Canyon Grizl 5 gegen Cube Nuroad EXWelches Einsteiger-Gravelbike liefert mehr fürs Geld?

Josh Welz

 · 22.06.2026

Das Cube Nuroad EX kostet mit 1.399 zwar 100 Euro mehr als das Canyon Grizl 5, bietet dafür aber die hochwertigere 12-fach GRX-Schaltung.
Foto: Georg Grieshaber

Themen in diesem Artikel

Wer für überschaubares Budget maximalen Schotter-Spaß sucht, stolpert bei der Recherche unweigerlich über das Canyon Grizl 5 und das Cube Nuroad EX. Unser Duell zeigt, welches Einstiegsmodell im direkten Vergleich die Nase vorn hat.

​Kurzfazit

Cube bietet beim Nuroad EX dank der Shimano GRX 12-fach-Gruppe das stärkere, modernere Komponenten-Gesamtpaket für sportliche Touren und das insgesamt leichtere Bike. Wer jedoch ausgedehnte, raue Bikepacking-Abenteuer abseits befestigter Wege sucht, greift zum günstigeren Canyon Grizl 5 mit robusten Parts und großer Reifenfreiheit.

​Der Gravelbike-Markt boomt enorm. Kein Wunder also, dass sich die Hersteller in den oberen Preisklassen regelmäßig mit technologischen Innovationen überbieten. Die wahre Kunst liegt jedoch darin, im knapp vierstelligen Euro-Bereich ein Fahrrad auf die Beine zu stellen, das keine faulen Kompromisse einfordert. Genau in dieser hart umkämpften Kategorie „Günstigster Einstieg ins Gravelbiken“ treffen das Canyon Grizl 5 und das Cube Nuroad EX aufeinander. Beide Modelle bieten für ihre Preisklasse eine bemerkenswert hochwertige Ausstattung und moderne Rahmenkonstruktionen. Der Vergleich wird umso spannender, da sich beide Hersteller über das Preis-Leistungs-Verhältnis positionieren, aber völlig unterschiedliche Vertriebswelten repräsentieren: Direktversender gegen Fachhandelsmarke.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Canyon gilt seit jeher als absoluter Vorreiter im Direktvertrieb. Die Koblenzer haben über die letzten Jahre ihr reines „Versender-Image“ jedoch erfolgreich abgelegt und sich zu einer emotionalen, sportlichen Premiummarke gemausert, die sich über Innovation und sportlichen Erfolg definiert. Auf der anderen Seite steht der bayerische Riese Cube: Die Fachhandelsmarke schlechthin, die über ein gigantisches Händlernetz verfügt und mit einem genüsslichen Schmunzeln oft sogar die Preise der günstigsten Versender zu unterbieten vermag.

Geometrie und Rahmenausstattung

Der Vergleich der Rahmen offenbart deutliche konzeptionelle Unterschiede. Das Canyon Grizl 5 setzt auf die typische Gravel-Pro-Geometrie und nutzt einen für das Modelljahr komplett neu entwickelten Aluminiumrahmen, der im Vergleich zum Vorgänger stolze 120 Gramm abgespeckt hat. Grizl-typisch fallen Radstand und Reach lang aus, was enorme Offroad-Stabilität und Laufruhe bringt. Cube schickt das Nuroad EX mit seiner bewährten „Gravel Comfort Geometry“ ins Rennen, die spürbar kompakter und aufrechter ausfällt.

In dieser Preisklasse findet man in aller Regel keine extremen Spezialisten, sondern vielseitige Allrounder. Bikes also, mit denen man mal eine schnelle Feierabendrunde hinlegt, die sich aber gleichermaßen zum Pendeln, für lange Touren oder Bikepacking-Abenteuer eignen. Das Grizl bietet eine enorme Reifenfreiheit von bis zu 54 mm (was 2,1-Zoll-Mountainbike-Reifen entspricht), während das Cube Nuroad EX bei 45 mm abregelt. Beide Modelle besitzen zahlreiche Anschraubpunkte für Gepäckträger, Schutzbleche sowie Lowrider-Aufnahmen an der Gabel. Ein integriertes Unterrohr-Transportfach sucht man in dieser Preisklasse bei Aluminiumrahmen vergeblich, doch das Canyon bietet immerhin Kompatibilität mit dem straff sitzenden Load-Fidlock-Taschensystem.

Einigkeit bei den Anbauteilen: Sowohl Canyon wie auch Cube setzen auf Carbon-Gabeln und Alu bei Cockpit und Sattelstütze.

Das Canyon ist dank des flacheren Lenkwinkels und seines insgesamt längeren Rahmens (Oberrohr, Reach, Radstand) deutlich mehr auf raue Trails, Adventure und Bikepacking ausgelegt. Das Cube bietet eine etwas aufrechtere Sitzposition, agiert agiler und rollt komfortabler auf klassischen Schotter-Touren.

