Sirrus X 5.0 im CheckNur 10 Kilo - Leichtes Alltagsrad von Specialized

Adrian Kaether

 · 02.09.2026

Das Specialized Sirrus X 5.0 ist ein edles und leichtes Alltagsrad mit spannender Optik.
Foto: Georg Grieshaber
Specialized Sirrus X 5.0 Preis: 2.199 Euro Gewicht: 10,3 kg (Herstellerangabe) Rahmen: FACT 9r Carbon Federung: Future Shock 1.5 Antrieb: Shimano Deore 1x12 Bereifung: Pathfinder TLR 700x40c

Das Specialized Sirrus X 5.0 widersetzt sich klassischen Kategorien. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein sportliches Fitnessbike mit geradem Lenker. Schaut man genauer hin, offenbart sich ein Leichtgewicht mit Gravel-Ambitionen, das mit 10,3 Kilogramm im Tagesgeschäft viele Gravelbikes alt aussehen lässt.

Erster Eindruck: Leicht, sportlich, ungewöhnlich

Wer das Sirrus X 5.0 aus der Verpackung nimmt, reibt sich zunächst die Augen. 10,3 Kilogramm für ein Fitnessbike mit 40-mm-Bereifung, hydraulischen Scheibenbremsen und 12-fach-Schaltung – das ist eine Ansage. Zum Vergleich: Viele Gravelbikes bewegen sich auch in diesem Gewichtsbereich, sind dann aber eher etwas teurer. Specialized schafft das mit einem FACT-9r-Carbon-Rahmen, der nicht nur leicht, sondern auch optisch eine Klasse für sich ist.

Besonders ins Auge fällt dabei das die besondere Sitzrohr-Konstruktion. Ein gestalterisches Merkmal, das dem Sirrus X 5.0 eine unverkennbare Silhouette verleiht und es deutlich von der Masse klassischer Fitnessbikes abhebt. Das Rad wirkt dadurch schlanker, fast skulptural – und sportlicher als seine Kategorie vermuten lässt.


Das Future Shock: Gravel-Technologie mit geradem Lenker

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Sirrus X 5.0 steckt unsichtbar im Steuerrohr: das Future Shock 1.5. Dieses federnde Gabelschaftsystem kennen Kenner aus Specializeds Crux und Diverge – also aus dem Gravel-Segment. Es arbeitet als kompakte Mikrofederung direkt am Steuersatz und schluckt Stöße, bevor sie in den Lenker wandern.

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Im Alltag macht das einen spürbaren Unterschied. Auf Kopfsteinpflaster, losen Schotterwegen oder Wurzelpfaden filtert das Future Shock 1.5 hochfrequente Vibrationen effektiv weg. Die Hände ermüden weniger, die Kontrolle bleibt erhalten. Das System arbeitet dabei ohne Wartungsaufwand und ohne sichtbare Kompromisse beim Gewicht – ein echtes Highlight in dieser Preisklasse. Einziger Nachteil: Das Future Shock System arbeitet mit einem Elastomer, der einmal auf das Fahrgewicht angepasst werden muss.

Die Gabel selbst ist ebenfalls aus FACT-9r-Carbon gefertigt, verfügt über einen 12x100-mm-Steckachse, Flat-Mount-Scheibenbremsenaufnahme und – man ahnt es, bei einem Alltagsrad – Plug+Play-Aufnahmen für Schutzbleche. Low Rider Mounts für eine Reisegepäckgabel runden das Paket ab.


Antrieb und Schaltung: Deore-Niveau, sauber umgesetzt

Specialized setzt beim Sirrus X 5.0 auf eine leicht zu bedienende 1x12 Schaltung. Der Shimano Deore-Antrieb mit SL-M6200-Rapidfire-Schalthebel und RD-M6200-Shadow-Plus-Schaltwerk ist aus dem MTB-Bereich bekannt und funktioniert auch am Fitnessbike erstklassig. Die Schaltung arbeitet präzise und leise, der Shadow-Plus-Mechanismus dämpft die Kettenbewegung spürbar.

