​Superstunt von Elias SchwärzlerDer Mann, der vom Heißluftballon radelte

Dimitri Lehner

 · 29.07.2026

Rollt von einem Heißluftballon ins Leere: Bike-Influencer Elias Schwärzler kombiniert Mountainbiking mit Fallschirmspringen.
Foto: Elias Schwärzler Media
Mit dem Mountainbike über den Rand eines Heißluftballons rollen, Frontflips drehen, das Bike im freien Fall loslassen und den Fallschirm ziehen – auf solche Ideen muss man erst einmal kommen.

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Elias Schwärzler hatte sie. Zwei Jahre lang plante der Vorarlberger den wohl verrücktesten Bike-Stunt seiner Karriere. BIKE sprach mit ihm über 70.000 Euro Budget, brennende Ballons und die Frage, warum ein missglückter erster Versuch am Ende sein Glück war.

„Ich habe wie ein Mountainbiker gedacht – nicht wie ein Fallschirmspringer.“

BIKE: Elias, Glückwunsch zu deinem Ballon-Stunt. Als die Bilder online gingen, dachte jeder: Das kann doch nicht echt sein.

Elias Schwärzler: (lacht) Danke! Ich war danach völlig geflasht. Als ich die Fotos gesehen habe, dachte ich: Genau so hat das in meinem Kopf ausgesehen. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen Realität und Vorstellung perfekt zusammenpassen.

BIKE: Besonders beeindruckend waren die Frontflips und wie sauber du dich vom Bike gelöst hast. Dabei bist du gar kein Profi-Fallschirmspringer.

Schwärzler: Mittlerweile habe ich rund 250 Fallschirmsprünge. Ohne die wäre der Stunt unmöglich gewesen.

BIKE: Trotzdem lief der erste Versuch nicht nach Plan.

Schwärzler: Nein. Die Kameradrohne ist ausgefallen. Das war ärgerlich, denn das Risiko war enorm. Im Nachhinein war es aber ein Glücksfall.

BIKE: Warum?

Schwärzler: Weil ich mich nach den Frontflips wie ein Mountainbiker vom Rad getrennt habe. Ich habe das Bike seitlich weggedrückt und die Knie angezogen – genau wie nach einem missglückten Sprung am Boden. Im freien Fall dreht dich das aber sofort auf den Rücken. Ein Fallschirmspringer streckt die Beine, bekommt Luft an die Füße und trackt nach vorne weg. Genau das habe ich beim zweiten Versuch gemacht. Da hat alles gepasst.

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Bulgarien statt Bürokratie

BIKE: Du hast den Stunt zwei Jahre vorbereitet. Was war die größte Herausforderung?

Schwärzler: Eigentlich alles. Welcher Ballon hält das aus? Reißt die Hülle? Wer genehmigt so etwas? Welcher Pilot macht überhaupt mit? Ohne offizielle Freigabe riskiert der Ballonfahrer seine Lizenz.

BIKE: Fündig geworden bist du ausgerechnet in Bulgarien.

Schwärzler: (lacht) Ja. Dort hieß es nur: „Fliegt halt dahin, wo unten keine Häuser stehen.“ Das war deutlich unkomplizierter als anderswo.

BIKE: Wie kommt man auf solche Kontakte?

Schwärzler: Ich habe recherchiert, wer schon einmal auf einem Heißluftballon Stunts gemacht hat. So bin ich auf den englischen Stuntman Andy gestoßen. Er kannte die Leute vor Ort und organisierte alles.

BIKE: Den eigentlichen Sprung konntest du trotzdem nie komplett üben.

Schwärzler: Nein. Trainieren konnte ich nur die Stabilisierung nach den Frontflips. Dass ich mich sauber vom Bike löse und kontrolliert in den freien Fall komme.

„Die größte Angst? Dass der Ballon brennt.“

BIKE: Was war das größte Risiko?

Schwärzler: Die Höhe. Wir sprangen aus knapp 900 Metern. Fallschirmspringer verlassen das Flugzeug normalerweise in rund 4.000 Metern. Da bleibt viel Zeit, Fehler zu korrigieren. Ich hatte diese Reserve nicht.

BIKE: Warum so niedrig?

Schwärzler: Höher wäre kein Problem gewesen – aber unsere Kameradrohne kam nicht höher. Ein Helikopter wäre die Alternative gewesen, hätte das Budget aber gesprengt.

