Josh Welz
· 24.07.2026
Das neue Canyon Grizl hat ein klareres Profil: Mit komfortabler Geometrie, klassischem zweiteiligem Alu-Cockpit, Rahmenstaufach und zahlreichen Montagevorrichtungen für Gepäck und andere Utensilien zielt es ganz klar auf die Abenteuer und Bikepacking-Zielgruppe.
Das Radon hat Sexappeal - mit schickem Carbonrahmen und schnittigem One-Piece-Cockpit. Trotz der moderaten Geometrie und diverser Anschraubpunkte für Packtaschen, Flaschenhalter und Alltagsausrüstung sind eher die schnellen Schotter- und Asphaltpisten seine bevorzugte Spielwiese. Allerdings finden wir den 1x12-Antrieb mit 1-51er Kassette nicht die passende Wahl. Unterm Strich aber überzeugt das Radon mit dem breiteren Einsatzbereich.
Carbonrahmen, Einfach-Antrieb, hydraulische Scheibenbremsen und 45 Millimeter breite Reifen - die groben Eckdaten des Radon Regard 7.0 und des Canyon Grizl CF 7 sind identisch. Beide Gravelbikes richten sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ein modernes Carbonrad zu einem vergleichsweise günstigen Preis suchen.
Tatsächlich wollen die beiden Versender mit ihren günstigen Carbon-Gravelbikes aber unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Das Radon Regard 7.0 soll als neun Kilo leichtes Gravelbike mit integriertem Carbon-Cockpit die Sportfraktion ansprechen. Es soll auf Asphalt, feinem Schotter und schnellen Feldwegen ebenso funktionieren wie auf anspruchsvolleren Tagestouren. Der Rahmen besitzt zwar Befestigungspunkte für Gepäck, Schutzbleche und Bikepacking-Zubehör, will aber im Grundcharakter eher auf schnelle Fahrten ausgelegt sein.
Das Canyon Grizl CF 7 ist - so sagt es Canyon - das vielseitige Abenteuer- und Bikepacking-Rad. Sein Rahmen bietet Platz für bis zu 54 Millimeter breite Reifen, zahlreiche Anschraubpunkte, ein integriertes Staufach im Unterrohr sowie Aufnahmen für Gepäckträger, Schutzbleche und Zubehör an der Gabel. Canyon positioniert das Grizl als besonders vielseitiges Gravelbike für lange Touren, grobes Gelände und Fahrten mit Gepäck. Mit 9,8 Kilo in Größe M bringt es etwa ein Dreiviertel-Kilo mehr auf die Waage als das Radon.
In der Theorie also alles klar. In der Praxis auch? Fakt ist: Die Zielgruppen und Einsatzbereiche überschneiden sich oft: Auch Abenteuer-Biker drehen ihre Feierabend-Trainingsrunden. Ebenso sucht mancher Race-Gravelbiker am Wochenende das Mikroabenteuer beim Overnighter. Die Frage muss also erlaubt sein: Welches ist das bessere Allroundbike?
Beide Gravelbikes besitzen einen Carbonrahmen mit vollständig integrierter Kabelführung und eine Carbon-Gabel. Am Rahmen finden sich Befestigungspunkte für Flaschenhalter, Taschen, Schutzbleche und einen Gepäckträger. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt beim Regard 115 Kilo, beim Grizl 120 Kilo. Das alles zeigt: Auch das Regard ist konzeptionell eher breit aufgestellt.
Allerdings meint es das Canyon mit seinem Abenteuer-Auftrag etwas ernster. Es besitzt den aufwendigeren Rahmen - mit im Unterrohr integriertem Staufach, Aufnahmen für eine FidLock-Rahmentasche, einen dritten Flaschenhalter unter dem Unterrohr, eine Oberrohrtasche, Gepäckträger und Schutzbleche. Und die Carbon-Gabel bietet auf jeder Seite drei Montagepunkte. Die offizielle Reifenfreiheit beträgt zudem satte 54 Millimeter. Damit ist das Grizl spitzer in Richtung Abenteuer und Bikepacking ausgelegt.
Das Regard 7.0 spricht Fahrerinnen und Fahrer an, die ein schnelles und vergleichsweise leichtes Gravelbike suchen, sagt Radon. Schaut man aufs Gewicht und das superschicke integrierte Cockpit, scheint das zuzutreffen. Wir fragen uns aber: Wieso verbauen die Produktmanager dann eine Shimano GRX 1x12 mit 10-51er-Kassette? Klar, 1fach-Antriebe sind momentan Zeitgeist. Und 10-51er Mountainbike-Kassetten offenbar auch. Leider, denn wer überwiegend Flachstrecken und schnelle Untergründen befährt, wäre mit einer enger abgestuften 10-45er Kassette besser bedient als mit einer 10-51er Kassette mit ihren riesigen Gangsprüngen. Die 10-45er Kassette aber steckt im Grizl CF 7. Hier dagegen fragt man sich: Wären gerade Bikepacker und Abenteurer mit schwerem Gepäck nicht über ein großes Bergritzel froh?