Geometriedaten (Rahmenhöhe 56 / M)

Canyon Grizl 5Cube Nuroad EX
Oberrohr (mm)581560
Sitzrohr (mm)522530
Lenkwinkel (°)71,071,5
Kettenstreben (mm)440439
Radstand (mm)10761050
Stack (mm)596578
Reach (mm)409389

Antrieb und Schaltung

Beim Antrieb gehen beide Hersteller unterschiedliche Wege, um den populären und wartungsarmen 1-fach-Trend (ohne vorderen Umwerfer) zu bedienen. Canyon verbaut am Grizl 5 die neue Shimano CUES Gruppe (1x11-fach). Die CUES gilt mit ihren Linkglide-Komponenten als extrem verschleißarm, schaltet knackig und ist bei Ersatzteilen sehr günstig. Aufgrund der 1x11-Übersetzung muss man sich aber mit den etwas gröbere Gangabstufungen abfinden. Cube klotzt hier richtig ran und spendiert dem Nuroad EX eine hochwertigere Shimano GRX 1x12-Schaltung (ein Mix aus RX610-Hebeln und dem RX822-Schaltwerk mit gedämpftem Käfig). Gepaart mit einer 10-51er Deore-Kassette bietet das Cube eine spürbar größere Bandbreite für steile Rampen und gleichzeitig kleinere Gangsprünge.

Bremsen

Sicherheit und Kontrolle stehen bei beiden Modellen weit oben auf der Agenda, denn trotz des Preisdrucks verzichten beide Marken auf schwammige mechanische Bremsen. Am Canyon Grizl 5 verzögern die hydraulischen Scheibenbremsen aus der Shimano CUES Serie, kombiniert mit einer großen 180-mm-Bremsscheibe an der Front. Cube vertraut auf die bewährten, ergonomischen Shimano GRX ST-RX610 Bremshebel in Verbindung mit den hydraulischen GRX BR-RX410 Bremssätteln und klassischen 160-mm-Rotoren vorn wie hinten. Beide Systeme packen kraftvoll und feinfühlig dosierbar zu, die GRX-Hebel am Cube schmeicheln den Händen ergonomisch jedoch etwas mehr.

Laufräder und Reifen

In Sachen Laufräder verbaut Canyon robuste DT Swiss Gravel LN Alu-Laufräder mit einer Maulweite von 24 mm, auf denen die Schwalbe G-One Bite Performance in 45 mm Breite guten Grip auf losem Untergrund generieren. Cube rollt auf den leichten und steifen Newmen Performance X.R.25 Gravel-Laufrädern, kombiniert mit den Schwalbe G-One Allround Performance Reifen, ebenfalls in 45 mm Breite. Das Cube-Setup rollt auf Asphalt und festem Schotter einen Hauch spritziger, während das Canyon dank der breiten Felgen perfekt für das Aufziehen von Reifen bis zu 54 mm vorbereitet ist.

Die Fakten zum Canyon Grizl 5

  • Preis: 1.299 Euro
  • Verfügbare Rahmengrößen: 7 Größen von 2XS bis 2XL
  • Rahmen: Alu-Rahmen, Carbon-Gabel mit Triple-Mounts, Aufnahmen für Front- und Heckgepäckträger, Schutzbleche
  • Max. Reifenfreiheit: 54 mm
  • Antrieb/Schaltung: Shimano CUES 1x11
  • Bremsen: Hydraulische Shimano CUES (180/160 mm)
  • Laufräder: DT Swiss Gravel LN (24 mm Innenweite)
  • Reifen: Schwalbe G-One Bite Performance, 45 mm
  • Gesamtgewicht: ca. 11,3 kg (Herstellerangabe)

Die Fakten zum Cube Nuroad EX

  • Preis: 1.399 Euro
  • Verfügbare Rahmengrößen: 6 Größen (Size Split: XXS auf 27.5", XS bis XL auf 28")
  • Rahmen: Aluminium Superlite, integrierte Zugführung, Vollcarbon-Gabel, Ösen für Schutzbleche, Ständer und Lowrider-Gepäckträger
  • Max. Reifenfreiheit: 45 mm (40 mm mit Schutzblechen)
  • Antrieb/Schaltung: Shimano GRX RX610/RX822 1x12
  • Bremsen: Hydraulische Shimano GRX RX610/RX410 Scheibenbremsen (160/160 mm)
  • Laufräder: Newmen Performance X.R.25
  • Reifen: Schwalbe G-One Allround Performance, 45 mm
  • Gesamtgewicht: 10,2 kg

Fazit

Das Duell der Preis-Leistungs-Spezialisten Canyon und Cube endet in einem extrem knappen Zieleinlauf. Das Cube Nuroad EX kostet zwar 100 Euro mehr, bietet dafür aber die hochwertigere 12-fach GRX-Schaltung und ist etwa 1 Kilo leichter. Vorteil Cube. Die wesentlichen Unterschiede zwischen beiden Bikes manifestieren sich aber eher im angedachten Einsatzbereich: Das Cube Nuroad EX ist der flinke, sportliche Allrounder für schnelle Touren und tägliche Speed-Einheiten. Das Canyon Grizl 5 wiederum ist das robuste Adventure- und Bikepacking-Mobil, das dank großer Reifenfreiheit und enormer Laufruhe seine Stärken auf ruppigen Pisten voll ausspielt.
Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Josh Welz

Josh Welz

Chefredakteur

Josh Welz ist studierter Sportjournalist und prägt als Chefredakteur die publizistische Ausrichtung der BIKE. 2016 griff Welz den E-Trend auf und entwickelte den Titel EMTB. Entsprechend bewegt er sich gerne zwischen den Welten. Da seine Begeisterung für knackige Trails aber größer ist als sein Trainingsfleiß, schlägt das Pendel häufig in Richtung „E“ aus.

Meistgelesen in der Rubrik Fahrräder