NachgehaktWas macht eigentlich die Deutsche Sporthilfe?

Laurin Lehner

 · 04.04.2026

Nachgehakt: Was macht eigentlich die Deutsche Sporthilfe?Foto: dpa-pa/Federico Pestelli
Julian Schelb in Action.
Jeder hat sie schon mal gehört oder auf einem Trikot gesehen: die Deutsche Sporthilfe. Was die Stiftung genau macht – und wie sie den Mountainbike-Sport unterstützt – wissen die wenigsten. Zeit, das zu ändern. Wir haben mit Vorstandsmitglied Max Hartung gesprochen.

​Die Deutsche Sporthilfe unterstützt seit 1967 erfolgreich Spitzensportlerinnen und Spitzensportler in Deutschland finanziell und ideell. Sie fördert sowohl die Ausbildung als auch die Karriereplanung, bietet Stipendien, soziale Absicherung und Bildungsangebote und hilft damit Athletinnen und Athleten, Leistungssport und Privatleben zu vereinbaren. Ziel ist es, die deutsche Sportlandschaft langfristig zu stärken und Talente bestmöglich auf internationale Wettkämpfe vorzubereiten.

​Interview: „Leistung fördern, Talente entfalten“

Ein Gespräch mit der Deutschen Sporthilfe, Interview Max Hartung, Vorstandsmitglied

Wie finanziert sich die Deutsche Sporthilfe?
Wir fördern etwa 4000 Sportlerinnen und Sportler und brauchen dafür eine breite Finanzierung. Ein großer Teil kommt von unseren nationalen Förderern – acht große Unternehmen, mit denen wir Vereinbarungen haben, zum Beispiel die Deutsche Bank, Mercedes und die Telekom. Ein weiterer Block sind Steuermittel, die wir auf Beschluss des Deutschen Bundestages erhalten – knapp 11 Millionen Euro pro Jahr von insgesamt etwa 32 Millionen Euro, die wir umsetzen. Zusätzlich gibt es Spenden. Eine wichtige Gruppe innerhalb der Spender sind unsere über dreihundert Kuratoren, die jährlich 7500 Euro spenden, was in Summe rund 2 Millionen Euro ausmacht. Es ist also ein breites Portfolio an Mitteln, die wir jedes Jahr hart erkämpfen, um es an die Sportlerinnen und Sportler weitergeben zu können.

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Wer entscheidet, welche Sportlerinnen und Sportler gefördert werden?
Über die Vergabe entscheidet der sogenannte Gutachterausschuss, bestehend aus ehemaligen Spitzensportlern, Vertretern des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Kanzleramts. Jeder Verband bringt Vorschläge ein, und auch Athletenvertreter haben Mitspracherecht. Grundlage für die Förderung sind der Bundeskaderstatus und sportliche Leistungen. Zusätzlich prüfen wir die Einkünfte: Wer mehr als 72.000 Euro verdient, erhält keine monatliche Grundförderung.

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Ist die Sporthilfe eine Alternative zu Polizei oder Bundeswehr?
Soldaten und Polizisten erhalten eine reduzierte Förderung. Der Sold der Sportsoldaten liegt nach wie vor deutlich über der Förderung, die wir den Athletinnen und Athleten auszahlen können. Wir arbeiten hart daran, diese Lücke zu schließen.

Welche Sportarten werden gefördert?
Neben den olympischen und paralympischen Disziplinen unterstützen wir auch Sportarten der World Games – ein internationales Multisportevent, oft mit Sportarten, die perspektivisch olympisch werden könnten.

Wie relevant sind auch Straßenradsport und Mountainbiken?
Das sind für uns zwei wichtige Bereiche. In Summe werden jährlich etwa dreißig Mountainbiker und zwanzig Rennradfahrer gefördert.

Welche Sportarten profitieren besonders von der Förderung?
Größere Sportarten wie Leichtathletik oder Schwimmen stellen viele Bundeskaderathleten, sodass hier eine hohe Zahl an Förderungen erfolgt. Außerdem spielt eine Rolle, wie viele Profis eine Sportart hervorbringt, die sich komplett über Sponsoren finanzieren können. Kleinere Sportarten wie beispielsweise Fechten haben es an dieser Stelle schwer.

Während der Olympischen Winterspiele wurden immer mal wieder die Medaillen-Prämien infrage gestellt. Wer entscheidet das?
Die Prämien für Gold, Silber und Bronze kommen vollständig von der Sporthilfe – das wissen viele gar nicht. Das sind neuerdings 30.000, 20.000 und 10.000 Euro. Seit dem Jahreswechsel sind sie steuerfrei – ein großer Erfolg aus Sicht der Sporthilfe, für den wir uns sehr stark gemacht haben.
Grundsätzlich ist jedoch das Ziel der Sporthilfe, primär Talente zu fördern und sportliche Leistungen zu ermöglichen, nicht in erster Linie bereits errungene Erfolge zu belohnen.

Was können wir von anderen Ländern lernen?
Die nordischen Länder wie Dänemark oder Norwegen sind interessant: Trotz kleinerer Bevölkerung erzielen sie beachtliche sportliche Erfolge, unterstützt durch starke Vereinsstrukturen. Gleichzeitig ist das deutsche föderale System einzigartig, weshalb wir nicht alles direkt übertragen können.
Trotzdem ist der deutsche Sport insgesamt bemüht, vom Ausland zu lernen. Die geplante Spitzensportagentur wird staatliche Fördermittel künftig bündeln und soll professionell steuern – ein Modell ähnlich dem von UK Sports.

Manche Leute sagen, es gibt heutzutage sinnvollere Möglichkeiten, Steuergelder zu investieren.
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe steht für die Werte Leistung, Fairplay und Miteinander. Wir sind überzeugt, die geförderten Athletinnen und Athleten tragen diese Werte als Botschafter in die Gesellschaft und in die Welt. In meinen Augen lohnt sich jede Unterstützung dieser Mission, sei es aus der privaten Wirtschaft, von staatlicher Seite oder von Spenderinnen und Spendern.

“Die Prämien für Gold, Silber und Bronze kommen vollständig von der Sporthilfe – das wissen viele gar nicht,“ sagt Vorstandsmitglied Max Hartung von der Deutschen Sporthilfe.Foto: Marie Pietruschka“Die Prämien für Gold, Silber und Bronze kommen vollständig von der Sporthilfe – das wissen viele gar nicht,“ sagt Vorstandsmitglied Max Hartung von der Deutschen Sporthilfe.

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Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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