Rennen

Vollgas, aber entspannt

Henri Lesewitz

 · 10.06.2021

Vollgas, aber entspanntFoto: Henri Lesewitz

Ans Limit gehen, aber ohne Stress: Die Big 3-Challenge des Burning Hearts Cycling Clubs ist ein Ausdauer-Abenteuer für Jedermann – und verzurrt Biken, Graveln und Rennradfahren.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Mountainbiken pures Abenteuer. Jede Tour glich einer Entdeckungsreise, denn was einen erwarten würde, war nicht googlebar. Besonders intensiv war das Erlebnis bei einem Marathon. Grand Raid Cristalp, Dolomiti Superbike und wie die ganzen Härteprüfungen alle hießen – sie glichen eher Expeditionen als Rennen. Vom rauen Charme des Durchkämpfens ist nicht mehr viel geblieben. Selbst Hobby-Fahrer sind heute bis in die letzte Muskelfaser austrainiert, die anderen im Startblock nicht mehr Leidensgenossen sondern Gegner. Finishen? Das ist längst nicht mehr die Frage. Alles, was zählt, ist die Platzierung. Pulsmesser, Wattmesskurbeln, Ernährungspläne – der Alltag vieler Langstrecken-Biker gleicht heutzutage einem Zölibat.

Stephan Gerlach ist auch Langstrecken-Biker. Schweißdurchtränktes Lycra ist seine zweite Haut. Er aber findet die strikte Fokussierung auf Leistung schade, denn sie verdrängt immer mehr das soulige Miteinander. Stephan liebt es, an die Grenzen zu gehen. Als die vergangene Marathon-Saison der Pandemie zum Opfer fiel, fuhr er mit Kumpels daheim auf der Schwäbischen Alb alle großen Klassiker nach: Gardasee-Marathon, Sella Ronda Hero, Salzkammergut Trophy und Grand Raid. Allerdings ohne Strava und ohne Stress. Einfach so, aus Abenteuerlust.

  Stephan Gerlach, Club-Chef der Burning Hearts, kennt jeden Winkel auf der Schwäbischen Alb und hat die Big 3-Challenge ins Leben gerufen.Foto: Henri Lesewitz
Stephan Gerlach, Club-Chef der Burning Hearts, kennt jeden Winkel auf der Schwäbischen Alb und hat die Big 3-Challenge ins Leben gerufen.

Um das Lebensgefühl von Biken und Rock’n’Roll so miteinander zu verzurren, wie es in frühen Marathon-Jahren war, hat Stephan nun den Burning Hearts Cycling Club gegründet. Ein loser Zusammenschluss von Gleichgesinnten, denen es um entspanntes Vollgasgeben geht. Die passende Challenge hat er gleich mit ins Leben gerufen. „Burning Hearts Big 3“ heißt die Serie, die Radfahren als Ganzes zelebrieren soll. Eine Art Dreikampf, bestehend aus einem Mountainbike-Ride mit 100 Kilometern und 3000 Höhenmetern, einer Gravel-Runde mit 150 Kilometern und ebenfalls 3000 Höhenmetern, sowie einer Rennrad-Tour, bei der es mindestens 200 Kilometer und 4000 Höhenmeter abzuspulen gilt. Wann und wo man die Strecken fährt, bleibt jedem selbst überlassen. Die drei Original-Strecken gibt es auf der Big 3-Website zum Download. Man kann die Distanzen mit den entsprechenden Rädern auch an jedem beliebigen anderen Ort fahren. Wichtig ist nur, die aufgezeichneten Fahrten samt einem Beweisfoto auf der Website hochzuladen. Wer alle drei Prüfungen meistert, nimmt an einer Verlosung teil. Bei der gibt es unter anderem einen personalisierten Sattel der schwäbischen Firma Everve zu gewinnen, die Sponsor der Challenge ist. Welches Motiv der Sattel bekommt, kann der Gewinner von A bis Z selbst bestimmen. Nur Lust auf die MTB-Challenge? Auch okay. Alle Infos zur Challenge gibt es auf: www.everve.cc/big3

Bei der MTB-Prüfung, die sich der harte Kern der Burning Hearts-Crew unlängst an der Schwäbischen Albkante die Waden gedrückt hat, war unser Reporter mit dabei. Die Foto-Galerie gibt es hier.

