Allez! Allez! BIKE Junior Team beim TFJV in Frankreich

Marc Strucken

 · 09.08.2022

Allez! Allez! BIKE Junior Team beim TFJV in FrankreichFoto: Marko Haas

Das BIKE Junior Team ist auch abseits der Bundesnachwuchssichtung erfolgreich. Dennis Krimmel wurde vom BDR für das TFJV in Les Menuires nominiert und konnte sich auch in Frankreich in der Gesamtwertung gegen fast alle Konkurrenten durchsetzen. Der Rennbericht von Dennis.

Zur TFJV (Trophée de France des Jeunes Vététistes) 2022 ging es für mich in die Alpen nach Les Menuires auf etwa 3000 Meter Höhe. Die Luft dort wurde deutlich dünner und alle Belastungen wurden deutlich anstrengender. Nach der Anreiße blieb nicht mehr besonders viel Zeit, um großartig Rad fahren zu gehen. Die Sportler gingen gleich auf ihre Zimmer und schon war es spät genug, um sich von der sehr langen Fahrt zu regenerieren.

1.Tag - das Défilé der Athletinnen und Athleten

Am ersten Tag versammelten sich Sportler und Eltern, alle bekamen zuerst den Ablauf mitgeteilt. Danach mussten die Jugendlichen sich schon auf das Défilé vorbereiten. Das ist eine Eröffnungsfeier am Abend, bei der alle Mannschaften sich verkleiden und einen kleinen Tanz aufführen. Danach laufen alle durch die Stadt und präsentieren sich. Der Tanz wird von einer Juri bewertet. Der Auftritt gibt zwar keine Punkte für die Gesamtwertung, ist für die Franzosen aber trotzdem sehr wichtig.

Das Thema für dieses Jahr lautete “Spiele in den Alpen”. Und wie es nicht anders kommen konnte, wurde ich als Dirndlbub verkleidet. (Es gab auch Skispringer, Kühe, Kletterer, Fallschirmspringer). Zuerst viel es mir schwer, mich so zu präsentieren, aber dann merkte ich, dass alle es sehr mutig und toll fanden, und es machte mir auch viel mehr Spaß. Vor allem wenn mich Mädchen anlächelten, hatte ich auch ein breites Grinsen.

Das deutsche Team belegte beim Tanzen leider nur den vierten Platz. Die Bettruhe war an diesem Tag noch großzügig auf 22:30 Uhr angelegt.

Dennis als “Dirndlbub” beim Défilé des TFJV - noch unsicher, wie lustig er es findet.Foto: Marko Hass
Dennis als “Dirndlbub” beim Défilé des TFJV - noch unsicher, wie lustig er es findet.

2.Tag - das Staffel-Rennen

Der zweite Tag begann um 8:00 Uhr mit einer 45-minütigen Frühsporteinheit. Die erste Hälfte joggten wir zu einem sonnigen Plätzchen und dehnten anschließend den kompletten Körper durch. Nach dem Rückweg gab es Frühstück, traditionell mit Baguette.

Etwa um 10 Uhr ging es für alle Sportler zum Renngelände. Die Strecke der Staffel bestand aus zwei Bergen und einer technischen Abfahrt. Die Runde war zwar nicht lang, aber trotzdem durchgehend mit Maximalpuls fordernd. Es starteten immer drei Jungs und ein Mädchen. Nachdem die U13 und U15 schon einen sehr großen Vorsprung rausgefahren hatten, musste ich nur noch sicher die Runde fahren. Trotzdem wusste ich nicht, wie viel Vorsprung das deutsche Team hat, weil viele überrundete Fahrer auf der Strecke waren. Auf Grund dessen fuhr ich relativ schnell und merkte, dass bei mir direkt starke Atmung und schwache Beine eintraten. Im Ziel freute ich mich zwar, dass wir als Team gewonnen hatten, war aber auch sehr in Gedanken, woher die Schwäche kam.

