Comeback von Peugeot​Der Löwe steigt wieder aufs Rad

Dimitri Lehner

 · 15.07.2026

Die glorreichen Zeiten für Peugeot Cycles: 1975. Rennteam bei der Tour de France und absolute Premium-Marke als Fahrradhersteller für Privatleute. Jetzt bald wieder?
Foto: Getty Images/Jack Garofalo
Peugeot baut wieder Fahrräder. Mehr als 25 Jahre nach dem Rückzug aus dem Kerngeschäft kehrt eine der traditionsreichsten Marken der Radsportgeschichte zurück – mit Rennrädern, Gravelbikes, Mountainbikes und E-Bikes. Die Produktion bleibt in Frankreich, der Blick geht in die Zukunft.

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Zurück zu den Wurzeln

Wer Peugeot hört, denkt zuerst an Autos. Dabei begann die Erfolgsgeschichte der Löwenmarke lange vor dem ersten Automobil auf zwei Rädern. Bereits 1881 produzierte Peugeot Fahrräder und wurde zum ersten industriellen Fahrradhersteller Frankreichs. In den folgenden Jahrzehnten prägten die Franzosen den europäischen Fahrradmarkt – und schrieben Radsportgeschichte.

Nun folgt das Comeback.

Bei den legendären 24 Stunden von Le Mans 2026 präsentierte Peugeot Cycles seine neue Modellgeneration. Sie umfasst zunächst sieben Modelle – vom Rennrad über Gravel- und Mountainbikes bis hin zu City-Bikes und E-Bikes.

Lizenz bis 2042

Hinter der Wiedergeburt steht nicht der Autokonzern Stellantis selbst, sondern die französische Rebirth-Gruppe. Das Unternehmen besitzt eine internationale Lizenz für Peugeot Cycles bis zum Jahr 2042 und übernimmt Entwicklung, Montage und Vertrieb.

Montiert werden die Räder im französischen Romilly-sur-Seine – einem Standort mit historischer Verbindung zur Marke. Rebirth hat sich auf die Wiederbelebung traditionsreicher Mobilitätsmarken spezialisiert und führt bereits die Kultmarke Solex im Portfolio.

Zunächst sollen die neuen Peugeot-Räder Ende 2026 in Frankreich in den Handel kommen. Gespräche über eine Expansion nach Deutschland, Spanien und Asien laufen bereits.

Eine Marke mit Rennsport-DNA

Die Rückkehr ist mehr als ein nostalgischer Ausflug. Peugeot gehört zu den großen Namen der Radsportgeschichte. Bereits 1905 fuhr der erste Tour-de-France-Sieger Louis Trousselier auf einem Peugeot-Rad. Bis 1986 unterhielt die Marke ein eigenes Profiteam.

In den 1970er-Jahren war Peugeot zeitweise Europas größter Fahrradhersteller. Legendär wurden vor allem die Rennräder aus Reynolds-Stahlrohren, darunter das PY-10, das bis heute Kultstatus genießt.

Weniger bekannt: Peugeot war oft seiner Zeit voraus. Bereits 1906 verbaute das Unternehmen eine Zweigang-Nabenschaltung. 1983 präsentierte man mit dem PY10 FC eines der ersten Serienrennräder mit Carbonrahmen. Ein Jahr später brachte Peugeot das erste Mountainbike auf den französischen Markt.

Mehr als Nostalgie

Die neuen Modelle setzen erwartungsgemäß auf moderne Technik, E-Antriebe und zeitgemäßes Design. Entscheidend wird jedoch sein, ob Peugeot mehr gelingt als ein Retro-Comeback.

Der Name allein verkauft heute keine Fahrräder mehr. Der Markt ist hart umkämpft, die Kundschaft anspruchsvoll und die Konkurrenz global.

Doch nur wenige Marken verfügen über eine vergleichbare Geschichte. Wer schon Fahrräder baute, als das Automobil noch Zukunftsmusik war, bringt zumindest beste Voraussetzungen mit.

Der Kreis schließt sich

Peugeot begann als Fahrradhersteller. Erst später kamen Motorräder und Autos hinzu. Nun kehrt die Marke zu ihren Ursprüngen zurück.

Oder anders gesagt: Der Löwe steigt wieder aufs Rad. Und diesmal soll die Fahrt mindestens bis 2042 dauern.

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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