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Text: Johanna Nimrich
Cargobikes sind der Hit. Die Verkaufszahlen spiegeln das subjektive Gefühl wider, dass immer mehr von ihnen auf deutschen Straßen unterwegs sind. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 220.300 Lastenräder verkauft, das entspricht einer Steigerung von 26 Prozent im Vergleich zu 2021. Doch beschäftigt man sich das erste Mal mit ihnen, ist man mit einigen Fragen konfrontiert – wir klären die wichtigsten Punkte.
Hinter dem Begriff Lastenrad stecken unterschiedliche Konzepte mit eigenen Stärken. Entscheidend ist, wen oder was du transportieren möchtest und welche Strecken du täglich fährst. Auch Motor, Zuladung und ein geeigneter Stellplatz gehören auf die Checkliste vor dem Kauf.
Die wichtigste Einordnung der Cargobikes ist die Unterscheidung in Long John, Longtail und Dreirad. Beim zweirädrigen Long John ist die Fracht vor dem Fahrer untergebracht, das sind meistens größere Boxen für Gegenstände oder zwei Kinder. Beim Long John sind oft hohe Zuladungen möglich, es bietet mit Wetterverdeck und gemütlichen Sitzen viel Komfort für die mitfahrenden Kinder. Das Longtail wiederum ist vorne wie ein normales Rad gebaut, nur sein Heck ist verlängert. Werden Kinder mitgenommen, sitzen sie je nach Alter auf einem Kindersitz oder relativ simpel auf einer Sitzbank (siehe Tipp 6). Das Dreirad hingegen ist mit (meist) einem Rad vorne und zweien hinten komplett anders im Fahrverhalten. Es steht von allein, bietet oft Platz für drei bis vier Kinder. Weniger präsent in der Berichterstattung und auch in der Entwicklung bei den Radherstellern sind einfache Lastenräder wie das „Bäckerfahrrad" mit einem größeren Gepäckträger vorne.
Lastenräder gibt es schon fast so lange wie das normale Fahrrad. Speziell in den 1930er und -40er Jahren waren viele von ihnen auf den Straßen unterwegs und dienten Handwerksbetrieben als Transportmittel oder großen Familien zur Kindermitnahme. Doch erst die Entwicklung der elektrischen E-Bike-Antriebe verhalf Cargobikes zu einem enormen Entwicklungsschub. Heute sind Lastenräder ohne elektrischen Antrieb selten. Logisch, der Transport von Lasten ist im Flachen vielleicht noch händelbar, doch bei Steigungen maximal herausfordernd. Um die oft schweren Lastenräder plus ihre Fracht anzuschieben, braucht es starke Motoren. Meist sind Mittelmotoren verbaut. Ein Klassiker ist der Bosch Cargo Line, aber auch der Shimano EP8 Cargo. Eine Power von 75 bis 85 Nm Drehmoment sind Standard. Wer mit dem Lastenrad regelmäßig lange Steigungen bewältigen muss, sollte ein Modell mit einem besonders starken Motor, d.h. mit einem höheren Drehmoment, wählen. Frust ist ansonsten vorprogrammiert.
Lastenräder können teils richtig schwere Fracht transportieren. Dabei ist es wichtig, sich an die maximalen Obergrenzen zu halten. Hersteller geben ein zulässiges Gesamtgewicht an, das erreicht werden darf. Beim Lastenrad sind das oft 200 oder sogar 250 kg. Das klingt enorm viel, aber nachrechnen lohnt sich. Mit dem zulässigen System- oder Gesamtgewicht ist nämlich das Gewicht des Rades, des Fahrers und der Zuladung zusammengemeint. Die meisten Cargobikes wiegen 30 kg und mehr, auch 50 kg sind möglich. Dazu gibt es für jede Ladefläche wiederum separate Obergrenzen. Der lange Gepäckträger an Longtails ist oft auf 60 kg beschränkt, Wannen am Long John packen teils bis 100 kg.
Auf die wachsende Beliebtheit von Lastenrädern in den letzten Jahren hat die Radindustrie mit vielen neuen Produkten reagiert. Schwalbe hat mit dem Pick-Up und dem Smart Sam Cargo spezielle Reifen für Lastenräder im Programm, die Nabenschaltung Enviolo Heavy Duty und ihr Nachfolgemodell Utility schalten auch unter heftiger Last. In der Regel haben die Hersteller ein passendes Paket geschnürt, das den Anforderungen des Lastenrad-Alltags genügt. Dennoch lohnt sich der genaue Blick und man sollte nicht an der falschen Stelle sparen: Ist der Ständer beispielsweise wirklich solide und wie viel Kraft braucht man, um das Rad aufzubocken bzw. wieder zu starten? Sind hydraulische Scheibenbremsen verbaut? Wer Kinder mitnehmen will: Machen die Sitzmöglichkeiten einen komfortablen Eindruck oder muss sich das Kind z.B. an kalte Metallstangen anlehnen? Vor dem Kauf oder Leasing sollte klar sein, wofür das Rad vorrangig genutzt wird, wo es geparkt werden kann und wie die Topografie der meisten Wege ist. Viele Hersteller haben viel passendes Zubehör im Angebot, manche Bikes sind mit gängigen Systemen kompatibel, z.B. lassen sich Babyschalen von Maxicosi sicher einhaken oder Euroboxen perfekt platzieren. Viele Lastenräder sind mit einem Rahmenschloss ausgestattet. Ein guter Anfang – denn so ein schweres Rad klaut man nicht einfach so. Für mehr Sicherheit empfehlen sich passende Einsteckkabel oder lange Kettenschlösser.
