​Balance-Akt über WasserEs kann nur einen geben!

Dimitri Lehner

 · 09.08.2026

Was für ein witziges Format, was für eine Location: Eastnor Castle in England. Hier balanciert Kriss Kyle über den schmalen Schwimmsteg.
Foto: Eisa Bakos/Red Bull
​Red Bull baute einen Parcours aus Gerüststangen, Baumstämmen und Wahnsinn – quer über Wasser. Kriss Kyle und Danny MacAskill sollten drüberfahren. Einer schaffte es. Der andere lernte: Neoprenanzüge zieht man nicht aus, bevor man sicher drüben ist

Themen in diesem Artikel

Zwei Legenden, ein See

Wenn Red Bull die zwei Schotten Danny MacAskill und Kriss Kyle einlädt, ist klar: Es geht nicht ums Gewinnen. Es geht um Ideen, die jeder vernünftige Mensch sofort verwerfen würde.

Diesmal bauten Rampenbauer mitten auf dem See von Eastnor Castle (England) einen schwimmenden Hindernisparcours aus Baumstämmen, Balancebalken, Dropsd und einer tückischen Gerüststange als finales Skinnie. Beide wussten nur grob, was sie erwartete. Die fertige Strecke blieb bis zum ersten Versuch geheim.

Statt MacAskills Trialbike oder Kyles BMX entschieden sich beide für Mountainbikes. Gleiche Waffen, gleiche Chancen.

Fast.

Spannend: Kriss ging seine Runs mit viel Speed an. Danny dagegen ließ sich Zeit und versuchte sein Glück im Schritt-Tempo.

Das Problem hieß Gerüststange

Der Parcours begann mit einem spektakulären Drop und dennoch vergleichsweise harmlos für diese Superchecher. Doch mit jedem Meter wurde der Parcours schmaler, instabiler und gemeiner. Am Ende wartete eine wackelnde Gerüststange über dem Wasser – ein Balanceakt, der selbst Profis an ihre Grenzen brachte.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Zahlreiche britische Mountainbiker versuchten ihr Glück. Unter ihnen Matt und Jono Jones, Josh Brycleand, Bernard Kerr, Loose Dog u.a.

Alle landeten im See.

Nur Danny MacAskill blieb trocken.

INTERVIEW | Kriss Kyle

BIKE: Hattet ihr eine Ahnung, was Red Bull da baut?

Kriss Kyle: Überhaupt nicht. Wir durften uns den Parcours nicht einmal während des Baus anschauen. Diese Überraschung hat das Ganze noch spannender gemacht.

BIKE: Wann war klar: Das wird nichts?

Kyle: Ehrlich? Als ich die letzte Gerüststange gesehen habe. Da wusste ich sofort: Da komme ich nicht rüber. Die erste Hälfte war machbar, aber das Finale? Das ist Danny-Territorium.

BIKE: War Ehrgeiz im Spiel?

Kyle: Natürlich. Hätte ich es vor Danny geschafft, hätte ich ihn das nie vergessen lassen. Aber mal ehrlich: Es wäre peinlich gewesen, wenn er mich auf so einer Strecke nicht geschlagen hätte.

BIKE: Mit mehr Zeit wäre es möglich gewesen?

Kyle: Vielleicht. Gib mir zwei oder drei Tage. Das Problem war nicht die Technik, sondern dass sich alles bewegt hat.

BIKE: Und der Neoprenanzug?

Kyle: Katastrophe. Ich habe ihn ausgezogen, weil ich dachte, ich falle sowieso nicht mehr rein. Zehn Sekunden später lag ich im Wasser. Eiskalt. Die Rettungscrew hat gefühlt ewig gebraucht.

INTERVIEW | Danny MacAskill

BIKE: Warst du zuversichtlich?

Danny MacAskill: Kein bisschen. Die erste Hälfte sah gut aus. Die letzten Balancebalken dagegen waren brutal.

BIKE: Warum Mountainbike statt Trialbike?

MacAskill: Das hat die Chancen zwischen Kriss, den anderen Fahrern und mir fairer gemacht.

BIKE: War das ein Wettkampf?

MacAskill: Eigentlich nicht. Wir haben uns eher gegenseitig angefeuert. Wir wollten beide sehen, wie weit der andere kommt.

BIKE: Wann wurde dir klar, dass du es schaffen kannst?

MacAskill: Ich wusste, dass ich möglichst trocken bleiben muss. Deshalb bin ich deutlich vorsichtiger gefahren als sonst. Vielleicht nicht besonders spektakulär – aber jemand musste schließlich ins Ziel kommen.

BIKE: Und der Neoprenanzug?

MacAskill: Fünf Millimeter Neopren sind großartig – solange man im Wasser ist. Auf dem Bike wird daraus ziemlich schnell eine mobile Sauna.

Wer sind?

Kriss Kyle
Mit zehn Jahren kam Kyle in Stranraer, einem Kaff im Südwesten Schottlands, zum BMX. Als Teenager zog er kurzerhand in Unit 23 ein – Schottlands größte Indoor-Skatehalle. Seither hat er einen Helikopter als Abfahrtshilfe auf ein Dubais Hochhausdach genutzt, einen BMX-Bowl an einen Heißluftballon geschraubt und sich durch eine psychedelische Traumwelt gefahren. Seit einigen Jahren taucht er zunehmend auf dem Mountainbike auf – immer im eigenen Stil, meistens mit drei Hunden im Schlepptau.

Danny MacAskill
April 2009: MacAskills Mitbewohner lädt ein fünfminütiges Video hoch – Danny, wie er durch Edinburgh fährt. Innerhalb von Stunden geht es viral. Der gelernte Fahrradmechaniker von der Isle of Skye wird zum meistgesehenen Radfahrer der Welt. „Cascadia": 117 Millionen Aufrufe. „Imaginate": eine Fantasiewelt aus übergroßem Kinderspielzeug, 18 Monate Produktion, 95 Millionen Aufrufe. „The Ridge": MacAskill fährt den messerscharfen Cuillin Ridge seiner Heimatinsel entlang. Jedes Projekt ein anderer Planet – dieselbe Handschrift: technisch unerreichbar, filmisch durchkomponiert, emotional treffsicher.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

Meistgelesen in der Rubrik Events

Shorts