Die Gravelbikes der BIKE-Redaktion Teil 1So gravelt ein Test-Redakteur privat

Jan Timmermann

 · 16.08.2026

BIKE-Redakteur Jan Timmermann mit seinem Falkenjagd Aristos Trail Gravel.
Foto: Georg Grieshaber
Gravelbikes haben in wenigen Jahren die Fahrrad-Szene erobert. Auch in der BIKE-Redaktion zählt fast jeder Redakteur ein Gravelbike zu seinem persönlichen Fuhrpark. Wir werfen einen Blick auf das Material der Branchen-Insider. Diesmal: Das Falkenjagd Aristos Trail Gravel von Test- und Technik-Redakteur Jan Timmermann.

Themen in diesem Artikel

Gravel ist für BIKE-Redakteur Jan Timmermann ein Trendbegriff. Schon vor 15 Jahren baute er sich sein erstes Starrgabel-Hardtail auf, um damit Strecke zu machen. Noch bevor “Gravel” oder “Bikepacking” etablierte Worte wurden, durchquerte Jan Europa auf seinem ungefederten 29er Mountainbike. Taschen und Zubehör musste er damals noch aus dem Ausland bestellen, da sportives Radreisen in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckte.

“Micro-Adventure” und “Freiheit auf zwei Rädern”? Die Verschmelzung von Mountainbike und Rennrad ist für Jan die kapitalistische Marketing-Erschließung eines Fahrstils, der seit Erfindung des Fahrrads bereits super war. Anders als zu Studenten-Zeiten steht dem 33-Jährigen heute mehr Kapital aber weniger Zeit zur Verfügung. Wenn er aufs Gravelbike steigt, konzentriert er sich deshalb häufig auf Ein-Tages-Ultra-Ritte. Als sein letzter Stahlrahmen brach, kam ein Titan-Bike ins Haus. Wir haben uns das persönliche Falkenjagd Aristos Trail Gravel des Redakteurs im Detail angeschaut.

Fazit

Um ganz ehrlich zu sein: Gravel ist für mich die zweite Wahl hinter dem Mountainbiken. Auch deshalb habe ich früh in ein progressives Titan-Bike investiert. In meinem ständig wechselnden Fuhrpark ist das schöne Falkenjagd Aristos Trail Gravel eine feste Größe, um die ich mich wenig kümmern muss, und die völlig zeitlos immer bereit steht, um spontane Abenteuer anzugehen. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Jans Falkenjagd Aristos Trail Gravel im Detail

  • Einsatzgebiet: Gravel / Bikepacking
  • Material Rahmen und Gabel: Titan
  • Rahmengröße: XL
  • Reifengröße: 29 x 2,2” (55 mm)
  • Gewicht: 9,6 kg (BIKE-Messung, Größe XL, ohne Pedale)

Ausstattung

  • Antrieb / Übersetzung: Sram Force / GX / X0 Eagle AXS, 40; 10-52 (520%)
  • Bremsen: Sram Force, 180 / 180 mm
  • Laufräder: Tune King Kong / NoTubes ZTR Crest
  • Reifen: Specialized Pathfinder, 29 x 2,2”
  • Lenker / Vorbau: Salsa Woodchipper / Thomson Elite X4
  • Sattel / -stütze: Selle Italia SLR Ti / Cannondale Save

Der Fahrer

  • Name / Alter: Jan Timmermann (33)
  • Größe / Gewicht: 190 cm / 82 kg
  • Beruf: BIKE-Redakteur
  • Wohnort: Oberbayern

Das Einsatzgebiet: kurz oder lang

Monstercross? Ultra-Gravel? Mountainbikes mit Dropbar? Für mich alles ein alter Hut. Genau wie viele andere Szene-Insider sah ich das Potential von starren Gabeln und den Trend zu breiten Reifen ein gutes dutzend Jahre voraus. Allerdings hängt mein Herz seit 20 Jahren nicht etwa am Gravel-, sondern am Mountainbike. Seit fünfeinhalb Jahren arbeite ich als Testredakteur. Seitdem bin ich in der privilegierten Lage quasi wöchentlich auf neue Bikes zugreifen zu können. Ich liebe Gravelbiken, komme aber nur noch selten zu reinen Schotter-Fahrten und verbringe meine Freizeit lieber mit einem gefederten Bike im Gelände.

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Wenn ich heute zum Gravelbike greife, hat das vor allem drei Gründe. Erstens: Es ist ein elegantes Gefährt für Pendel-Fahrten zur Arbeit. Zweitens: Gerade im Winter, wenn der Wald im Schmodder versinkt, ist es ein gutes Trainingsgerät für schnelle Runden über Straßen und Felder. Drittens: Viel Platz für Taschen und Wasser sowie ein Lenker mit vielen Griffoptionen machen es zum geeigneten Untersatz für mehrwöchige Bikepacking-Urlaube oder Ein- bis Drei-Tages-Ultras. Wenn ich aufs Gravelbike steige, beträgt die Tagesdistanz entweder 35 oder 350 Kilometer. Für alles darunter oder dazwischen schätze ich das Mountainbike.

Der Rahmen: klassisch und der Zeit voraus

Als ich 2021 zu einem 400-Kilometer Solo-Trip aufbrach, riss nach 30 Kilometern das Steuerrohr meines Stahl-Rahmens ab. Ich musste das fahrunfähige und mit Taschen behangene Starrgabel-Dropbar-Hardtail-Mountainbike auf den Schultern nach Hause tragen. Nur wenige Tage später kreuzten sich meine Wege mit Andreas Kirschner von Falkenjagd Bikes. Er hatte das Rahmenset einer Trail-Gravel-Sonderversion des Aritsos CX im Gepäck und zufällig passte mir die Größe.