Großer Einkauf, Getränkekisten, Werkzeug, Möbel oder der Weihnachtsbaum – mit dem Cargobike lässt sich Vieles transportieren. Was und wie viel mitkann, hängt vor allem vom Zuladungslimit ab, aber auch vom Format. Der Gesetzgeber gibt vor, dass ein Fahrrad mit Zuladung eine maximale Breite von 2,55 m haben darf. Und noch genauer: Beladung, die 40 cm zur Seite herausragt, muss streng genommen mit einem zusätzlichen Licht ausgestattet werden (vorn und hinten!). Und egal, was es ist: Die Ladung muss so gesichert sein, dass sie auch im Fall einer Notbremsung oder bei Ausweichmanövern nicht verrutschen oder herausfallen kann. Es gibt Abdeckhauben und auch Transportboxen mit Deckel, bei offenen Fahrzeugen sind Spanngurte ideal. Dazu kommt, dass die Lichtanlage nicht versperrt sein darf und der Lenker sich normal bedienen lassen muss.
Im Gegensatz zur Regelung bei normalen Fahrrädern gibt es bei der Mitnahme von Passagieren auf dem Cargobike keine Altersgrenze. Auch ältere Kinder und auch Erwachsene dürfen mitgenommen werden, sofern das Fahrrad dafür zugelassen ist. Aber: Der Mitfahrer braucht einen geeigneten Sitzplatz. Für Kinder bis zum vollendeten 7. Lebensjahr schreibt das Gesetz „besondere Sitze" vor, die aber nicht näher definiert sind. Es muss zudem sichergestellt sein, dass die Füße nicht in die Speichen gelangen können. Viele Cargobike-Hersteller geben ihrerseits eine Empfehlung heraus. Bei Longtails sollten Kinder bis etwa vier Jahren in einem richtigen Fahrradsitz sitzen, und somit auch angeschnallt sein. Auf der Sitzbank eines Longtails gibt es keine Gurte, weshalb zumindest gute Fußrasten oder -stützen sowie eine Reling (auch Monkey Bar genannt) ringsherum vorhanden sein sollten. Im Long John sind meistens Sitze mit Anschnallgurt für Kinder vorhanden. Erwachsene dürfen dennoch auch einfach so Platz nehmen. Gewichtslimits beachten!
Lastenräder sind vor dem Gesetz den anderen Fahrrädern gleichgestellt, das bedeutet, dass sie grundsätzlich auf Radwegen zuhause sind. Ist der Radweg nutzungspflichtig, gilt das für jeden Fahrradtyp. Doch ist der Fahrradweg beispielsweise verdreckt, zugestellt oder aus anderen Gründen unzumutbar, darf auf die Straße ausgewichen werden. Sind Lastenräder zu breit für die vorhandene Radinfrastruktur? Jein. Einspurige Lastenräder sind in der Regel nur so breit wie der Lenker eines anderen Fahrrads auch, also 60–80 cm. Auf geraden Strecken und bei gut ausgebauten Radwegen sind also keine Einschränkungen zu befürchten. Schwierig wird es teils bei Drängelgittern und engen Kurven. Manche Cargobikes haben einen recht großen Wendekreis und müssen an kniffligen Stellen aufwändig manövriert werden. Das gilt auch für mehrspurige Lastenräder, die in der Regel mit ihrer Box auch etwas breiter sind.
Kompakte Lastenräder wie das Muli mit seinem faltbaren Korb, aber auch die meisten Longtails passen an herkömmliche Fahrradstellplätze. Mit dem Long John wird es schwieriger. Was viele nicht wissen: Nutzt man die Fläche platzsparend, darf das Lastenrad auch auf einem normalen Parkplatz abgestellt werden. Sie sind nicht nur für Pkw reserviert. In der Praxis ist das für den kurzen Stopp eine praktikable Lösung, doch meist fehlen Möglichkeiten, das Rad auch sicher anzuschließen, also an einen festen Gegenstand wie eine Straßenlaterne anzuketten. Kommunen haben außerdem die Möglichkeit, Parkflächen speziell für Lastenräder zu markieren, erkennbar an einem Parkplatz-Schild in Kombination mit einem Cargobike-Piktogramm.
Keine Sorge, Lastenradfahren ist kein Hexenwerk. Ungeübte Fahrer sollten aber unbedingt eine kurze Probefahrt ohne Last machen, bevor sie Fracht oder gar Menschen mitnehmen. Je nach Cargobike-Typ muss das Fahrverhalten angepasst werden. Während Longtails sich wie normale E-Bikes fahren, ist die Umstellung auf ein Long John etwas größer – was auch Kopfsache ist, da das Gehirn erstmal verstehen muss, dass das Rad hier auch ganz normal zu fahren ist, auch wenn es ganz anders aussieht. Nach den ersten Kilometern kehrt Routine ein. Sicher gilt: Vorausschauend fahren ist wichtiger denn je, damit die Fracht geschont wird. Abruptes Abbremsen kommt auch bei mitfahrenden Passagieren recht ungefiltert an.
Traumbike ausfindig gemacht, aber es ist so teuer? Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich das gewünschte Lastenrad zu finanzieren. Da wäre 1. Leasing als sinnvolle Option, falls der Arbeitgeber mitspielt, 2. Ratenzahlung, die bei vielen größeren Geschäften möglich ist, und 3. die Förderung über kommunale Programme. Der Staat fördert aktuell nur Lastenräder für die gewerbliche Nutzung, also für Unternehmen und Freiberufler. Ein paar Bundesländer – aktuell Hessen und das Saarland – sowie einige Städte zahlen auch für Familien und Privatpersonen einen Zuschuss beim Kauf eines Lastenrades. Ein Zustand, der sich jederzeit ändern kann, in der eigenen Kommune nachzufragen lohnt sich also.
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