Mit dem Grizl 5 richtet sich Canyon an alle, die ein Gravelbike für möglichst viele Einsatzzwecke suchen. Vom täglichen Arbeitsweg über Bikepacking-Touren bis hin zu Schotterpisten soll das Aluminium-Modell nahezu jede Herausforderung meistern. Wir haben das Canyon Grizl 5 genauer unter die Lupe genommen und herausgefunden, wo seine Stärken liegen – und wo Kompromisse unvermeidbar sind.
Das Canyon Grizl 5 markiert den Einstieg ins Gravelbike-Lineup der Koblenzer. Bei Anschaffungskosten von unter 1300 Euro liegt die Zielgruppe klar auf preisbewussten Gravel-Einsteigern. Mit teils zehnmal so teuren High-End-Race-Gravelbikes hat das Grizl 5 nur wenig zu tun. Vielseitigkeit und Zuverlässigkeit stehen stärker im Fokus als das sportlichste Konzept. Doch wie viel steckt tatsächlich hinter diesem Vielseitigkeitsversprechen?
Einsteiger, die ein solides und hochwertiges Gravelbike zum attraktiven Preis suchen und vielleicht mit einer gemütlichen Radreise liebäugeln, dürfen beim Canyon Grizl 5 - auch mit altem Rahmen - zuschlagen. Alle, die ihr Bike aber vor allem aus sportlichen Beweggründen nutzen, sollten mehr Geld in die Hand nehmen. Für sie dürfte das günstige Alu-Grizl schlicht zu schwer sein. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Obacht: Das Grizl 5 stand bis vor Kurzem noch mit einem Rahmen der Vorgänger-Generation im virtuellen Schaufenster. Auch das Bike in diesem Check stammt nicht aus dem aktuellen Portfolio. Diesen Rahmen gibt es so nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu kaufen, denn Canyon gönnte auch dem günstigsten Grizl vor Kurzem das Update auf den aktuellen Aluminium-Rahmen. Zu merken ist das Beispielsweise an der Reifenfreiheit von 50 Millimetern, während das neuste Modell sogar Gummis mit 54 Millimetern Breite aufnimmt. Nichtsdestotrotz bleibt der Charakter des alten und des neuen Bikes ähnlich.
Das Grizl ist das Bikepacking- und Abenteuer-Gravelbike des Direktversenders und will lieber lange Touren mit Gepäck statt Vollgas-Ritte antreten. Dabei unterstützen drei Faschenhalteraufnahmen am Rahmen und diverse Anschraubpunkte für Zubehör. Schön: Eine Carbon-Sattelstütze hilft Vibrationen aus dem Untergrund zu filtern und soll den Sitzkomfort erhöhen.
Während der Rahmen inzwischen eine Frischzellenkur erfahren hat, bleibt die Ausstattung des Canyon Grizl 5 weitestgehend gleich. Typisch Canyon ist das Paket preisattraktiv kalkuliert und funktional. Die Laufräder mit Alex-Rims-Felgen bringen eine großzügige Innenweite mit und sorgen dafür, dass sich die Schwalbe-Reifen breit aufstellen können. Die Cues-Gruppe verzichtet am Canyon Grizl 5 auf einen Umwerfer und kommt so schön modern daher. Allerdings bietet sie nur 11 Schaltstufen und damit eine überschaubare Übersetzungsbandbreite. Gravelbiker, die viele Höhenmeter in Angriff nehmen wollen, werden einen schwereren und einen leichteren Gang vermissen.
Insgesamt fällt das Alu-Gravelbike von Canyon mit 11,1 Kilo in Größe M schwer aus. Gemessen am Preis mag der Wert noch in Ordnung gehen, ein leichtfüßiges Fahrverhalten dürfen Kunden aber nicht erwarten. Gravelbikes, welche die Lust am schnellen Fahren wecken, tragen in unserer Test-Erfahrung mindestens zwei Kilo weniger auf den Rippen - ein ganze Menge! Das Canyon Grizl 5 eignet sich eher für Gravelbiker, die ihr Fahrrad zum Pendeln nutzen oder ganz gemütlich eine Tour durch zahmes Gelände abrollen wollen. Für Bestzeiten ist das schwere Gravelbike nicht gemacht.

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