Günstige E-Bikes bis 3000 Euro6 Modelle im Vergleichstest

Georg Bleicher

 · 10.12.2023

Das Stevens E-Bormio
Foto: Stevens
Wie viel Allrounder bekommen Einsteigerinnen und Einsteiger in die E-Bike-Welt für ihr Geld? Wir haben den Listenpreis für die Testräder bei 3000 Euro gedeckelt. Und ja: Es gibt Überraschungen! Das sind die 6 günstige E-Bikes im Vergleich.

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Das sind die 6 günstigen E-Bikes des Tests

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Im Jahr 2022 gab der Radkunde im Schnitt etwa 2800 Euro für ein neues E-Bike aus, wie der Zweirad-Industrie-Verband ZIV berechnete. 3000 Euro gilt für viele E-Bike-Einsteiger derzeit als Maximalpreis: Mehr wollen sie nicht ausgeben, weniger erachten sie als nicht ausreichend, um ein Bike solider Qualität zu bekommen. Wie viel kann man dafür erwarten? Wir alle nehmen wahr, dass das E-Bike in den letzten fünf Jahren deutlich teurer geworden ist. Doch so eindimensional ist die Entwicklung nicht: Unterstützte Räder wurden zugleich immer hochwertiger, attraktiver und tatsächlich langlebiger.

Dazu kommt, dass das E-Bike ein recht junges Produkt ist – in den ersten Jahren eines neuen technischen Produkts geht die Entwicklung immer in großen Schritten voran. Das will auch bezahlt werden. Der Durchschnittspreis eines E-Bikes stieg deutlich an, die Qualitätsvorstellungen der Käufer aber auch. Wer heute 3000 Euro ausgibt, erhält zwar ein Rad, das “nur” etwa halb so teuer ist wie eines im Highend-Bereich, doch er erwartet, dass es Anforderungen erfüllt, die vor Jahren ein Highend-Rad erfüllt hat, vor allem in Bezug auf das Antriebssystem.

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Günstige E-Bikes mit Motor-Revolutionen

Im Einsteigerbereich darf man nichts Besonderes erwarten? Überraschung: Mit dem B’Twin LD920 E von Decathlon ist ein günstiges E-Bike mit einer vom Hersteller und Partner entwickelten neuen Motor-Getriebe-Einheit im Praxistest. Diese Kombi wird schon seit Jahren beackert, aber tatsächlich ist nur Pinion mit seinem System aktuell erfolgreich auf dem Markt. Das von Decathlon und E2 Drives zusammen entwickelte Antriebssystem ist sogar mit einem automatischen, stufenlosen Getriebe ausgestattet, das – Achtung, Spoiler! – bestens funktioniert.

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Und gleich noch eine Motor-News: Auch in der Rahmenmitte des Hepha schiebt ein vom neuen Hersteller selbst entwickelter Motor kräftig an, und auch er birgt Überraschungen. Beim leichten Hercules bringt ein Bafang-Motor den Schub von 30 Newtonmeter mit. Was sich wenig anhört, ist, da direkt an der Hinterachse, locker ausreichend für die Ebene. Außerdem macht der kleine Motor und ein kleiner integrierter Akku das günstige E-Bike ziemlich leicht. Extrem leise ist er sowieso. Das gilt auch für den Active-Line-Plus-Motor am Koga, solide Standardware vom Branchenprimus Bosch.

Shimanos E5000 am Stevens: harmonisch, leise, leicht und ausreichend kräftig.Foto: Horst FadelShimanos E5000 am Stevens: harmonisch, leise, leicht und ausreichend kräftig.

Im Stevens tut ein Shimano E5000 seine Dienste. Er ist mit 40 Newtonmeter nicht sehr stark, das System bietet aber das vielleicht harmonischste Pedalgefühl, einen gute Reichweite und einen ebenfalls sehr leisen Auftritt. Das QWIC schiebt mit dem zweiten Bafang-Motor im Test, einem Mittelmotor (M420), an. Er konnte am Berg seine 80 Newtonmeter nicht ganz glaubhaft machen, läuft aber sehr kultiviert.

Apropos: Alle Motoren- oder Fahrradhersteller bieten Apps, die das Handy in ein informatives Display verwandeln oder das System auch individuell anpassbar machen. So kann man zum Beispiel bei einigen Systemen Unterstützungsmodi individuell anpassen, aber auch viele andere Zusatzinfos wie Navigation oder automatisches Tracking und Verbindung zu Social Media wählen.

Wie viel Allrounder steckt in den günstigen E-Bikes?

