Canyon Grail CF SLX 7 Di2 im TestSo schnell ist das neue Race-Gravelbike wirklich

Jan Timmermann

 · 17.09.2026

Das Canyon Grail CF SLX Di2 Gen 3 ist unseren Test-Erfahrungen nach nein astreines Race-Gravelbike für die Langstrecke.
Foto: Max Fuchs
Canyon lässt das Grail Gen 3 aus dem Sack. BIKE konnte das brandneue Race-Gravelbike bereits ausgiebig in Labor und Praxis testen. Wir verraten in Video und Text, wie sich das neue Gravelbike von Canyon im Renneinsatz schlägt und welche Rolle dabei die 57 Millimeter breiten Reifen spielen. Hier kommt unser Test zum Canyon Grail CF SLX 7 Di2.

Themen in diesem Artikel

Daten und Fakten zum Canyon Grail CF SLX 7 Di2

Gewicht9.495 kg
SchaltungShimano GRX RD-RX 827
Bremse vorneShimano GRX ST-RX 825 / BR-RX 410
Reifen vorneSchwalbe Thunder Burt Evo AddixSpeed SuperGround TLE 29 x 2,25

Messwerte

Einsatzbereich
Tour
80
Wettkampf
Handling
wendig
40
laufruhig
0
33
66
100
Sitzposition
sportlich
90
komfortabel
0
33
66
100

Alle Messwerte findest du hier

Canyon verpasst dem beliebten Grail eine dringend benötigte Frischzellenkur und hebt das Race-Gravelbike damit auf topaktuelle Standards. Mit einem neuen Aero-Konzept, breiten Reifen und vielen cleveren Integrationslösungen tritt das neue Grail an, um die Bestzeiten der prestigeträchtigsten Gravel-Rennen der Welt herauszufordern. Mithilfe des Inputs vom Canyon All-Terrain-Racing-Team führten die Entwickler aus Koblenz das Grail in eine neue Ära und versprechen: So schnell war ein Gravelbike von Canyon noch nie! Ob das wirklich stimmt, konnten wir in einem ausführlichen Test bereits herausfinden.

Fazit

Keine Frage: Das Canyon Grail ist ein richtig schnelles Gravelbike für lange Offroad-Wettkämpfe. Platz für breite Reifen und zahlreiche praktische Details machen den Carbon-Rahmen zum Schweizer Taschenmesser unter den Race-Gravelbikes. An der Waage kann die Neuinterpretation zwar nicht unbedingt glänzen, dafür sind die Fahreigenschaften richtig stark und das Preis-Leistungs-Verhältnis fällt super aus. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

29 Zoll fürs Gravelbike

​Zusammen mit dem neuen Canyon Grail legt der Koblenzer Direktversender Daten aus internen Windkanal-Messungen bei, die belegen, dass breite Reifen in der Aerodynamik einen kleineren Stellenwert einnehmen als viele denken mögen. Zur Einordnung: Circa 70 Prozent des Luftwiderstands entfallen auf den Fahrer, nur etwa 30 aufs Rad. Am Bike ist beim Thema Aerodynamik der Laufradsatz die wichtigste Baugruppe - und damit sind auch die Reifen relevant.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Laut Canyon verursacht ein 45 Millimeter breiter Gravel-Reifen am neuen Grail der Generation Drei bei 35 km/h Geschwindigkeit 0,6 Watt weniger Luftwiderstand als ein 40er. Ein 55-Millimeter-Reifen wiederum braucht 4,2 Watt mehr als der 45er. Am schnellsten schneidet das Grail also mit den ab Werk montierten Schwalbe G-One R in 45 Millimetern Breite durch den Wind, der Unterschied zum 55er ist jedoch überschaubar. Deshalb legt Canyon unserem Testbike einen entsprechenden Satz Schwalbe Thunder Burt bei. Sie nutzen die neuen 57 Millimeter Reifenfreiheit voll aus, erreichen die Dimensionen 29 mal 2,25 Zoll und bringen genau 192 Gramm Mehrgewicht ans Rad. Auf die ebenfalls neuen und breiten Carbon-Felgen von Canyon passen sie im Tubeless-Setup optimal und müssen so für unseren Test herhalten.