BIKE: Beim Zuschauen dachte ich sofort an dein Kettenblatt. Was, wenn das die Ballonhülle aufschlitzt?

Schwärzler: Die Hülle ist tatsächlich überraschend dünn. Deshalb haben wir sie im Startbereich verstärkt. Schwieriger war etwas anderes: Oben im Ballon sitzt die Lüftungsklappe. Bei den Proben fiel mir das Bike genau in dieses Loch. Wäre mir das in der Luft passiert, hätte ich über dem Brenner geschmort wie ein Grillhähnchen.

BIKE: Nicht gerade beruhigend.

Schwärzler: Deshalb haben wir Netze eingebaut. Ganz schließen konnten wir die Öffnung aber nicht, weil der Ballon sonst nicht mehr funktioniert hätte. Ich musste also höllisch aufpassen.

BIKE: Welche Worst-Case-Szenarien hattest du im Kopf?

Schwärzler: Erstens: Ich falle in die Lüftungsklappe. Zweitens: Ich verhake mich im Bike. Drittens: Der Ballon fängt Feuer.

BIKE: Feuer?

Schwärzler: Das ist in Brasilien letztes Jahr tatsächlich passiert. Der Ballonstoff geriet in die Flamme – und der Ballon brannte ab. Deshalb trug bei uns jeder an Bord einen Fallschirm. Selbst der Drohnenpilot musste Fallschirmspringer sein. Gar nicht leicht, einen Drohnepiloten mit Fallschirmlizenz zu finden!

70.000 Euro für einen Traum

BIKE: Dein Bike landete übrigens erstaunlich sanft.

Schwärzler: Dafür hatte es einen eigenen Fallschirm. Der wurde über ein automatisches Notsystem ausgelöst – genau wie bei Fallschirmspringern. Hat perfekt funktioniert.

BIKE: Wie groß war dein Team?

Schwärzler: Rund 20 Leute.

BIKE: Und was kostet ein Stunt dieser Größenordnung?

Schwärzler: Etwa 70.000 Euro. Allein Ballon, Umbauten und Training verschlingen einen großen Teil davon.

BIKE: Was sagt deine Familie zu solchen Ideen?

Schwärzler: Früher fand meine Mutter das überhaupt nicht lustig. Als ich mein Studium abgebrochen habe, hat sie geweint. Heute weiß sie, wie akribisch ich alles vorbereite. Deshalb vertraut sie mir. Das gilt auch für meine Freundin und den Rest der Familie.

„Mein nächstes Ziel: 300 km/h.“

BIKE: Was erhoffst du dir von so einem Projekt?

Schwärzler: Eigentlich erhoffe ich mir gar nichts. Für mich ist es Freiheit. Dass ich solche Ideen tatsächlich umsetzen darf. Ich bin weder der talentierteste Fahrer noch der beste Bike-Athlet. Aber ich möchte zeigen, dass scheinbar Unmögliches möglich wird, wenn man bereit ist, Zeit, Energie und Arbeit hineinzustecken.

BIKE: Wirtschaftlich scheint sich der Aufwand ebenfalls zu lohnen.

Schwärzler: Absolut. Mehr als 200 Fernsehsender weltweit haben berichtet. Der mediale Gegenwert liegt offiziell zwischen drei und fünf Millionen Euro. Das hilft natürlich enorm, den nächsten Stunt zu finanzieren.

BIKE: Was hast du vor?

Schwärzler: 300 km/h. Auf dem Fahrrad. Hinter einem Formel-1-Auto.

BIKE: Wir melden uns dann wieder zum Interview. Hoffentlich mit beiden Füßen auf dem Boden.

Schwärzler: (lacht) Darauf würde ich mich nicht verlassen.

Wer ist Elias Schwärzler?

Elias Schwärzlern (31) ist Stuntman, Bike-Abenteurer, betreibt ein Fashion-Label und die größte Fahrtechnikschule der Welt. Der Vorarlberger hält einen Geschwindigkeitsweltrekord, Millionen sehen sich seine Bikevideos an.

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Dimitri Lehner ist diplomierter Sportwissenschaftler. Er studierte an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – neben Biken ganz vorne: Windsurfen, Skifahren und Fallschirmspringen. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend!

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