Laurin Lehner
· 15.03.2026
Mit dem Future Mobility Concept wagte Canyon den Schritt in eine neue Kategorie: zwischen E-Bike und Auto. Das als „Future Mobility Concept“ kommunizierte Fahrzeug ist weniger ein klassisches Auto als vielmehr eine radikale Neuinterpretation urbaner Mobilität – elektrisch unterstützt, vierrädrig, überdacht und konsequent auf Effizienz getrimmt. Auf das Wording “Car” verzichtete Canyon bewusst, weil es ein über Pedalkraft angetriebenes Mobil ist. Optisch wirkt es dennoch eher nach Auto als nach Fahrrad.
Auf den ersten Blick erinnert das Fahrzeug an ein futuristisches Velomobil. Tatsächlich basiert das Konzept auf einem pedalgetriebenen Antrieb mit elektrischer Unterstützung – gedacht für Pendlerinnen und Pendler, die täglich mittlere Distanzen zurücklegen und dabei nicht auf Wetterschutz verzichten wollen.
Im Gegensatz zu klassischen E-Bikes bietet das Canyon-Konzept eine geschlossene Kabine, Sicherheitsgurte und eine stabile Rahmenkonstruktion. Gleichzeitig bleibt es schmal genug, um Radwege zu nutzen – zumindest dort, wo die rechtlichen Rahmenbedingungen dies zulassen. Genau hier zeigt sich die strategische Stoßrichtung: Das Fahrzeug ist als Antwort auf verstopfte Innenstädte konzipiert, in denen Autos zu groß und Fahrräder oft zu exponiert sind.
Canyon wäre nicht Canyon, wenn das Design keine zentrale Rolle spielte. Klare Linien, sichtbare Carbon-Elemente und eine reduzierte, funktionale Formsprache prägen das Erscheinungsbild. Die erhöhte Sitzposition sorgt für Überblick im Stadtverkehr, während die großzügige Verglasung ein Fahrgefühl fast mit Panoramablick erzeugt.
Die Konstruktion setzt auf Leichtbau – eine Kernkompetenz des Unternehmens. Ziel ist es, maximale Energieeffizienz bei minimalem Materialeinsatz zu erreichen. Das Future Mobility Concept wirkt damit weniger wie ein Mini-Auto, sondern wie ein Hightech-Fahrrad mit Karosserie.
BIKE: Roman, ihr habt damals für Furore mit dem Canyon Concept Car gesorgt. Für viele war es die ideale Lösung für verstopfte Innenstädte. Warum hat man danach nichts mehr davon gehört?
Roman Arnold: Das Future Mobility Concept entstand aus einer Designidee, an der unser Team in seiner Freizeit arbeitete. Sie haben mich gefragt, ob sie einen Prototyp entwickeln könnten, um die Machbarkeit des Designs zu prüfen. Als wir es 2021 als Konzept öffentlich vorstellten, haben wir es als Einzelstück betrachtet, um die zukünftigen Möglichkeiten des städtischen Verkehrs aufzuzeigen, und nicht als sofort umsetzbares kommerzielles Angebot.
Letztendlich war uns bewusst, dass es als städtisches Verkehrsmittel an der notwendigen Infrastruktur in Städten mangelt – die meisten Radwege sind noch nicht für breitere Fahrzeuge ausgelegt und die meisten Menschen haben zu Hause keinen Platz, um ein solches Fahrzeug unterzustellen. Nicht zuletzt spielte auch der Preis eine Rolle: Das Fahrrad hätte etwa 15.000 Euro gekostet, was für viele Menschen eine hohe Einstiegshürde darstellt.
Wenn Städte mitziehen und spezielle Parkflächen für solche überdachten Fahrzeuge schaffen würden – wäre ein Gefährt wie euer Concept Car in Metropolen wie Hamburg oder München attraktiv.
Das würde sicherlich helfen, aber so einfach ist es nicht. Der Platz in den Innenstädten ist bereits knapp, und die Schaffung zusätzlicher Parkplätze für solche Fahrzeuge ist eine große politische und planerische Herausforderung. Es gibt jedoch Länder, die zumindest über die Infrastruktur und den politischen Willen verfügen, um das FMC zum Erfolg zu führen.
Letztendlich zielen Projekte wie dieses Konzeptfahrzeug in erster Linie darauf ab, zum Nachdenken anzuregen – und das ist ihnen definitiv gelungen. Wer weiß: Vielleicht war das Konzept seiner Zeit einfach voraus und wird in Zukunft eine Renaissance erleben.

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