Unter Allrounder verstehen wir vor allem eins: breit einsetzbare E-Bikes, die in der Stadt wendig, für die Pendlerstrecke zuverlässig und für die Tour belastbar und ergonomisch genug sind. Sie sollen auch einmal auf einem Feldweg zurechtkommen wie mit längeren widrigen Wetterverhältnissen. Dabei darf natürlich die Sicherheit nicht zu kurz kommen: Ein belastbarer und hochwertig verarbeiteter Rahmen ist die Basis – eine Voraussetzung, den alle unsere günstigen E-Bikes erfüllen. Bei Hepha, Stevens oder Koga findet man da sogar ausgefallen schöne Details.

Es braucht aber auch nicht zu schmale, für unterschiedliches Terrain profilierte Reifen, ausgeglichene Fahreigenschaften, gut dosierbare, kräftige Bremsen und eine angemessene Lichtleistung. In Sachen Betriebspraxis kommen auf den Hersteller in dieser Preisklasse Herausforderungen zu: Das Maximum an Wartungsarmut beispielsweise erreicht man mit gekapselter Schaltung und Riemenantrieb – wie etwa Koga. Diese Kombi ist allerdings deutlich teuerer als Mittelklasse-Kettenschaltungen. Wir sehen: Gute und günstige E-Bikes zu bauen ist nicht einfach.

Neben der Motor-/Schaltungskombi im B’Twin sind zwei wartungsfreundliche Nabenschaltungen und drei Kettenschaltungen mit acht beziehungsweise zehn Gängen im Portfolio. Sicherheit ist auch beim Schnäppchen oberstes Gebot. In puncto Bremsen hat sich die hydraulische Scheibe bis in die Einstiegsklasse als Standard durchgesetzt, und das ist, gerade beim schweren E-Bike, sehr gut so, denn mehr Gewicht benötigt mehr Bremsenergie – die eine Disc leistet. Übrigens: Auch Gewichtsprobleme kann ein tiefer Preis mit sich bringen, denn Leichtbau kostet. Unsere günstigen E-Bikes bringen zwischen 23 und 29 Kilogramm auf die Waage, wobei das günstigste, Hercules, sich als Leichtgewicht hervortut.

Manchmal sind Detailunterschiede auch Geschmackssache...Foto: Helge TscharnManchmal sind Detailunterschiede auch Geschmackssache...

Günstig und komfortabel?

Abspecken kann man zum Beispiel mit einem Verzicht auf die Federgabel, die in der einfacheren Klasse ohnehin oft wenig Komfort bietet. Doch die Hersteller verbauen gern Federgabeln, weil sich der Käufer davon viel Komfort verspricht, was bei unseren Probanden nicht uneingeschränkt der Fall ist – die Gabeln sprechen nur zaghaft an. Dabei haben die Kunden auch den Wunsch nach weniger Gewicht – jedes Kilo, dass man am Rad spart, hilft auf der Kellertreppe, aber auch beim Fahren. Fast unsichtbar gefedert wird an Koga und Decathlon mit einer unauffälligen Steuerkopf-Federung. Bei beiden bringt diese Ausstattung zumindest bei groben Fahrbahnstößen Entlastung.

Bei QWIC setzt man zugunsten des Leichtlaufs auf schmale, schnelle Reifen, die schlechter dämpfen, und eine Gegenmaßnahme: eine einfache Federgabel und -stütze. Grundsätzlich darf man im Preisbereich nicht zu viel Komfort von den Rädern erwarten. Hier hebt sich übrigens das Hepha mit der am besten arbeitenden Gabel und breiten, dämpfenden Reifen ab. Der Gewichtssieger Hercules verzichtet gänzlich auf Frontfederelemente und kommt so auf 23 Kilogramm.

Feathershock-Gabel des Koga: Unsichtbare Komfortverbesserung.Foto: Horst FadelFeathershock-Gabel des Koga: Unsichtbare Komfortverbesserung.

Beleuchtung und Design der günstigen E-Bikes

Auch in Sachen Lichtanlage sind alle günstigen E-Bikes auf der sicheren Seite. Sein helles Wunder erlebt man allerdings mit den Ausstattungen nicht. 30 Lux, der Standard, sind in der City ausreichend. Über Land sind stärkere Modelle wie am Koga, Hercules oder Stevens mit 50 Lux auch wegen meist breiterer Ausleuchtung die besseren Strahler. Die Rücklichter sind hell und oft als breite, auffällige Strahler angelegt – ein Plus für die Sichtbarkeit. Durch die Anbindung an den Systemakku ist Lichtzuverlässigkeit gewährleistet.

