Günstig gegen teuerWie viel darf ein Lastenrad kosten?

Florentin Vesenbeckh

 · 25.10.2026

Wie teuer muss ein Lastenrad sein? Das Decathlon E Three 500 (rechts im Bild) kostet nur 2699 Euro, das Qio Long Clax mehr als das Doppelte. Was bekommt man für den Aufpeis?

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Ein gutes Lastenrad muss kein Vermögen kosten. Das zeigt das B’Twin E Three 500 für 2.699 Euro von Decathlon. Doch was bringt ein mehr als doppelt so teures Modell? Mit dem Qio Long CLAx für 5.699 Euro ordnen wir ein, wo sich der Aufpreis im Alltag bemerkbar macht. Zwei Longtails im Test.

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Zwei Kinder zur Kita, danach zum Supermarkt und am Nachmittag zum Sportverein: Für diese Aufgaben braucht ein Lastenrad vor allem ein überzeugendes Grundkonzept. Das liefert bereits das günstige B’Twin E Three 500 von Decathlon. Das Qio Long CLAx kann dieselben Aufgaben übernehmen, macht aber mit hochwertigerem Antrieb und vielen Komfortdetails einen anderen Anspruch geltend. Dafür ist es mehr als doppelt so teuer. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Was kann das teurere Rad mehr? Sondern auch: Wie viel angenehmer erledigt es dieselbe Arbeit? Wir haben die beiden Longtails ausführlich getestet und miteinander verglichen.

FAZIT der Redaktion

Für überwiegend flache Alltagsstrecken ist das B’Twin von Decathlon bereits ein überzeugendes Familienrad. Das Qio rechtfertigt seinen Aufpreis vor allem mit mehr Komfort, weniger Pflegeaufwand und einem performanteren E-Antrieb. Mehr Transportkapazität und Alltagsnutzen kaufst Du mit dem höheren Preis dagegen nicht automatisch.


Decathlon und Qio: Die wichtigsten Unterschiede

MerkmalDecathlon B’Twin E Three 500Qio Long CLAx
Grundpreis laut Einzeltest2.699 Euro >> hier erhältlich5.699 Euro >> hier erhältlich
MotorVision-Hinterradnabenmotor, 60 NmBosch Cargo Line Mittelmotor, 120 Nm
Akkukapazität711 Wh, entnehmbar800 Wh, entnehmbar, optional zweiter Akku (800 Wh) im Bike
SchaltungMicroshift 6-Gang-KettenschaltungStufenlose Enviolo-Nabenschaltung mit Automatik
AntriebKetteRiemen
FederungSuntour-Federgabel, 75 mm FederwegSR Suntour Mobie Cargo Federgabel und gefederte Sattelstütze
Größenanpassung an wechselnde FahrerSattelstütze mit Schnellspanner verdrehsicher, Lenkerhöhe nur über Spacher anpassbarCockpithöhe per Schnellspanner stufenlos verstellbar, Schnellpanner an Sattelstütze
BremsenHydraulische Tektro-Vierkolbenbremsen, 180-mm-ScheibenHydraulische Magura-Louise-Vierkolbenbremsen
Laufräder vorne/hinten26/20 Zoll20/20 Zoll
Zulässiges Gesamtgewicht inklusive Fahrrad209 kg200 kg
Maximale Last auf dem Heckträger80 kg80 kg
ExtrasUnter anderem Haltestange, Fußstützen und Speichenschutz serienmäßig; B’Clip-ready-Heckträger, Rahmenschloss ab WerkGefederte Sattelstütze serienmäßig, Personen- und Transportzubehör zusätzlich einplanen,

Mittelmotor vs. Heckantrieb

Das Antriebskonzept der beiden Räder unterscheidet sich grundlegend. Beim B’Twin E Three 500 steckt der Motor in der Nabe, Qio setzt auf einen klassischen Bosch-Mittelmotor. Decathlon zeigt, dass ein günstiger Nabenmotor für viele Transportaufgaben ausreicht. Sein Vision-Antrieb mit nominell nur 60 Newtonmetern schiebt eher gleichförmig als sportlich. Im flachen Stadtverkehr passt das gut zum Einsatzzweck: entspannt vorankommen, ohne sich mit Kindern oder Einkäufen unnötig anzustrengen. Unbeladen war im Test auch mit geringer Unterstützung zügiges Fahren möglich.

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Hilfreich ist die Anfahrhilfe. Mit einem Druck auf den Hebel lässt sich das beladene Rad unkompliziert in Bewegung setzen. Das entschärft die kurze Verzögerung, mit der der Motor auf das Pedalieren reagiert. Im Stop-and-go-Verkehr wird dieser Handgriff schnell zur Gewohnheit.