Unter allen Finishern werden fünf Sättel von Everve verlost, die nach Wunsch des jeweiligen Gewinners gestaltet werden.Foto: Hersteller
Unter allen Finishern werden fünf Sättel von Everve verlost, die nach Wunsch des jeweiligen Gewinners gestaltet werden.
Die Schwäbische Alb bietet die perfekte Topografie, um sich mit dem MTB gepflegt 100 Kilometer in die Waden zu drücken.Foto: Björn Hänssler
Die Schwäbische Alb bietet die perfekte Topografie, um sich mit dem MTB gepflegt 100 Kilometer in die Waden zu drücken.
Die 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg macht die Routenwahl nicht einfach. Ständig stellt sich die Frage: Ist der Weg zwei Meter breit? Und wo wird eigentlich gemessen? Von Baum zu Baum? Oder von äußerstem Kieselstein zu äußerstem Kieselstein? Mit Maßband fährt jedenfalls niemand der örtlichen Bike-Szene.Foto: Björn Hänssler
Die 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg macht die Routenwahl nicht einfach. Ständig stellt sich die Frage: Ist der Weg zwei Meter breit? Und wo wird eigentlich gemessen? Von Baum zu Baum? Oder von äußerstem Kieselstein zu äußerstem Kieselstein? Mit Maßband fährt jedenfalls niemand der örtlichen Bike-Szene.
Das Tempo ist sportlich, Luft für ein Schwätzchen bleibt trotzdem genug.Foto: Björn Hänssler
Das Tempo ist sportlich, Luft für ein Schwätzchen bleibt trotzdem genug.
Colorado? Utah? Schwäbische Alb!Foto: Björn Hänssler
Colorado? Utah? Schwäbische Alb!
BIKE-Reporter Henri Lesewitz knetet neben Stephan Wolfer (links) den Berg hoch. Wolfer, der zusammen mit seinem Bruder die Radklamotten-Manufaktur Everve führt, unterstützt die Big 3-Challenge als Sponsor – und spult die Härteprüfung natürlich persönlich mit ab.Foto: Björn Hänssler
BIKE-Reporter Henri Lesewitz knetet neben Stephan Wolfer (links) den Berg hoch. Wolfer, der zusammen mit seinem Bruder die Radklamotten-Manufaktur Everve führt, unterstützt die Big 3-Challenge als Sponsor – und spult die Härteprüfung natürlich persönlich mit ab.
Stephan Gerlach, Club-Chef der Burning Hearts, kennt jeden Winkel auf der Schwäbischen Alb und hat für die MTB 100-Prüfung eine Premium-Runde zusammengestellt.Foto: Björn Hänssler
Stephan Gerlach, Club-Chef der Burning Hearts, kennt jeden Winkel auf der Schwäbischen Alb und hat für die MTB 100-Prüfung eine Premium-Runde zusammengestellt.
Kurze Zwischenstärkung vor den finalen Höhenmetern: das Bier ist – im Gegensatz zu dem später im Ziel – alkoholfrei.Foto: Björn Hänssler
Kurze Zwischenstärkung vor den finalen Höhenmetern: das Bier ist – im Gegensatz zu dem später im Ziel – alkoholfrei.
Unser Reporter erledigt aber glücklich nach 100 Kilometern und 3000 Höhenmetern.Foto: Björn Hänssler
Unser Reporter erledigt aber glücklich nach 100 Kilometern und 3000 Höhenmetern.
Unter allen Finishern werden fünf Sättel von Everve verlost, die nach Wunsch des jeweiligen Gewinners gestaltet werden.Foto: Hersteller
Unter allen Finishern werden fünf Sättel von Everve verlost, die nach Wunsch des jeweiligen Gewinners gestaltet werden.
Die Schwäbische Alb bietet die perfekte Topografie, um sich mit dem MTB gepflegt 100 Kilometer in die Waden zu drücken.Foto: Björn Hänssler
Die Schwäbische Alb bietet die perfekte Topografie, um sich mit dem MTB gepflegt 100 Kilometer in die Waden zu drücken.
Die Schwäbische Alb bietet die perfekte Topografie, um sich mit dem MTB gepflegt 100 Kilometer in die Waden zu drücken.
Die 2-Meter-Regel in Baden-Württemberg macht die Routenwahl nicht einfach. Ständig stellt sich die Frage: Ist der Weg zwei Meter breit? Und wo wird eigentlich gemessen? Von Baum zu Baum? Oder von äußerstem Kieselstein zu äußerstem Kieselstein? Mit Maßband fährt jedenfalls niemand der örtlichen Bike-Szene.
Das Tempo ist sportlich, Luft für ein Schwätzchen bleibt trotzdem genug.
Colorado? Utah? Schwäbische Alb!
BIKE-Reporter Henri Lesewitz knetet neben Stephan Wolfer (links) den Berg hoch. Wolfer, der zusammen mit seinem Bruder die Radklamotten-Manufaktur Everve führt, unterstützt die Big 3-Challenge als Sponsor – und spult die Härteprüfung natürlich persönlich mit ab.
Stephan Gerlach, Club-Chef der Burning Hearts, kennt jeden Winkel auf der Schwäbischen Alb und hat für die MTB 100-Prüfung eine Premium-Runde zusammengestellt.
Kurze Zwischenstärkung vor den finalen Höhenmetern: das Bier ist – im Gegensatz zu dem später im Ziel – alkoholfrei.
Unser Reporter erledigt aber glücklich nach 100 Kilometern und 3000 Höhenmetern.
Unter allen Finishern werden fünf Sättel von Everve verlost, die nach Wunsch des jeweiligen Gewinners gestaltet werden.

