Laurin Lehner
· 18.02.2026
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Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Aber irgendwie auch nicht. Margot Robbie wurde zum Beispiel zum erneuten Mal zu einer der schönsten Frau der Welt gekürt - und keiner würde da wohl widersprechen, oder etwa doch?
Ästhetik ist weit mehr als bloße Oberfläche – sie entscheidet darüber, ob uns etwas kaltlässt oder elektrisiert. Natürlich ist Schönheit subjektiv: Sie speist sich aus persönlichen Vorlieben, Erfahrungen und Emotionen. Was für die eine Person zeitlos elegant ist, wirkt auf die andere vielleicht langweilig. Und doch gibt es Proportion, Harmonie, Materialität oder handwerkliche Präzision, die wir erstaunlich häufig als „schön“ empfinden – unabhängig vom individuellen Geschmack.
Wir haben das Netz durchforstet und nach den schönsten Gravelbikes auf dem Markt gesucht - und gefunden, wie wir finden.
Von Platz 10 bis Platz 1. Der Preis spielte bei unserer Auswahl keine Rolle. Gewichts und Preisangaben sind in der Regel von dem abgebildeten Modell - hier handelt es sich nicht immer um das Topmodell.
Platz 10 geht an das schlicht-elegante Nuroad One vom Branchenriesen Cube. Bei der Rahmen-Entwicklung hat Cube sich von Renn- und Cyclocross-Rädern inspirieren lassen.
Die Farbe nennt sich „ruby’n’puce“. Klingt wie ein Indie-Duo aus Berlin, ist aber eine ziemlich gelungene Mischung aus tiefem Rubinrot und dunklem, bräunlichem Violett. Irgendwo zwischen Teetassenfarbe und 50er-Jahre-Badezimmer. Uns gefiel vor allem aus der Understatement-Farbe und puristischen Rahmenform. Im Alurahmen steckt eine Vollcarbongabel. Und jetzt festhalten: Das Ganze gibt’s für 899 Euro. Ein echtes Einstiegsmodell, das beweist, dass man für ein schönes Gravelbike nicht zwingend sein Sparschwein traumatisieren muss. Gewicht: 11,3 Kilo (Herstellerangabe). Preis: 899 Euro >> bei Liquid Life oder Fahrrad XXL erhältlich.
Platz 9 geht an die vsf fahrradmanufaktur. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich eine idealistische Geschichte: „Verbund selbstverwalteter Fahrradbetriebe“ – ein Zusammenschluss unabhängiger Händler, die irgendwann beschlossen, dass sie sich mit mittelmäßiger Qualität nicht länger abfinden möchten. Man kann sich das vorstellen wie eine kleine Fahrrad-Revolution in Cordhosen. Das Label aus Oldenburg produziert in Deutschland. Und wenn wir ehrlich sind: Man sieht es. Dieser Rahmen will keine Rennambitionen vortäuschen. Sportlich? Safe nicht. Klassisch? Und wie.
Wir sehen jedenfalls vor unserem inneren Auge Lehrer Dr. Specht (Robert Atzorn)– graumeliertes Haar, Ledertasche, ein leises Räuspern – wie er damit würdevoll um die Ecke auf den Schulhof einbiegt. Ihr kennt Dr. Specht nicht? Dann seid ihr zu jung für dieses Bike.
Das GX500 gibt es in sage und schreibe 14 Farben. Gewicht: 11,7 Kilo. Preislich liegt es bei 2.399,90 Euro >> z. B. hier reduziert erhältlich. Vielleicht ein Fahrrad fürs Leben. Und für den Schulhof.
Platz 8 gehört italienischem Traditionsadel: Pinarello rollt mit dem Dogma ins Ranking – und natürlich macht es das nicht einfach, es inszeniert sich. Der Hersteller selbst spricht von der perfekten Mischung aus der Geschwindigkeit des Dogma F und der Offroad-Power von Crossista und Dogma XC. Übersetzt heißt das: Asphalt-Diva trifft Schotter-Gladiator.
Den Klassik-Charme unserer Plätze 10 und 9 sucht man hier allerdings vergeblich. Das Dogma ist kein Fahrrad, das man an die Fachwerkhauswand lehnt, um es mit einem Cappuccino zu bewundern. Es ist eher eine Mischung aus Duschgel-Werbespot und Hightech-Konservenöffner – in a good way. Alles wirkt durchdesignt, aerodynamisch zugespitzt. Dieses leicht bucklige Oberrohr? Kein Zufall, sondern Attitüde. Die aggressive Gabel? Berechnung mit Stil.