Bei den Bremsen haben beide Hersteller bei Shimano in die gleiche Schublade gegriffen. Herausgezogen haben sie die hydraulischen GRX-Bremsen mit 160-Millimeter-Scheiben - eine probate Bremsanlage im günstigen Gravel-Segment.
Beim Cockpit versuchen beide Hersteller die Charaktere ihrer beiden Bikes zu schärfen. Radon setzt beim Regard 7.0 auf ein mega schickes, sportlich flaches One-Piece-Cockpit aus Carbon. Die Leitungen verlaufen vollständig im Inneren. Das sorgt für eine aufgeräumte Optik und spart gegenüber einer klassischen zweiteiligen Alu-Kombination etwas Gewicht. Der Lenker besitzt deutlich ausgestellte Lenkerenden und einen flachen Drop - das bringt Komfort und auch Kontrolle abseits befestigter Wege.
Ein Nachteil des integrierten Cockpits ist die eingeschränkte Anpassbarkeit. Vorbau und Lenker lassen sich nicht unabhängig voneinander verändern. Wer eine andere Vorbaulänge oder Lenkerbreite benötigt, muss die komplette Einheit tauschen. Für Fahrerinnen und Fahrer mit durchschnittlichen Proportionen dürfte die Serienauslegung jedoch gut funktionieren.
Canyon kombiniert beim Grizl CF 7 einen etwas steileren Aluminium-Vorbau mit einem Aluminium-Lenker - die Kombination lässt sich auf individuelle Wünsche besser anpassen. Serienmäßig sind in Größe M ein mit 60 Millimeter kurzer Vorbau und ein mit 440 Millimeter eher breiter Lenker verbaut. Auch hier sind die Lenkerenden deutlich ausgestellt und der Drop fällt eher flach aus. Ein Set-up, das deutlich auf Komfort ausgelegt ist.
| Geometriedatum, Größe M | Radon Regard CF | Canyon Grizl CF 7 | Unterschied |
| Stack | 583 mm | 596 mm | Canyon +13 mm |
| Reach | 393 mm | 404 mm | Canyon +11 mm |
| Oberrohrlänge, horizontal | 560 mm | 581 mm | Canyon +21 mm |
| Steuerrohrlänge | 150 mm | 158 mm | Canyon +8 mm |
| Lenkwinkel | 71,5° | 71,0° | Canyon 0,5° flacher |
| Sitzwinkel | 74,5° | 73,5° | Canyon 0,5° flacher |
| Kettenstrebenlänge | 435 mm | 440 mm | Canyon +5 mm |
| Radstand | 1041 mm | 1076 mm | Canyon +35 mm |
| Tretlagerabsenkung | 75 mm | 75 mm | gleich |
| Überstandshöhe | 808 mm | 826 mm | Canyon +18 mm |
Das Canyon fällt hoch und lang aus, das Radon moderat kompakt. Dank kürzerem Radstand, kürzeren Kettenstreben und einem 1/2 Grad steileren Lenkwinkel fährt sich das Radon lebendig-agil. Die Steuerbefehle aber setzt das Grizl mit seinem kompakteren Cockpit direkter um. Auffällig ist, dass beide Modelle mit einer deutlichen Tretlagerabsenkung von 75 Millimetern arbeiten. Das senkt den Schwerpunkt und verbessert die Kurvenlage. Im technischen Gelände steigt dadurch allerdings das Risiko von Pedalaufsetzern.
Das Radon Regard 7.0 vermittelt aufgrund seines geringeren Gewichts und der kompakteren Geometrie das sportlichere Fahrgefühl. Es beschleunigt leichtfüßiger und wirkt agiler. Die 10-51er-Kassette hilft an steilen Anstiegen, auf schnellen Flachpassagen allerdings wäre eine feinere Abstufung wünschenswert. Auch das integrierte, gestreckte Carbon-Cockpit trägt zum sportlichen Eindruck bei. Gleichzeitig sorgen der breite Lenker und die ausgestellten Drops für ausreichend Kontrolle, wenn der Untergrund gröber wird. Das Regard ist damit definitiv kein Race-Gravelbike, sondern ein sportlich-schicker Allrounder.
Das Canyon Grizl CF 7 fährt sich deutlich ruhiger und souveräner. Die Kombination aus langem Radstand, flachem Lenkwinkel, hoher Front und breitem Lenker vermittelt Sicherheit auf schnellen Abfahrten und anspruchsvollen Trails. Schlaglöcher und lose Passagen bringen das Bike weniger schnell aus der Ruhe. Der Nachteil dieses Konzepts zeigt sich auf kurvigen, engen Wegen. Dort wirkt das Grizl etwas behäbiger. Genau diese Eigenschaften werden mit Gepäck jedoch zum Vorteil. Das Rad bleibt auch dann stabil, wenn Taschen an Rahmen und Gabel das Handling zusätzlich beeinflussen. Auf den hohen Komfort des Grizl zahlt zusätzlich die zweigeteilte Carbonsattelstütze ein. Auf schnellen Schotterpassagen dämpft sie die Vibrationen spürbar.

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