Text: Levin Klausmann
Die letzten vier Wochen waren – neben meinem Abitur in diesem Jahr – wohl die aufregendsten und zugleich anstrengendsten meiner 18 Jahre. An jedem einzelnen Wochenende stand dabei nicht irgendein Wettkampf auf dem Programm – nein, ein Highlight jagte das nächste.
Den Auftakt machte der World Cup in Les Gets, gefolgt von der Weltmeisterschaft in Val di Sole. Schon zu Beginn dieser Saison hatte mir die Kombination aus Verkrampftheit und viel zu viel Kopfkino ordentlich zu schaffen gemacht – und leider blieben auch diese beiden Events davon nicht verschont. Les Gets hatte sich nach einer Nacht Dauerregen in eine echte Schlammschlacht verwandelt, und Val di Sole bereitete mir schon im Vorfeld einiges an Kopfzerbrechen.
Um es kurz zu machen: Ich war bei beiden Rennen hochmotiviert – hatte aber schlichtweg nicht das Glück, einen wirklich guten Lauf auf die Strecke zu bringen.
Die Chance, den Kopf freizubekommen, ließ glücklicherweise nicht lange auf sich warten. Am ersten Septemberwochenende stand das Cerro Abajo in Stuttgart auf dem Plan. Die Rennserie kannte ich zwar bereits – aber was ich in dieser Woche erlebte, übertraf sämtliche Erwartungen.
Allein der Medienrummel im Vorfeld war enorm. Und da ich mich in Sachen Social Media eher in der Kategorie Küken als stolzer Hahn sehe, war das für mich eine wertvolle Möglichkeit, einiges dazuzulernen. Rückblickend ist eines klar: Dieses Event war schlicht und ergreifend unglaublich.
Zu erleben, wie eine ganze Stadt auf den Kopf gestellt wird, wie schon beim Training tausende Menschen am Streckenrand jubeln – das war mehr als beeindruckend. Die geschätzten 90.000 Zuschauer sorgten für eine Atmosphäre, die man kaum in Worte fassen kann. Und das Beste: Ich hatte auf dem Track so unglaublich viel Spaß, dass dieses Wochenende zu einem absoluten Erlebnis für mich wurde.
Das vergangene Wochenende hat diese ohnehin schon besondere Saison noch einmal auf ein völlig neues Niveau gehoben. Die Deutsche Meisterschaft fand in diesem Jahr in Todtnau statt – auf meiner Heimstrecke.
Damit war eigentlich schon klar, dass auch dieses Wochenende etwas ganz Besonderes werden würde. Nachdem ich mich über den Sommer immer mehr selbst unter Druck gesetzt hatte, bestand meine Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft vor allem darin, fokussiert und mit klarem Kopf an den Start zu gehen. Einerseits fällt das auf der Heimstrecke leichter – die Umgebung ist vertraut, jede Kurve ein alter Bekannter. Andererseits kann eine neue Streckenführung auf altbekanntem Terrain den Druck um ein Vielfaches erhöhen.
Umso schöner war es, mich an diesem Wochenende auf dem Bike endlich wieder richtig wohlzufühlen. Mit dem Gefühl, einen Teil meiner alten Unbeschwertheit zurückgewonnen zu haben, war der erste Trainingstag einfach fantastisch. Und dieses Gefühl setzte sich fort: Mit der Bestzeit in der Qualifikation konnte ich mir den Sieg in der Juniorenklasse sichern.
Die Bestzeit gab mir noch einmal einen richtigen Schub an Selbstvertrauen. Mit diesem guten Gefühl im Gepäck konnte ich im Finale mit einer Zeit von 3:16,866 Minuten den zweiten Platz hinter Lois Eller belegen.
Ehrlich gesagt bin ich nach dieser durchwachsenen Saison mit dem zweiten Platz wirklich sehr zufrieden. Auch dass Lois und ich in der Gesamtwertung die Plätze drei und vier belegen konnten, stimmt mich positiv für die kommenden Rennen.
Und nachdem die letzten Wochen schon so unglaublich spannend waren, wäre es natürlich schade, wenn die Saison jetzt schon zu Ende ginge – zum Glück ist das noch nicht der Fall!
Ich freue mich riesig darauf, gemeinsam mit Lois Eller zu den nächsten World Cups nach Whistler und Lake Placid zu reisen. Ich bin gespannt, was die nächsten Rennen bringen werden – und vor allem freue ich mich einfach darauf, wieder auf dem Bike zu sitzen und Spaß zu haben.
Bis dahin, Euer Levin
Category : Elite Women / Nation : GER
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