben eigene Spannmöglichkeiten. Je nach Ausstattungsvariante läuft der hintere Antriebsstrang mit einer Kette oder einem Riemen.

Die technische Freiheit hat also eine praktische Gegenleistung: Hier gibt es mehr Antriebsteile zu kontrollieren als bei einem Fahrrad mit einer einzigen Kette. Sayle beschreibt dafür separate Wartungs- und Einstellschritte.

Auch der Stahlrahmen des № ist auf unterschiedliche Aufbauten vorbereitet. Er bietet zahlreiche Gewindeösen für Bikepacking-Zubehör oder Alltagsausstattung und genügend Platz für geländetaugliche Reifen.

Mit Federgabel und Stollenreifen ins Gelände

Am deutlichsten zeigt das № seine Mountainbike-Nähe in der ATB-Ausführung. Hier kombiniert Sayle eine Manitou-Machete-Federgabel mit 100 Millimetern Federweg mit einem 2,8 Zoll breiten Schwalbe Smart Sam vorne. Hinten rollt ein 2,35 Zoll breiter Schwalbe Smart Sam Plus. Geschaltet wird mit einer Shimano-Alfine-Nabe mit elf Gängen, gebremst mit hydraulischen Shimano-Scheibenbremsen.

Das ergibt auf dem Papier einen interessanten Transporter für Schotterwege, Campingausrüstung oder den Einkauf auf dem Heimweg von der Tour. Zum vollgefederten Lasten-MTB wird das № dadurch nicht: Der Hinterbau bleibt ungefedert. Bei Bedarf kann man die Ladefläche mit einer Racktime-Plattform an der Front ergänzen. So lässt sich das Gepäck auf zwei Bereiche verteilen.

Die Urban-Version ist stärker auf den Stadtalltag ausgerichtet. Sie kommt mit Starrgabel, Achtgang-Alfine, Schutzblechen und einer Lichtanlage mit Shutter-Precision-Nabendynamo. Schwalbe Big Ben Plus ersetzen hier die profilierteren Geländereifen.

Ausstattung, Preise und Verfügbarkeit

Das Programm reicht vom Rahmenkit bis zum elektrisch unterstützten Komplettbike. Urban und ATB kosten ab 2990 beziehungsweise 4200 Euro. Zusätzlich ermöglicht Sayle individuelle Custom-Aufbauten. Gepäckkorb, Auflageplatte und weitere Transportlösungen sind teilweise separat erhältlich. Welche Teile dazugehören, sollte deshalb anhand der gewählten Konfiguration geprüft werden.

Das E-Bike-Komplettrad gibt es ab 6800 Euro. Hier kombiniert Sayle einen Mahle-X30-Hinterradmotor mit einem 237-Wh-Akku, einer Shimano-Nexus-Fünfgangschaltung und einem Gates-Riemen in der zweiten Antriebsstufe.

Bestellt werden kann direkt bei Sayle Cycle. Der Hersteller nennt für Deutschland in der Regel 30 Tage Lieferzeit und weist zusätzliche Versandkosten aus. Die tatsächliche Lieferbarkeit der gewünschten Variante sollte vor einer Bestellung bestätigt werden.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

Meistgelesen in der Rubrik Fahrräder

Shorts