„Anspruchsvoll die Kurbel quetschen“

BIKE: Was hat es mit dem Burning Hearts Cycling Club auf sich?

Stephan Gerlach: Der Burning Hearts Cycling Club soll Biker verbinden, die ihre eigene Geschichte zum Radsport zu erzählen haben – fernab von Leistungsdruck, Watt- oder Pulswerten. Dennoch soll ordentlich und anspruchsvoll die Kurbel gequetscht werden. Attribute wie Freiheit, Leidenschaft und ein Hauch von Rebellion sind uns wichtig, so wie in den Anfangszeiten des Mountainbike-Sports. Unsere Philosophie wird sich in den kommenden Events und Aktionen, die wir planen, widerspiegeln.

Wie würdest du Deine Fahrrad-Philosophie beschreiben?

Für mich bedeutet Mountainbiken pure Freiheit. Man hat die Möglichkeit, nicht vorgegebene Wege nach Wahl so lange zu fahren, wie man möchte. Nach Stunden im Sattel verschmilzt man förmlich mit der Natur und dem Material. Eine Symbiose, die fast schon meditative Züge hat. Biken gibt einem die Möglichkeit, spannende Plätze zu bereisen. Und natürlich ist Biken für mich schlichtweg Rock’n’Roll.

Wie kamst Du auf die Idee der Big 3-Challenge?

Auf die Idee kam ich mit den Jungs von Everve zusammen. Wir planten gemeinsam für 2021 ein Kult-Event auf der Schwäbischen Alb, das aufgrund der Corona-Situation leider nicht umsetzbar war. Daher haben wir auf die momentane Lage reagiert und die Big 3 ins Leben gerufen. Uns hat interessiert, wie viele Radler da draußen sind, die alle drei Radsport-Disziplinen beherrschen. Mountainbike, Gravel und Rennrad.

Was macht den Reiz der Challenge aus?

Neben den ausgefallenen und individuellen Preisen ist natürlich die Challenge an sich der Reiz. Alle drei Disziplinen zu bewältigen ist sehr anspruchsvoll und wird vielen alles abverlangen. Jede Disziplin ist eigen und bedarf anderer Stärken. Dass man alles auch vor der eigenen Haustür machen kann, nimmt dem Ganzen etwas den Druck. Für die ganz Harten gibt es aber natürlich die Originalstrecken der Burning Hearts-Crew zum Download.

  Stephan Gerlach aus Kirchheim unter Teck liebt Marathon-Biken und hasst Leistungsstress. Deshalb hat er den Burning Hearts Cycling Club gegründet.Foto: Henri Lesewitz
Stephan Gerlach aus Kirchheim unter Teck liebt Marathon-Biken und hasst Leistungsstress. Deshalb hat er den Burning Hearts Cycling Club gegründet.
  Die schwäbische Firma Everve geht mit dem <a href="https://www.everve.cc/ezero/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Ezero-Konzept</a>  einen ungewöhnlichen Schritt: Sie verzichtet auf das Sitzpolster in den Lycra-Hosen und passt das Polster des Sattels entsprechend an. Mehr über dieses <a href="https://www.bike-magazin.de/service/bike_wissen/bequem-sitzen-perfekter-sattel-ideale-sitzposition" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">neue Sattelkonzept gibt's hier</a> .Foto: Hersteller
Die schwäbische Firma Everve geht mit dem Ezero-Konzept einen ungewöhnlichen Schritt: Sie verzichtet auf das Sitzpolster in den Lycra-Hosen und passt das Polster des Sattels entsprechend an. Mehr über dieses neue Sattelkonzept gibt's hier .

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