Bei der Besprechung am Abend mit unserem Teamleiter besprachen wir den nächsten Tag und bekamen die Einzelzeiten von der Staffel. Es kam heraus, dass ich die drittbeste Zeit gefahren war. Das ließ mich sehr gut schlafen.

Höhen und Tiefen - nicht nur auf der Strecke des TFJV - für Dennis vom BIKE Junior Team.Foto: Marko Haas
Höhen und Tiefen - nicht nur auf der Strecke des TFJV - für Dennis vom BIKE Junior Team.

3.Tag - Trial (Die Disziplin, wegen der ich bei der TFJV war)

Der nächste Tag begann wieder mit Frühsport. Dieses Mal aber verkürzt, weil wir schon sehr früh zum ersten Trial-Parcours mussten. Die Hindernisse waren nicht mit denen in Deutschland zu vergleichen. Sie waren höher, schwerer und gefährlicher.

Das Wort “unmöglich” kam für mich nicht in Frage und so fuhr ich auch in den ersten Parcours, der aus vielen Baumstämmen und Betonkisten bestand. Ich bewältigte alles bis auf ein Hindernis, das ich vier Mal versucht habe hoch zu springen und jedes Mal geschickt wieder aufs Hinterrad zurück gesprungen bin. Ich war zufrieden und vor allem die Sätze wie “Dennis was für eine Show, sehr stark” bauten mich auf. Was mich am meisten freute, war auch, dass ich als Erster eine neue Linie gefahren bin, die alle zuvor für unmöglich hielten. Mit selbstbewusster Einstellung ging ich zum zweiten von vier Parcours. Er lag genau am Fluss und wenn man nicht aufpasste, fiel man in den Fluss. Es war meiner Meinung nach der einfachste Parcours von allen. Ich fuhr schnell, aber trotzdem sicher. Beim vorletzten Hindernis meinte der Kampfrichter, dass ich das Fähnchen berührt hätte und keine Punkte bekäme. Ich wiederum bin mir komplett sicher, dass ich es nicht berührt habe.

Ich kann aber verstehen, dass der Kampfrichter nur seinen neutralen Job macht und es nichts bringt zu diskutieren. Das Problem war nur, dass ich mental so tief gesunken war wie noch nie. Aus dem fröhlichen Dennis wurde eine introvertierte, traurige Person. Im nächsten Parcours war ich nicht mehr bei der Sache und schaute nur noch darauf, dass ich die Fähnchen nicht berühre. Das kostete mich zwei abgestellte Füße und keine Punkte für ein Hindernis. Zwischen dem dritten und vierten Parcours gab es eine längere Pause, in der ich mich beruhigte und dann alle Punkte holte. Am Ende wurde ich Elfter. Abends machte ich meine Bulls-Rennmaschine fertig zum XCO-Start.

Start des XCO-Rennes in Les Menuires. Dennis ganz vorn, um “nicht gestört zu werden”.Foto: Marko Haas
Start des XCO-Rennes in Les Menuires. Dennis ganz vorn, um “nicht gestört zu werden”.

4.Tag - XCO-Rennen mit einem Platten

Am vierten Tag konnten wir normal ausschlafen. Durch die gute Gemeinschaft im Zimmer kochten wir Porridge und lenkten uns somit von der Nervosität ab. Danach ging es auch schon Richtung Renngelände.

Es fiel einem schwer, sich zeitlich zu orientieren, weil der Sprecher nur auf Französisch berichtete und Verzögerungen erst spät bekannt wurden. Trotzdem machte unser Trainer Paul Kallenberger alles tip top und wir waren rechtzeitig auf der Rolle. Ich startete als bester Deutscher in der ersten Reihe. Am Start fuhr ich kurz als Erster, um nicht gestört zu werden, ließ mich dann aber von einem Athleten überholen. Vor der Abfahrt überholte mich noch ein Athlet - und das war die Stelle, wo ich das Rennen verloren hatte.

Nach erster, verpasster Durchfahrt in der Tech Zone, bekommt Dennis jetzt Hilfe mit seinem Platten.Foto: Marko Haas
Nach erster, verpasster Durchfahrt in der Tech Zone, bekommt Dennis jetzt Hilfe mit seinem Platten.