Trotz breiter Reifen fällt er Komfort nur mittelmäßig aus. Canyon setzt auf eine proprietäre Aero-Stütze, welche ein spezielles Flex-Element integriert und so mehr Sitzkomfort bieten soll. Weder in der Praxis, noch auf unseren Prüfständen konnte der Komfort im Heck aber viele Punkte sammeln. Wer tagein, tagaus komfortabel sitzen möchte, der sollte lieber zum Adventure-Bruder Canyon Grizl greifen.

Große Laufräder wollen rollen

Mit den Breitreifen steigt die Laufradträgheit des Canyon Grail. In Beschleunigungsphasen kann das Race-Gravelbike so nicht mehr mit den spritzigsten Sprintern seiner Disziplin mithalten. Auch das Gesamtgewicht unseres XL-Testbikes mit den breiten Schwalbe Thunder Burt Reifen fällt mit 9,5 Kilo proper aus. Zu agil-nervösen Rennrädern geht das Grail auf gehörige Distanz. Viele Geschwindigkeitswechsel und viele Höhenmeter sind nicht die Kernkompetenz des Bikes. Dazu muss man aber auch sagen, dass Race-Gravelbikes ohnehin vor allem auf langen, unterbrechungsfreien Streckenabschnitten gefragt sind. Mit einem Paris-Dakar Ralley-Rennwagen will man auch nicht nur von Ampel zu Ampel spurten, sondern zehrende Etappen im Gelände abspulen. Für verwinkelte Innenstädte, Bergzeitfahren und Unterholz-Slalom gibt es andere Spezialisten als das Canyon Grail.

Die dicken Pneus vergrößern nicht nur das Luftvolumen im Reifen, sondern auch den gesamten Durchmesser der Laufräder. Spätestens seit der Debatte über 32-Zoll Räder am Gravelbike ist das bessere Überrollverhalten großer Laufräder in aller Munde. Mit 29er Reifen ist das auf dem Grail auch in der Praxis zu spüren. Der verringerte Überrollwinkel lässt das Bike an Kanten einfach weiterrollen als sei Nichts gewesen. Sind die Walzen einmal auf Schwung gebracht, kann sie kaum noch etwas aufhalten. In rauem Geläuf verlieren sie wenig Geschwindigkeit und rollen und rollen und rollen.

Wie auf Schienen

Natürlich sind die breiten Reifen nicht die einzigen Merkmale des neuen Canyon Grail. Auch die Geometrie wurde überarbeitet. Obwohl der Reach ähnlich baut wie am bereits langen Vorgänger, wurde die Sitzposition nochmal in die Länge gezogen. Das liegt vor allem am merklich niedrigeren Stack-Wert, der den Fahrer in einer aerodynamischen Haltung über den Rahmen spannt. Die Sitzposition ist sportlich-lang. Hinzu kommen verlängerte Kettenstreben, welche dem Race-Gravelbike mehr Spurtreue verleihen. Insgesamt zieht das geräumige Canyon sehr stoisch seine Bahnen. Die Laufruhe bei hohen Geschwindigkeiten ist bemerkenswert. Zusammen mit dem starken Rollverhalten der Reifen und einer im Vergleich zur Vorgängergeneration merklich verbesserten Aerodynamik will das Bike am liebsten nie wieder aufhören Strecke zu machen.

Auch in schnellen Abfahrten überzeugt das lange Grail und braust wie auf Schienen gen Tal. Das Race-Gravelbike will auf der schnellsten Route zum Zielstrich - so viel ist klar. Dabei lässt es sich nur ungerne von Umwegen aufhalten. In Engstellen wird dem Piloten bald bewusst, dass er auf dem Grail viel Bike manövrieren muss. Das verlangt nach etwas Erfahrung und einer Portion Nachdruck. Gut, dass Canyon sieben fein abgestufte Rahmengrößen anbietet. Wer zwischen den Größen liegt und vom Handling eines großen Bikes überfordert ist, sollte womöglich lieber zum kleineren Rahmen greifen.