Im Qio arbeitet dagegen ein Bosch Cargo Line Mittelmotor mit bis zu 120 Newtonmetern Drehmoment. Im Einzeltest überzeugte er mit kräftiger und zugleich unauffälliger Unterstützung. Sein grundsätzlicher Vorteil bei anspruchsvolleren Anstiegen: Anders als der Hinterradnabenmotor nutzt er die Übersetzung der Fahrradschaltung. Das schafft günstigere Voraussetzungen, wenn das Tempo mit hoher Beladung am Berg sinkt. Für lange oder steile Anstiege bietet dieses Konzept viel mehr Reserven. Auch die Reichweite fällt beim Bosch-System im Qio nochmal besser aus.

Wer hauptsächlich im Flachen unterwegs ist, hat dagegen weniger Anlass, allein wegen des Motors 3.000 Euro mehr auszugeben.

Akku: Etwas mehr Energie, deutlich mehr Ausbaupotenzial

Beim Akku ist der Abstand in der Grundausstattung kleiner, als der Preis vermuten lässt. Den 711 Wattstunden des Decathlon stehen 800 Wattstunden beim Qio gegenüber. Das sind 89 Wattstunden oder rund 13 Prozent mehr gespeicherte Energie. Ein mehr als doppelt so teures Fahrrad bringt hier also keineswegs automatisch die doppelte Reichweite. Im Alltag war der Reichweitenvorteil des Qio aber deutlich wahrnehmbar. Das liegt auch daran, das die leichteste Unterstützungsstufe im Bosch-System zahmer abgestimmt ist und damit einen energiesparenden Betrieb fördert.

Wer wirklich auf maximale Reichweite wert legt, hat bei Qio noch eine Erweiterungsoption: Beim Long lässt sich optional ein zweiter Akku mit weiteren 800 Wattstunden nachrüsten. Insgesamt sind damit bis zu 1.600 Wattstunden möglich. Für lange Strecken im hügeligen Geände oder viele beladene Fahrten zwischen zwei Ladevorgängen ist das interessant. Der zweite Akku ist aber nicht im Grundpreis enthalten.

Nabenschaltung, Riemen und Automatik: Weniger Arbeit beim Fahren und Pflegen

Das Antriebspaket aus Riemen und automatischer Enviolo-Nabenschaltung ist einer der stärksten Gründe für das Qio. Nicht, weil eine klassische Kettenschaltung ihre Aufgabe nicht erfüllen würde. Sondern weil das teurere System mehrere kleine Alltagspflichten übernimmt.

Am Decathlon wählst Du die sechs Gänge der Microshift-Schaltung selbst. Vor dem Anhalten rechtzeitig herunterschalten, nach dem Anfahren wieder hochschalten: Wer regelmäßig Fahrrad fährt, kennt den Ablauf. Mit Kindern hinten auf dem Rad und engem Stadtverkehr verlangt er trotzdem etwas Aufmerksamkeit.

Das Qio regelt die Übersetzung automatisch. Du stellst Deine bevorzugte Trittfrequenz ein, die Enviolo passt die Übersetzung stufenlos an. Auch nach einem ungeplanten Stopp musst Du Dich nicht erst um einen passenden Anfahrgang kümmern. Der praktische Gewinn ist weniger Bedienaufwand. Gerade beim beladenen Losfahren kannst Du Dich stärker auf Balance und Verkehr konzentrieren. Die Automatik bleibt Geschmackssache. Wer gern selbst schaltet, oder penibel auf eine spezielle Trittfrequenz wertlegt, wird ihren Mehrwert geringer einschätzen.

Weniger subjektiv ist der Pflegevorteil des Riemens. Er benötigt keine Kettenschmierung und reduziert damit den regelmäßigen Pflegeaufwand. Gerade am Longtail ist das angenehm, weil Heckaufbau und Transportzubehör den Zugang zum Antrieb erschweren können. Wartungsfrei wird das ganze Fahrrad damit nicht. Ob sich der gesamte Aufpreis über eingesparte Wartungskosten amortisiert, bleibt ebenfalls fraglich. Du bezahlst hier vor allem für Bequemlichkeit.