Der Carbon-Flitzer zeigt eindrucksvoll, dass die Italiener nicht nur Espresso und Oper können, sondern auch Futurismus in elegant. Wo andere nach Science-Fiction aussehen, wirkt das Dogma wie Haute Couture auf zwei Rädern. Gewicht? Federleichte 7,3 Kilo. Preis? Verraten wir nicht, um Kreislaufprobleme zu vermeiden. Ne Spaß: 14.000 Euro kostet das gute Stück. Bausparverträge sind ohnehin überschätzt. Man lebt schließlich nur einmal. Let’s go!
Auch Platz sieben ist in italienischer Hand. Cinelli, 1948 von Cino Cinelli in Mailand gegründet, ist berühmt für ikonische Rahmen und avantgardistische Grafikdesigns. Das King Zydeco 2 bleibt diesem Credo treu: Carbonisiert, Schneller, sportlicher – aber weiterhin mit italienischem Charme.
Und ja, wir geben es zu: Es war weniger die klassische Formsprache des Rahmens, die das Bike in unsere Top 10 katapultiert hat, sondern das verspielte Graphik-Design. Schlicht? Ha! Eher eine Explosion von Farbe. Wäre Pippi Langstrumpf schnelle Gravel-Bikes gefahren, dann hätte sie vermutlich sofort zum King Zydeco gegriffen. Schneller Rahmen trifft auf Buntstift-Vandalismus – und irgendwie funktioniert es fantastisch.
Das Bike gibt es in etlichen anderen Designs, sodass garantiert für jeden Farb-Geschmack etwas dabei ist. Rahmen-Gewicht: 1.130 Gramm. Preis: 5.700 Euro.
Das schnelle Race-Gravelbike aus Bocholt rollt auf Platz 6: das Backroad FF. Es will zwei Dinge – Tempo und Schotter – und das gleichzeitig. Der „Gracer“ (ja, Wortspiel aus Gravel und Racer) mit seinem schlanken One-Piece-Cockpit hat schon jede Menge Testsieg-Medaillen am Oberrohr hängen und beweist Versender-typisch: Schick muss nicht immer teuer sein.
Farben gibt es reichlich: neu im Sortiment sind „Sweet Plum“ und „Dirty Lemon“. Aber die polarisierendste Variante? Ganz klar: „Rotten Candy“. Candy-Rosa trifft Penis-Adern oder was auch immer das sein soll – vulgär, provokant, alles andere als zeitlos, aber einprägsam. Wer dieses Bike sieht, schaut zweimal hin.
Egal welche Farbe, der Rahmen bleibt schnell, schlicht und dezent futuristisch. Das Backroad FF gibt es in vielen unterschiedlichen Modellen; wir stellen euch hier die FF GRX RX825 Di2 Version vor: 4.800 Euro, 8,2 Kilo laut Hersteller >> hier erhältlich.
Ein weiterer Italiener rollt ins Ranking: die Kultschmiede Bianchi. Auch dieses Label kommt aus Mailand – der Stadt, in der vieles Edle seinen Ursprung hat. Im Gegensatz zu Cinelli oder Pinarello ist Bianchi allerdings noch ein bisschen länger dabei: Gegründet 1885, mit einem Lebenslauf voller Spitzenplätze bei der Tour de France.
Doch nicht nur sportlich macht Bianchi Eindruck. Die markante Farbe „Celeste“ – dieser legendäre, türkis-grünliche Farbton, der für viele als blau erscheint – sorgt für sofortige Wiedererkennbarkeit. Wie Yeti bei den Mountainbikes: Man sieht es, man erkennt es, man will es.
Der Rahmen des Impulso RC überzeugt durch klare Linienführung: konsequent, resilient und nach Vortrieb verlangend. Extravaganzen? Fehlanzeige. Nur die schwarzen Lettern auf dem Unterrohr erinnern dezent daran, wessen Name hier auf zwei Rädern prangt. Im Gegensatz zum Abenteurer Bianchi Arcadex will das Impulso RC eines: schnell sein, sportlich, impulsiv - und das gerne im Gelände. Natürlich gibt es das Bike auch in anderen Farben. Aber mal ehrlich: Wer träumt bei einem Ferrari schon von einem Gelben? Preis: 6590 Euro. Gewicht: ab 8,1 Kilo.
Was, schon wieder ein Italiener? Der Name klingt zumindest nach Espresso und gestikulierender Leidenschaft. Tatsächlich kommt Cervélo aber aus Nordamerika – 1995 in Montreal gegründet und erdacht. Wikipedia erklärt den Namen so: „Cervello“ (Gehirn) und „Vélo“ (Fahrrad). Raus kommt Cervélo: Köpfchen auf zwei Rädern also.
