Laurin Lehner
· 06.10.2026
Der VPace Kids Cup ist die Nachwuchs-Rennserie im Downhill-Bereich für Kids zwischen fünf und zehn Jahren. Was 2019 als spontane Idee für die gelangweilten Geschwisterkinder beim Rookies Cup begann, hat sich längst zu einer ernstzunehmenden Rennserie entwickelt – mit eigenem Overall-Standing, internationaler Beteiligung und regelmäßig ausverkauften Starts.
In der Saison 2026 umfasste die Serie sieben Stops in Deutschland, Österreich und Tschechien. Pro Veranstaltung sind bis zu 130 Kinder am Start, die Nachfrage übersteigt dieses Limit jedoch regelmäßig. Beim Finale in Leogang gingen zuletzt 150 Kids aus elf Nationen an den Start.
Der Kids Cup versteht sich dabei bewusst als Vorschule für den Rookies Cup – ein Ort, an dem der Spaß am Sport im Vordergrund steht und erste Wettkampferfahrungen in einem kindgerechten Rahmen gesammelt werden können. Organisiert wird die Serie von Sabine Oswald in Zusammenarbeit mit der Racement GmbH, unterstützt von Hauptsponsor VPace sowie weiteren Partnern wie Maxxis.
Bine, der VPace Kids Cup – wie fing das eigentlich an?
Ganz unspektakulär, ehrlich gesagt. Beim Rookies Cup hingen immer die kleinen Geschwister rum und wollten auch Rennen fahren. Die haben sich gelangweilt, die Eltern haben sich gelangweilt – und irgendwann haben wir gedacht: Okay, dann machen wir halt ein kleines Kinderrennen draus. Das war 2019. Was daraus geworden ist, hat uns selbst überrascht.
Und was ist daraus geworden?
Dieses Jahr hatten wir sieben Stops – Winterberg, Oberhof, Farchant, Tschechien, Ilmenau und natürlich hier in Leogang. Mit Overall-Wertung, Nationenwertung, dem ganzen Programm. Gestern standen 150 Kids am Start, aus elf Nationen. Manchmal stehe ich in der mittleren Kategorie am Streckenrand und denke: Das sieht aus wie ein Weltcup – nur dass alle ein bisschen geschrumpft sind.
150 Kids – das klingt nach Chaos.
(lacht) Wir versuchen eigentlich bei 130 zu bleiben, weil ein Sechsjähriger, der eine halbe Stunde in der Startreihe wartet, irgendwann keinen Bock mehr hat.. Aber manche Stops sind einfach so gefragt, dass wir Wartelisten haben. Winterberg zum Beispiel – da sind immer 20, 30 mehr als eigentlich vorgesehen.
Wie baut man einen Kurs, der für Vier- und Elfjährige gleichzeitig funktioniert?
Das ist die Herausforderung schlechthin. Du hast Kinder, die gerade ohne Stützräder fahren können, und daneben Jungs und Mädels, die dir locker entwischen würden. Du brauchst eine Strecke, die Spaß macht, die fordert, aber bei der am Ende alle heil unten ankommen. Und dann musst du dich noch an die lokalen Gegebenheiten anpassen. Das ist ein schmaler Grat – buchstäblich.
Sponsoren – schwieriges Thema?
Ehrlich gesagt: Ich verstehe bis heute nicht, warum der Kids Cup nicht dreifach übersponsert ist. Wir haben hier die ideale Zielgruppe – Familien, die alle halbe Jahre neue Protektoren kaufen müssen, weil die Kids rauswachsen. An Sicherheitsausrüstung wird nicht gespart. Das ist doch ein Traum für jede Marke. Trotzdem ist es zäh. VPace als Hauptsponsor trägt uns super, Maxxis ist dabei, und die Aktivschule im Leben – die unterstützen uns rein aus Überzeugung, ohne direkten Gegenwert. Das finde ich außergewöhnlich und es bedeutet mir sehr viel.
Was treibt dich nach 15 Jahren noch an?
Jeden Winter frage ich mich das auch. Selbstständig sein ist ja kein Selbstläufer. Aber dann stehe ich bei der Siegerehrung und sehe diese Gesichter – dieses vollkommen unverstellte Strahlen – und dann ist die Frage beantwortet. Dazu kommen die Geschichten, die sich daraus entwickeln. Ich fahre irgendwo einen Bikepark und auf einmal kommen zehn Familien angelaufen: „Bine! Wir kennen uns alle vom Kids Cup, wir sind heute zusammen hier!" Das hat etwas in Gang gesetzt, das weit über den Rennsport hinausgeht.
Habt ihr schon Kids gehabt, die durchgestartet sind?
Raoul Schneeberger – Juniorenweltmeister. Der war damals beim Kids Cup dabei. Wenn ich sowas höre, dann weiß ich, warum ich das mache.
Und Eltern, die zu ehrgeizig sind. Gibts das?
(seufzt kurz) Gibt's. Immer mal wieder. Wir moderieren das aber aktiv – ich sage beim Riders Meeting ganz klar: Wir sind hier nicht beim Fußball, heute wird niemand angeschrien. Das gehört zur DNA des Cups. Je besser ich eine Familie kenne, desto direkter kann ich da auch sein.
Du hast gestern auf der Bühne gesagt: „Alle sind Gewinner." Meinst du das ernst, es geht doch dennoch ums Rennen fahren. Da gibts nun mal Sieger und Verlierer.
Wer sich als Fünfjähriger vor Publikum auf einen Downhill-Kurs traut, während die Uhr läuft – der ist für mich ein Gewinner, egal wo er landet.
Gleichzeitig: Ja, die Uhr läuft wirklich. Einer ist der Schnellste. Das ist die Realität des Rennsports, und die sollten Kinder kennenlernen. Wir versuchen, diesen Grad zu finden – dass niemand als Verlierer nach Hause geht, aber alle verstehen, wie der Hase läuft. Wobei: In der Minikategorie fahren manche mit 20-Zoll-Laufrädern gegen 27,5er – da relativiert sich die Ergebnisliste sowieso.
Letzte Frage: Vision für die nächsten fünf Jahre?
Nicht unbedingt mehr Stops – sieben sind eine echte Rennserie, das reicht. Was ich mir wünsche: dass der Kids Cup so bleibt, wie er ist. Spaß vor Ergebnissen. Downhill-Vibe statt Leistungsdruck. Früher haben wir 13-Jährige gescouted – heute fragen manche Sechsjährige nach Sponsoren. Diese Entwicklung macht mir ein bisschen Sorgen. Der Kids Cup soll ein Gegenentwurf dazu bleiben. Ein Ort, an dem Kinder einfach Kinder sein dürfen – auf zwei Rädern, mit Helm und Riesengrinsen.
Sponsoren des VPace Kids Cup sind: VPace, Maxxis, IXS, Gobi, SR Suntour, Dirtworks
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