Volle Ladung Features

Ein Lob muss man Canyon für die vielen Rahmenfeatures aussprechen. Von Unterrohr-Staufach über zerlegbaren Lenker und dritten Flaschenhalter bis zur Schutzblechaufnahme steckt unser Testbike, das Canyon Grail CF SLX Di2 randvoll mit Mehrwert für Langstrecken- und Vielfahrer. An einem Bike, das für den Wettkampf konzipiert wurde, ist das alles andere als selbstverständlich. Gemessen daran und an dem in Größe XL wirklich großen Chassis sowie den fetten Reifen kann man sich das pfundige Gesamtgewicht durchaus schönreden. Die formschön integrierten Cyclite-Taschen sitzen bombenfest und erlauben den Transport von Kleinigkeiten, wie Verpflegung und Autoschlüssel. An den “Nasen” der unteren Tasche, welche den Übergang zum Rahmen abrunden, blieben wir im Test - je nach Hose - leider öfters mal hängen.

Für knapp 4500 Euro trägt das Grail Shimanos Top-Gruppe RX715 GRX Di2 bei sich. Die Bremsen gehören zum Besten, was ein durchschnittliches Gravelbike bieten kann und auch die funkgesteuerte Schaltfunktion ist ein Gedicht. Das Preis-Leistungs-Verhältnis fällt attraktiv aus. Leben müssen Grail-Piloten mit der Beschränkung auf ein einzelnes Kettenblatt. Am Grail CF SLX Di2 spezifiziert Canyon eine günstige Deore-Kassette aus dem Mountainbike-Bereich. Mit den zwölf Schaltstufen erreicht das Race-Gravelbike zwar eine große Übersetzungsbandbreite, jedoch keine sonderlich feine Gangabstufung.

​Das Canyon Grail CF SLX 7 Di2 im Detail

  • ​Einsatzbereich: Race-Gravelbike
  • maximale Reifenfreiheit: 57 mm
  • Rahmenmaterial: Carbon
  • Gewicht: 9,5 kg (BIKE-Messung, Größe XL, mit Schwalbe Thunder Burt 29 x 2,25”, ohne Pedale u. Zubehör)
  • Preis: 4499 Euro
  • Besonderheiten: Rahmenstaufach, Cyclite-Taschensystem, Aufnahmen für Schutzbleche, Flex-Sattelstütze, zerlegbare Cockpit-Einheit

Ausstattung

  • Antrieb: Shimano RX715 GRX Di2 / Deore, 40; 10-51 (510%)
  • Bremsen: Shimano GRX 825, 160 / 160 mm
  • Laufräder: Canyon GR 50 CF
  • Reifen: Schwalbe Thunder Burt Evo AddixSpeed SuperGround, 29 x 2,25” (57 mm)

BIKE-Bewertung

Bei BIKE verlassen wir uns nicht auf die Angaben der Hersteller, sondern messen selbst nach. Kein anderes Fachmedium der Welt vermisst Testräder so ausführlich. Dafür betreiben wir ein eigenes Testlabor mit relevanten Prüfständen. Die Note ist preisunabhängig und orientiert sich am Schulnotensystem.

Messwerte und Noten

  • Gesamtgewicht: 9.495 g (davon Laufräder: 4102 g) / Gewichtung 25% / Note 3,3
  • Komfort Heck: 142,5 N/mm / Gewichtung 20% / Note 2,3
  • Komfort Front: 65,2 N/mm / Gewichtung 10% / Note 1,7
  • Antritt: 45,3 N/mm / Gewichtung 10% / Note 3,7
  • Fahrstabilität: 7,4 N/mm / Gewichtung 10% / Note 2,3
  • Note Labor (Gewichtung 75%): 2,7
  • Bremsen: Gewichtung 5% / Note 1,0
  • Schalten: Gewichtung 5% / Note 2,0
  • Reifen: Gewichtung 5% / Note 1,0
  • Lack: Gewichtung 5% / Note 1,0
  • Note Ausstattung (Gewichtung 25%): 1,4
  • Gesamtnote (Gewichtung 100%): 2,4

Stärken und Schwächen

Pro

  • sinnvolles Aero-Update
  • massig Reifenfreiheit rüstet für echtes Offroad-Racing
  • sportlich-souveräne Sitzposition
  • hohe Fahrstabilität und gute Rolleigenschaften
  • attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis

Contra

  • Komfort nur Mittelmaß
  • kein Leichtgewicht

Wie seht ihr das: Würdet ihr im Kampf gegen die Zeit am Gravelbike auf breite Reifen setzen? Schreibt es uns in die Kommentare!

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

Meistgelesen in der Rubrik Fahrräder

Shorts