Bekannt ist Cervélo für kompromisslos aerodynamische Carbonrahmen – und diesen Markenkern haben die Kanadier 2019 auch ihrem Gravelbike Áspero mitgegeben. Windkanal statt Weinkeller. Markant sind die tief angesetzten Kettenstreben – als hätte das Bike die Schultern eingezogen. Ansonsten: klare Linien, schnelle Züge, viel Understatement. Kein Dolce Vita, kein Farbenrausch – eher das stille Selbstbewusstsein eines Musterschülers im Windkanal. Preis: 6.799 Euro. Gewicht: ab 7,9 Kilo (Herstellerangabe).
Wenn man über italienische Rennrad-DNA spricht, kommt man an Wilier Triestina nicht vorbei. Gegründet 1906 in Bassano del Grappa, steht der Name für über 100 Jahre Leidenschaft auf zwei Rädern. „Wilier“ geht auf „W l’Italia liberata e redenta“ zurück – ein patriotisches Motto, das heute vor allem für Tempo, Stil und Charakter steht. Rennrad meets Gelände: Raus kommt das Wilier Rave. Das Ding schreit nach Tempo. Für um den See bummeln oder von München an die Ostsee fahren - eher nicht mit dem Rave.
Das Rave ist Rennrad mit Gravel-DNA - Italienische Eleganz mit modernster Carbon-Technologie. Wilier schafft es dieses Design so zu kombinieren, dass man das Rad am liebsten erst mal nur anschauen möchte. Und dann fahren. Schnell. Überraschend. Trotz Race-Ausrichtung verträgt das Rave eine Reifenbreite bis zu 52 Millimeter. Für uns in den Top 3 der schönsten Gravelbikes auf dem Markt. Preis: 9900 (ab 4400 Euro), Gewicht: 7,9 Kilo (Herstellerangabe).
Wenn ein Rennrad einen Maßanzug tragen könnte, es käme vermutlich aus dem Hause Basso. Die italienische Traditionsmarke wurde 1977 von Alcide Basso im norditalienischen Veneto gegründet. Fans sagen gern, ein Basso sei weniger Fortbewegungsmittel als rollende Stilfrage – schnell genug für die Attacke am Berg, elegant genug für den Cappuccino danach, bei dem man zufällig sehr lässig am Tresen lehnt.
Die inzwischen dritte Generation des Palta hat ein Staufach spendiert bekommen. Das neue Palta 3 zeigt die strömungsgünstige Silhouette eines aerodynamisch designten Straßenrenners, wirkt dabei aber keineswegs geschniegelt. Im Gegenteil: Die Optik hat etwas angenehm Brachiales. Espresso trifft auf Explosivität
Aerodynamisch? Ja. Konsequent geschniegelt-schnell aussehen? Nicht unbedingt. Die hohen Felgenflanken in Kombination mit den voluminösen Pneus erzeugen eine Art Widerspruchsästhetik – wie ein Ruhrpott-Hinterhofkicker im Bayerntrikot. Klingt kritischer, als es gemeint ist. Vielleicht ist genau dieser kleine Stilbruch das, was dem Palta 3 sein besonderes Funkeln verleiht. Kein geschniegelt glatter Schönling, sondern ein Charakterdarsteller mit Schmiss im Gesicht. Gewicht: 8,4 Kilo, Preis: 6699 Euro. (ab 4299 Euro bis 8499 Euro).
Schön, schick, sauschnell – die Würzburger Carbon-Manufaktur Bike Ahead Composites beweist mit dem Superfast, dass Kompromisse manchmal ziemlich kompromisslos nach ganz oben führen. An diesem Bike haben nicht nur ein paar Ingenieure getüftelt, sondern eine ganze Community. Fans durften mitentscheiden: Zugverlegung, Details, Cockpit. Demokratischer wird High-End selten.
Die schwarze Schönheit ist weder klassisch noch futuristisch – eher irgendetwas zwischen Raubkatze im Ansprung und Stealthfighter. Lack? Fehlanzeige. Stattdessen ein matt schimmernder Carbon-Look. Roh, ehrlich, gewollt – übrigens ebenfalls ein Wunsch der Community.
Und dann diese Laufräder: die sechsspeichigen Monocoque Bike Ahead Biturbo Gravel Aero. Sie wirken, als hätte ihn ein Airbus-Ingenieur entworfen. Rahmen, Gabel und Cockpit verschmelzen zu einer technischen wie optischen Einheit – alles greift ineinander, nichts wirkt zufällig. Hätte es zu Batman-Zeiten schon Gravelbikes gegeben, er hätte vermutlich zum Superfast gegriffen und das Batmobil stehen gelassen. So viel Detailverliebtheit, so wenig Gewicht, so viel eigenständige Ästhetik – das muss belohnt werden. Platz 1. Preis: ab 7549 Euro (bis 13.499 Euro), Gewicht: ab ab 6,85 Kilo.
Seid ihr ganz anderer Meinung als wir? Dann schreibt uns, gerne mit Begründung an: leseraktion@bike-magazin.de

Redakteur
Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.