Fahrrad-Pendeln ist gut für die Umwelt und für die Fitness. Unabhängig von ÖPNV und Parkplatzsuche erlaubt das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit ein größeres Freiheitsgefühl als jedes andere Verkehrsmittel. Besonders beliebt sind dabei Gravelbikes. Auch in der BIKE-Redaktion pendeln verhältnismäßig viele Mitarbeitenden mit dem Gravelbike zur Arbeitsstätte. Redakteur Jan Timmermann legt besonders viel Pendel-Motivation an den Tag. In diesem Artikel gibt der Vielfahrer sein Fazit zum Rad-Pendeln mit dem Gravelbike im Vergleich zu anderen Bike-Gattungen ab.
Mit keinem Rad bin ich schneller im Büro als mit einem flotten Gravelbike. Eine windschnittige Position und sportliche Fahreigenschaften auf allen Untergründen verschaffen dem Gravelbike einen zeitlichen Vorteil. Im Vergleich zu einem schnellen Mountainbike fällt dieser jedoch klein aus. Handling, Komfort, Gepäcktransport: Geschwindigkeit ist für Fahrrad-Pendler längst nicht alles. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Ich muss vorausschicken, dass mein Arbeitsweg mit 31 Kilometern einfache Strecke ungewöhnlich lang ist. Ein durchschnittlicher Fahrrad-Pendler legt in Deutschland nur nur vier bis fünf Kilometer in eine Richtung zurück. Dabei ist anzumerken, dass knapp die Hälfte der Deutschen weniger als zehn Kilometer von ihrem Arbeitsplatz entfernt wohnt. Trotzdem nutzen nur rund zehn Prozent dafür das Fahrrad. Statistisch gesehen fahren Berufspendler mit E-Bikes etwas längere Strecken als Gleichgesinnte ohne Motor. Auch ich habe den elektrischen Rückenwind fürs Pendeln ausprobiert, wurde jedoch enttäuscht. Mein Arbeitsweg ist mit 130 Höhenmetern je Richtung eher flach. Die Abschaltung bei 25 km/h sorgt dafür, dass ich den E-Motor kaum nutzen kann.
Trotzdem ist meine Erfahrung, dass schnell Fahren keine Option für jeden Tag ist. Wer drei, vier oder fünf Mal pro Woche eine so lange Distanz mit dem Fahrrad hin und zurück fährt, spürt unweigerlich irgendwann die Erschöpfung. Das Ziel kann nicht ausschließlich die schnellste Pendel-Zeit sein. Auch Sicherheit, Erholung und Komfort müssen auf Dauer eine Rolle spielen. Darauf kann die Wahl des Fahrrads einen Einfluss haben. Ich zum Beispiel pendle gerne mit meinem Starrgabel-MTB-Hardtail mit Singlespeed-Antrieb. Die Beschränkung auf nur einen Gang nimmt mir die Regulierung der Geschwindigkeit ab. Trotzdem bin ich damit bei ähnlichem Energieaufwand schneller als mit einem mindestens doppelt so schweren E-Bike.
In den letzten 1,5 Jahren bin ich an 135 Tagen mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren - 270 mal dieselbe Strecke. Ich tracke jede einzelne Fahrt mit. Bei dieser Fallzahl und unzähligen Variablen kann man natürlich nicht von einer wissenschaftlichen Relevanz ausgehen, es reicht jedoch um eine ziemlich genaue persönliche Statistik aufzustellen. Als Test- und Technik-Redakteur habe ich Zugriff auf verschiedenste Arten von Fahrrädern mit ganz unterschiedlichen Konzepten. Dies sind meine Bestzeiten für die 31 Kilometer unter halbwegs vergleichbaren Bedingungen:
Das Gravelbike ist also der schnellste Untersatz fürs Fahrrad-Pendeln. Extra flott sind wettkampforientierte Race-Gravelbikes mit aerodynamischen Konzepten und besonders sportlichen Sitzpositionen. Eine Herausforderung eint jedoch alle Räder: Der Gepäcktransport. Selbst wenn der Laptop im Büro verbleiben kann und es vor Ort sowohl Spinte als auch eine Möglichkeit zum Mittagessen gibt, wollen mindestens Wechselklamotten, Snacks und Wertsachen transportiert werden. Ich fahre in 90 Prozent der Fälle mit Rucksack. Ein Gepäckträger hält zwar den Rücken frei, kann aber Fahr- und Aerodynamik torpedieren. Auf dem Weg zur Arbeit trage ich in der Regel auch keine aerodynamisch optimierte Kleidung, sondern ein bequemes Shirt und eine eng anliegende Baggy über der Bib.
Wäre es mein Ziel möglichst schnell mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen, müsste ich laut meiner persönlichen Statistik auf ein aerodynamisches Race-Gravelbike setzen. Je schneller die Fahrt, desto wichtiger ein windschnittiges System aus Bike und Biker. Bei Geschwindigkeiten zwischen 20 und 25 km/h nimmt der Stellenwert der Aerodynamik stark zu. Ab 30 km/h übertrumpft der Luftwiderstand den Rollwiderstand und alle anderen bremsen Kräfte. Etwa 95 Prozent meines Arbeitsweges sind asphaltiert, viele Kilometer verlaufen auf geraden, unterbrechungsfreien Strecken. Wollte ich noch schneller in der Arbeit sein, müsste ich wohl auf ein aerodynamisch optimiertes Rennrad mit Auflieger setzen.
Das ich das nicht tue, hat gleich mehrere Gründe. Wie erwähnt ist eine schnelle Durchschnittsgeschwindigkeit nicht mein Ziel beim Fahrrad-Pendeln. Bereits ab 30 km/h wird es als Radfahrer im Straßenverkehr richtig gefährlich. Lieber habe ich einen guten Überblick über mein Umfeld als den Kopf tief in den Wind zu ducken. Viele aufeinanderfolgende Fahrten auf sehr sportlichen Rädern setzen zudem meinem Rücken zu. Eine etwas aufrechtere Haltung schont langfristig den Körper.
Ich darf mich glücklich schätzen, denn meine Route verläuft über viele Radwege. Allerdings ist die Asphaltdecke an vielen Stellen in einem schlechten Zustand. Etwas Komfort in Geometrie, Chassis und Reifen ist auf Dauer von Vorteil. Auch deshalb pendle ich gerne mit einem leichten Mountainbike, bei dem sich die Federelemente via Lenker-Remote sperren lassen. Meine Bestzeiten habe ich auch auf den schnellen Gravelbikes übrigens stets mit mindestens 55 Millimetern Reifenbreite eingefahren.
Wie seht ihr das: Nutzt ihr zum Fahrrad-Pendeln am liebsten ein schnelles Gravelbike oder gar Rennrad? Oder sind euch andere Aspekte, wie Komfort und Gepäcktransport am Bike wichtiger? Schreibt es uns in die Kommentare!

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