Komfort: Hier spürst Du den Aufpreis direkt

Wer die beiden Lastenräder im direkten Vergleich bewegt, spürt einen Unterschied direkt auf den ersten Metern. Das Qio ist betont komfortabel. Wie in Watte gepackt schwebt man förmlich über den Radweg und kleine Unebenheiten werden stark gedämpft. Seine SR Suntour Mobie Cargo sprach im Test sensibel und geschmeidig an. Ein deutlicher Unterschied zum günstigen Modell im B’Twin. Dazu kommt die gefederte Sattelstütze, die Stöße vom Hinterrad deutlich abmildert. Das Modell von Decathlon wirkt im direkten Vergleich deutlich harscher - trotz des größeren Vorderrades.

Wichtig für Familien: Die gefederte Sattelstütze erhöht den Komfort von Fahrerin oder Fahrer. Sie federt nicht den Heckträger und damit auch nicht automatisch die mitfahrenden Kinder. Das Qio ist kein vollgefedertes Lastenrad.

Ein weiterer Mehrwert am Long Clax ist die schnell verstellbare Lenkerhöhe. Das gesamte Cockpit lässt sich per Schnellspanner anpassen. Teilen sich zwei unterschiedlich große Personen das Rad, wird aus einem Ausstattungsdetail ein praktischer Vorteil: Nicht nur der Sattel, auch die Griffposition ist rasch auf die nächste Person eingestellt.

Sehr kleine Fahrerinnen und Fahrer sollten allerdings gerade beim Qio probefahren. Die gefederte Sattelstütze benötigt zusätzlichen Bauraum und kann die niedrigste mögliche Sitzposition begrenzen. Bei einer Körpergröße unter 160 cm kann es definitiv eng werden. Komfortausstattung ist nur dann ein Gewinn, wenn das Rad auch passt.

Bremsen: Ist teurer gleich sicherer?

Auch die Bremsausstattung gehört zum Mehrwert des Qio. Die hydraulischen Magura-Louise-Vierkolbenbremsen stehen den ebenfalls hydraulischen Tektro-Vierkolbenbremsen des Decathlon gegenüber. Das günstige Rad spart hier also nicht mit einer simplen mechanischen Lösung. Auch hier ist die Bremswirkung ordentlich. Gerade im Dauereinsatz und bei hoher Beladung ist der größere Biss der Magura-Stopper aber deutlich spürbar und ein Plus an Komfort und Sicherheit.

Transport und Handling: Ist teurer auch praktischer

Beide Räder setzen auf das Longtail-Konzept für den Personentransport: Die Passagiere sitzen auf dem verlängerten Heck. Das Fahrgefühl bleibt näher am klassischen Fahrrad als bei einem dreirädrigen Trike.

Das Qio wirkte im Test kompakt und wendig, auch beladen ließ es sich gut handhaben. Das Decathlon tendiert mit seinem größeren Vorderrad stärker zur Laufruhe. Auf losem oder unebenem Untergrund kann das angenehm sein. Kleinere Laufräder sind also nicht in jeder Situation automatisch die bessere Lösung.

Bei der Transportkapazität kann das günstigere Rad ebenfalls mithalten. Beide Heckträger sind für maximal 80 Kilogramm freigegeben. Das zulässige Gesamtgewicht liegt beim Decathlon mit 209 Kilogramm sogar über den 200 Kilogramm des Qio. Dabei handelt es sich jeweils um Fahrrad, fahrende Person und Ladung zusammen, nicht um reine Zuladung.

Einen handfesten Vorteil hat das Decathlon beim schnellen Wechsel passender Aufbauten: Mit B’Clip lassen sich beispielsweise Sitzbank und Transportkorb zügig tauschen. Die Sitzbänke des Qio werden dagegen verschraubt. Wer morgens Kinder und später größere Einkäufe transportiert, sollte diesen Unterschied ebenso ernst nehmen wie Motor und Schaltung.

Wie viel muss ich wirklich ausgeben?

Das B’Twin E Three 500 beantwortet die Ausgangsfrage ziemlich klar: Für ein gutes, alltagstaugliches E-Lastenrad musst Du keine Unsummen ausgeben. Für 2.699 Euro bietet es eine überzeugende Basis für Kindertransport und Einkäufe. Auf überwiegend flachen Strecken sind seine Kompromisse für viele Familien gut vertretbar.

Das Qio Long CLAx kann dieselben Aufgaben übernehmen, nimmt Dir dabei aber mehr Arbeit ab. Der Bosch-Mittelmotor, die automatische Nabenschaltung mit Riemen, das sensiblere Komfortpaket und die schnell verstellbare Lenkerhöhe machen sich vor allem bei häufiger Nutzung bemerkbar. Die hochwertigeren Bremsen ergänzen diesen Anspruch.

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Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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