Damals gab es von dem außergewöhnlichen Gravelbike gerade einmal 25 Stück weltweit. Das besondere: Die Reifenfreiheit war für damalige Verhältnisse extrabreit und der Lenkwinkel der Titangabel lag mit 69 Grad extraflach. Die Geometrie erinnert an den Tour-Divide-Klassiker Salsa Cutthroat: laufruhig und komfortabel ohne in Extreme abzudriften. Ich habe eine Schwäche für Titan. Selbst mein Ehering besteht aus dem Leichtmetall. Doch nicht nur das Material, sondern auch Geo und Kompatibilität meines Falkenjagds sind zeitlos. Für mich als Gelegenheits- aber Langdistanz-Gravelbiker ist das perfekt.

Laufräder und Reifen: Das MTB lässt grüßen

Schon oft habe ich mich gefragt, warum Gravel-Laufräder eigentlich so teuer und schwer sein müssen. Klar, die fehlende Dämpfung durch das starre Chassis und die verhältnismäßig schmalen Reifen verlangt der Haltbarkeit schon etwas ab. Das Haltbarkeits-Argument gilt für Mountainbike-Komponenten, die ja deutlich härteres Gelände verdauen müssen, aber auch​. An meinem Gravelbike fahre ich deshalb einen älteren Cross-Country-Laufradsatz aus Aluminium. Mit Tune-Naben und No-Tubes-Felgen wiegt er weniger als manch doppelt so teures Gravel-Modell aus Carbon.

Falkenjagd gibt das Bike offiziell für 50 Millimeter breite Reifen frei. In meinen Rahmen passen ohne Kompromisse auch 55 Millimeter Breite. Mindestens 53 Millimeter sind meiner Meinung nach die Zukunft an den meisten Gravelbikes. Entgegen des Volksglaubens rollen breite Reifen mit weniger Widerstand als schmale. Dämpfung, Grip und Traktion liegen auf einem anderen Level.

Dass Breitreifen zu Lasten der Trägheit gehen, nehme ich gerne in Kauf, schließlich kommen mir bei Gravel-Fahrten nur wenige Geschwindigkeits-Wechsel unter. Als ich das erste mal Maxxis-Reifen in den Dimensionen 29 mal 2,1 Zoll aufs Falkenjagd zog, brach ich schon auf der ersten Runde alle meine persönlichen Rekorde auf Strava - egal ob Waldboden, Schotter oder Asphalt. Aktuell sind zu Testzwecken neue Modelle von Specialized verbaut.

Antrieb und Anbauteile: Preis-Leistung über das letzte Watt

Als Mountainbiker hatte ich noch nie Probleme mit großen Gangsprüngen. An alle meine Bikes gehören Einfach-Antriebe mit großer Bandbreite. Funktechnik revolutionierte in meinen Augen die Gravelbike-Schaltung. Davor behalf ich mir mit teuren Bastellösungen, wie Spezial-Kassetten und -Schaltwerkskäfigen, um die Bandbreite am Gravelbike zu erhöhen. Heute sortiert eine Sram GX AXS die Gänge an meinem Falkenjagd. Sie lässt sich problemlos mit den Force-Hebeln paaren, kostete auf dem Gebrauchtmarkt extrem wenig und kommt mit einer X0-Mountainbike-Kassette klar. Ich bin ein großer Kerl und transportiere ab und zu Gepäck. Deshalb setze ich auf 180 Millimeter große Bremsscheiben vorne und hinten.

Den alten Selle Italia SLR mit Titangestell fahre ich seit meinem 17. Geburtstag. Zwischenzeitlich ließ ich ihn neu beziehen. Auch die Cannondale Save Carbon-Stütze ist älteren Semesters. Sie begleitete mich bereits bei einem 3000-Kilometer-Trip mit 40.000 Höhenmetern durch Europa, besitzt einen sehr angenehmen Flex und einen super Komfort. An meinem Thomson-Vorbau sparen Titanschrauben etwas Gewicht. Er baut nur 70 Millimeter kurz, beschert deshalb ein direktes Lenkverhalten und harmoniert perfekt mit dem ausladenden Alu-Lenker von Salsa. Dessen extreme Breite gibt viel Kontrolle und bietet meinen großen Händen viele Optionen.

Ausblick: Wohin geht Gravelbiken?

Ich bin mir sicher, dass 2027 der große Siegeszug der 32-Zoll-Gravelbikes beginnt. Reifenbreiten ab 29 mal 2,1 Zoll sind ohnehin gesetzt. Ich finde es schade, dass im Gravel-Boom so viele Bikes verkauft wurden, die keine breiten Reifen zulassen - das könnte zukünftig für viel Frust sorgen. Ich bin außerdem verwundert, dass nicht mehr Hersteller ihren alten Hardtails Starrgabeln verpassen, wie etwa Scott es mit dem Scale Gravel getan hat. Die Ausdifferenzierung zwischen Race-Gravelbikes und Adventure-Modellen wird voranschreiten. Wir sehen sie bereits jetzt. Das ideale Gravelbike der Zukunft ist meiner Meinung nach aerodynamisch optimiert und leicht, besitzt große Räder und Reifen aber keine Federelemente. Für Fahrspaß auf Trails bleibt das Mountainbike unersetzlich.

Was meint ihr: Wie sieht euer persönliches Gravelbike aus? Worauf achtet ihr bei der Technik? Schreibt es uns in die Kommentare!

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Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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