Das Design der Bikes leidet übrigens nicht unter der preislichen Begrenzung. Alle Räder treten auf ihre Art selbstbewusst gestylt auf: futuristisch angehaucht das Decathlon, klassisch elegant das Koga, klassisch sportlich das Stevens. Dabei trifft man auf Metallic-, Matt- oder sonstige Lackeffekte, die früher nur in der obersten Preisklasse üblich waren. Zwei günstige E-Bikes unserer Auswahl sind übrigens erst durch einen Preisnachlass des Herstellers unter die 3000er-Marke gefallen – gute Zeiten für Schnäppchenjäger!

Alle günstigen E-Bikes im Vergleich

Tabelle mit den Einzelnoten der günstigen E-Bikes.Foto: MYBIKETabelle mit den Einzelnoten der günstigen E-Bikes.

Nicht aufgeführt ist die Kategorie Service – 5 % Anteil, welche die Endnote nicht verändern.

* Die Reichweitenangabe bezieht sich auf den mittleren Unterstützungsmodus oder „Auto“-Modus bei aktivem Fahrstil und Gelände mit sehr geringen Steigungen. Es sind grundsätzlich Näherungswerte.

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Vertrackt: Die Eckpreislage

Für den Klamottenkauf wie für den Einstieg in die E-Bike-Sektor gilt: Jeder macht gern ein Preis-Leistungs-Schnäppchen. Meist orientiert man sich dabei an dem Motto “Bis XYZ Euro gehe ich, und keinen Cent weiter.” Eine solche ist beim E-Bike für Einsteiger die 3000-Euro-Grenze. Zur erfolgreichen Eckpreislage gehören zwei: Der Verkäufer, der versucht, zu einem Limit ein Produkt zu erstellen, das möglichst hohe Anforderungen an Leistung und Qualität erfüllt, ohne dass für ihn der Erlös zu sehr sinkt. Der Käufer dagegen will zu einer preislichen Schmerzgrenze möglichst viele Features und hohe Qualitätsstandards sehen. Dafür ist er dann aber auch bereit, Abstriche in für ihn eher unwichtigen Bereichen zu machen – oft beim Komfort oder in der Reichweite.

Grundsatzfrage: Wie ist das Verhältnis von Preis und Leistung?

Der Hersteller hat natürlich ein bestimmtes Konzept, günstig anbieten zu können. Und er kann auch tricksen: Früher war die Qualität der Schaltung – “Das hat ja ein XT-Schaltwerk!” – ein gutes Argument, um die Qualität des Rads darzustellen. An weniger augenfälligen Punkten wie dem Tret- oder dem Steuerlager verbaute der Hersteller dann einfachere Komponenten und konnte so günstiger anbieten, als mit durchgängig hochwertigen Komponenten. Heute ist das weniger einfach: Einerseits sind die Strukturen und Wege, die zum Verkaufspreis führen, deutlich komplexer geworden, und auch die Optionen, ein E-Bike zu bauen und auszustatten, haben sich vervielfacht.

Der Spaß fährt mit – moderne Motoren machen’s möglich.Foto: Helge TscharnDer Spaß fährt mit – moderne Motoren machen’s möglich.

Andererseits ist heute der Verbraucher häufig besser informiert. Trotzdem fällt es manchem Anbieter leichter als anderen, günstige E-Bikes anzubieten. So ist etwa der Aufwand, den Firmen mit der Entwicklung oder der Produktion von Rahmen machen, unterschiedlich. Oft können auch Hersteller, die den Rahmen oder einen Teil der Komponenten selbst entwickeln und produzieren, im Test zum Beispiel vertreten durch den Sport-Riesen Decathlon, ihre Produkte noch günstiger anbieten.

Auch Faktoren wie ein Fokus auf Nachhaltigkeit und/oder Umweltschutz spielen heute – preistreibend – in den Verbraucherpreis hinein. Die 3000 Euro sind ein Limit, das viele Neueinsteiger noch akzeptieren und dafür ein solides E-Bike erwarten. Sicherheit und Robustheit ist bei diesem Preis eine Basiserwartung. Das E-Bike soll auch ein gewisses Maß an Komfort bieten und möglichst breit einsetzbar sein. Übrigens: Der Preisdeckel ist eine UVP, eine unverbindliche Preisempfehlung. Mancher Händler wird derzeit das jeweilige Rad noch günstiger anbieten können.

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