Als ich sah, dass es ein Sportler der Region Süd Paka war, wusste ich das dort normalerweise alle Sportler extrem gut sind. Dieser aber war in der Abfahrt extrem langsam und riss eine Lücke zum Ersten auf. Schlussendlich musste wieder ich allein mit aller Kraft zu den Führenden aufschließen. Das gelang mir bis zur gleichen Abfahrt wie davor. Durch starke Erschöpfung konnte ich mein Bike nicht so geschickt bewegen wie sonst und erlitt einen Platten. Ich blieb ruhig, weil ich wusste, dass es bis zur Tech and Feed Zone nur noch 200 Meter waren und es nur bergab ging.

Ablenkung kostet die Platzierung

In der Zone passte ich nicht auf, wo die Deutschen sind, weil davor auch viele Zuschauer standen und fuhr knapp vorbei. Weil ich nicht zurückdurfte, musste ich die nächste halbe Runde mit zu wenig Luft im Reifen fahren. Das kostete mich drei Plätze. In der Tech Zone ging alles ganz schnell dank Jan Schlichenmaier, der einen hervorragenden Boxenstopp hinlegte. Als ich dann sieben Fahrer vor mir hatte und mein Rennrhythmus kaputt war, versuchte ich nur noch das Tempo der anderen zu halten. Bis zur letzten Runde verlor ich weitere Plätze, bis ich als 12. ins Ziel kam. Im Ziel war ich nicht sauer oder enttäuscht, aber traurig. Traurig, weil ich wusste, dass das Podest mal in Reichweite war.

Nach dem Rennen machten wir uns bereit für das Downhill-Training. Es ging mit der Gondel weitere 600 Meter hoch und von dort mit vielen technischen Passagen runter. Die Strecke war extrem schnell mit vielen Wiesenkurven, die sauber durchfahren werden mussten. Steine gab es auf dem Weg runter nur wenige. Nach drei Trainingsläufen und einem nicht dramatischen Sturz fühlte ich mich sicher für den nächsten Tag mit der letzten Disziplin.

5. Tag - der regnerische Downhill von Les Menuires

Der nächste Tag begann mit Sonnenschein und auch ich hatte wieder Hoffnungen auf ein gutes Resultat. Wir gingen gesammelt mit dem Deutschen Team U17 zum Lift. Ich musste mehr als zwei Stunden warten bis zu meinem Start, weil ich bis dahin in der Gesamtwertung Vierter war und als Viertletzter startete.

Als es nicht mehr lang bis zu meinem Start war, fing es an wie aus Eimern zu regnen und die Strecke wurde fast unfahrbar. Die Wiese wurde zu Matsch und extrem rutschig. Ich versuchte trotzdem, das Beste draus zu machen. Ich hatte sehr grobe Reifen, was es mir ermöglichte, noch etwas Luft rauszulassen. Ich fuhr sicher, aber trotzdem nach meinem Gefühl sehr schnell. Unten hatte ich dann den 30. Platz und hinter mir kamen auch noch Sportler. Mein Resultat wurde bis zur Siegerehrung nicht veröffentlicht, um es spannend zu machen.

Am Abend bekam ich mit, dass ich Vierter in der Gesamtwertung wurde. Es machte mich sehr glücklich, dass ich trotz nicht hervorragender Ergebnisse so vielseitig war, um mir diesen Platz zu erkämpfen.

Zur Abschlussfeier ging ich dann mit einem Lächeln und hatte noch eine schöne Zeit mit den Jungs und auch mit ein paar französischen Mädels.

Volle Konzentration: Dennis Krimmel mit dem Trikot des BDR in den deutschen Farben. Er holt den 4. Platz in der Gesamtwert beim TFJV in Frankreich.Foto: Marko Haas
Volle Konzentration: Dennis Krimmel mit dem Trikot des BDR in den deutschen Farben. Er holt den 4. Platz in der Gesamtwert beim TFJV in Frankreich.

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