Das Kassetten-Setup bestehend aus einer Sunrace 11-51T in Kombination mit dem 42-Zahn-Narrow-Wide-Kettenblatt von Prowheel ergibt eine Bandbreite, die sowohl für moderate Bergpassagen als auch für flotte Stadtfahrten ausreicht. Die Kette von KMC (X12EPT mit Anti-Korrosionsbeschichtung und wiederverwendbarem Missing Link) ist ein Detail, das zeigt, dass Specialized auch bei einem Alltagsrad an Langlebigkeit denkt.


Bremsen: Solide, aber kein Überflieger

Die Shimano BR-MT200 hydraulischen Scheibenbremsen mit 160-mm-Scheiben vorne wie hinten erledigen ihren Job zuverlässig. Sie lassen sich ordentlich dosieren und bieten im Vergleich zu mechanischen Scheiben- oder gar Felgenbremsen klar überlegene Nassleistung. Satte Bremspower auch mit nur einem Finger darf man hier aber nicht erwarten und auch in Sachen Wertigkeit fallen die einfachen Stopper etwas nach unten heraus.


Laufräder und Bereifung: Der Pathfinder macht das Sirrus vielseitig

Auf 700C-Doppelwandfelgen mit 21 mm Innenweite und Center-Lock-Naben rollt der Specialized Pathfinder TLR in 40 Millimetern Breite. Der Pathfinder ist tubeloss-ready, verfügt über einen durchgängigen Mittelsteg und feine Außenstollen und verbindet so schnelles Rollen auf Asphalt mit noch gutem Grip in leichtem Gelände. Die Steckachse vorne (12x100) und hinten (12x142) sorgen für ein präzises Handling und hohe Steifigkeit.


Cockpit: Stimmig, aber Geschmackssache

Der Alloy Mini Rise Lenker mit 9 Grad Backsweep, 15 mm Rise und 31,8 mm Klemmdurchmesser ist ein angenehmer Kompromiss zwischen sportlicher Haltung und Komfort. Die Body-Geometry-Griffe von Specialized (Neutralizer, locking) sitzen gut in der Hand und reduzieren Druckstellen bei längeren Ausfahrten. Die Sattelstütze aus Aluminium (27,2 mm, 14 mm Offset) erledigt ihren Job unauffällig. Das schmale 27,2-mm-Format lässt auch leicht federnde Eigenschaften für etwas mehr Fahrkomfort erwarten.


Was fehlt: Licht und Schutzbleche – bewusste Entscheidung

Das Sirrus X 5.0 kommt ohne Licht und Schutzbleche. Für viele potenzielle Käufer, die das Rad als tägliches Pendlerbike einsetzen möchten, ist das zunächst ein Minuspunkt. Specialized trifft damit jedoch eine bewusste Designentscheidung: Das Gewichtsziel von 10,3 Kilogramm hat Vorrang.

Immerhin sind die Voraussetzungen für eine Nachrüstung vorhanden: Rahmen und Gabel verfügen über Aufnahmen für Schutzbleche, die Gravel-Gabel sogar über Low-Rider-Mounts. Wer das Rad ganzjährig und bei jedem Wetter nutzen möchte, muss entsprechende Investitionen einplanen. Das trübt das Gesamtbild leicht – ist aber im Kontext der Positionierung verständlich.


Fazit: Ein Gravel-Seele im Fitness-Körper

Das Specialized Sirrus X 5.0 ist kein Fitnessbike im klassischen Sinne. Es ist ein leichtes, vielseitiges Allroundrad, das mit Carbon-Rahmen, Gravel-Bereifung, Future-Shock-Federung und 1x12-Antrieb weit über das hinausgeht, was man in dieser Kategorie erwarten würde. Mit 10,3 Kilogramm setzt es einen Maßstab, der viele Mitbewerber – ob Fitness- oder Gravelbike – unter Druck setzt.

Der Preis von 2.199 Euro ist angesichts des Carbon-Rahmens, der Shimano-Deore-Gruppe und der Pathfinder-Bereifung fair kalkuliert. Wer allerdings ein vollausgestattetes Alltagsrad sucht, sollte Schutzbleche und Beleuchtung im Budget einplanen. Für sportliche Vielfahrer, die ein leichtes, agiles Rad für Asphalt, Schotter und alles dazwischen suchen, ist das Sirrus X 5.0 eine spannende Option und dank des besonderen Rahmendesigns auch eine mit hohem Wiedererkennungswert.


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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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