Schick und praktisch: Das Clayton O2 ist ein Fashion-Statement, das auch gut fährt - zumindest im Urbanen Kontext. Die Bedienung ist simpel und passt gut zum Einsatzzweck. Der Preis ist erstaunlich fair.
| Preis | 2.499,00 € |
| Gewicht | 19.22 kg |
| Motor | Bafang H700 Dual Speed |
| Akku | Samsung Akku |
| Schaltung | integrierte 2Gang-Schaltung |
Das eine Rad für Alles? Das ist das Clayton definitiv nicht. Und will es auch gar nicht sein. Statt dem SUV-Trend mit möglichst fetten Reifen, dickem Akku und viel Federweg für alle Eventualitäten zu folgen, setzt das Hamburger Startup Clayton lieber auf die entgegengesetzte Strategie. Weniger ist mehr! Mit dem ersten Modell O1 konnte Clayton erste Erfahrungen sammeln. Jetzt steht der Nachfolger Clayton O2 mit nochmal eleganterem Look bei den ersten Händlern von Hamburg über Köln und Düsseldorf bis Berlin. Weitere sollen folgen. Aber ob das Rad mehr kann, als gut aussehen? Zeit für einen Test!
Unser Test beginnt damit das Rad aus unserem Testlabor im Keller ans Tageslicht zu tragen. Mit unter 20 Kilo geht die Aufgabe beim Clayton O2 leicht von der Hand und schon rollen wir los. Das Rad wird über den LED Knopf auf dem Oberrohr eingeschaltet. Mit einfachen Klicks wechselt man die Unterstützungsstufe, ein Doppelklick schaltet die dezent integrierte Beleuchtung ein. Der Akku klappt per Schlüssel gesichert seitlich heraus. So weit, so simpel.
Der Riemenantrieb surrt kaum hörbar, auch das Motorgeräusch geht schon bei mittlerem Tempo in Fahrtwind und den Umgebungsgeräuschen unter. Der Bafang Heckmotor unterstützt plakativ - hier lässt man eher die Beine fallen, als aktiv mitzutreten. Man könnte die Charakteristik über die Bafang Go App einstellen. Die funktioniert bei unserem Android Smartphone aber nicht richtig. Schade, aber kein Einzelfall, wie die Rezensionen der App im Play Store zeigen.
Für uns halb so wild. Das Rad funktioniert zum Glück auch ohne App. Leise gleitet das Clayton vorwärts. Die günstigen Shimano-Stopper verzögern gewohnt zuverlässig. Die Schutzbleche halten unliebsamen Dreck vom Piloten fern. Das Clayton gibt’s auch mit Diamant-Rahmen und ohne Schutzbleche. Wer Spaß im Alltag haben will, sollte sich etwas Wetterschutz aber gönnen.
Eine Besonderheit am Clayton: Der Heckmotor von Bafang hat zwei Getriebestufen, die der Antrieb selbstständig während der Fahrt umschaltet. So fällt das Anfahren auch ganz ohne Gangschaltung leicht. Der Motor schaltet allerdings schon recht früh in die zweite Stufe. Die Übersetzung ist insgesamt lang gewählt. Beim Pendeln um 25 km/h tritt man nur mit gut 60 Umdrehungen pro Minute. Kleine Gegenanstiege bügelt die Motorleistung souverän glatt. Bei starker Steigung schaltet der Motor aber kaum wieder in die leichtere Übersetzung. Das Rad ist damit keine Bergziege sondern eher in flachem Gelände zu Hause.
Entscheidender ist die Kritik im Bereich Komfort. Der Brooks Sattel ist wertig, aber nicht bequem. Die 37 Millimeter Reifen sind etwas schmal und auch der Grip könnte noch besser sein. 40 Millimeter breite Reifen sind offiziell erlaubt. Hier lohnt eventuell ein Tuning. Nervige Kleinigkeit: Die Steckverbindung für den Nabenmotor sitzt bei unserem Testbike zu weit vorne. Im Fall von einem Plattfuß müsste man hinten erst einen Kabelbinder aufknipsen, bevor man das Hinterrad entfernen kann.
Die Sitzposition passt dagegen gut. Ein Langstrecken-Wunder ist das Clayton zwar nicht. Für Touren bis zu einer Stunde Fahrzeit im Stadtbetrieb kann man sich aber gut arrangieren. Lob gibt’s auch für die schick integrierten und trotzdem hellen Lichter. Wer möchte kann das Clayton ab Werk noch mit Zubehör wie einem GPS-Tracker oder einem Gepäckträger aufrüsten - für nochmal mehr Alltagsnutzen.

Redakteur