Die US-Amerikanerin galt lange Zeit als DH-Nachwuchstalent Nummer eins, doch plötzlich blieben die Erfolge aus. Sam versuchte sich fortan als Freeriderin. Sie lebt in Utah, in der Nähe des Austragungsortes der Red Bull Rampage. Schnell lernt Sam komplexe Tricks und wird von großen Firmen wie Canyon oder Adidas entdeckt. Sie war das Gesicht der EOFT 2024/2025 und hatte einen eigenen Filmbeitrag. Ihr Film wird ist hier verfügbar: outdoor-cinema.net
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BIKE: Sam, du warst diesen Winter im Rahmen des EOFT (European Outdoor Film Festival) in vielen europäischen Kinos zu sehen. Der Film dokumentiert deine Suche nach deinen Wurzeln. Wie kamst du auf die Idee?
SAMANTHA SORIANO: Ich bin in den USA geboren, mein Vater ist aber von den Philippinen ausgewandert. Die Idee blinkte irgendwann in meinem Postfach auf. Biker von den Philippinen waren auf meinen Insta-Account gestoßen. Sie hatten von meinen philippinischen Wurzeln erfahren und luden mich ein, ihre Trails zu erkunden. Natürlich dachte ich mir, dass das eine gute Idee für ein Video wäre. Irgendjemand bei EOFT hat davon Wind bekommen.
Deine Geschichte im Film ist sehr persönlich. Gab es einen Moment, in dem du dachtest: Stopp, das ist zu intim, um es auf der großen Leinwand zu zeigen?
Nein, es ist zwar eine verletzliche Geschichte und eine sehr persönliche noch dazu, aber ich finde, es ist eine schöne Geschichte. Und ich teile sie gerne.
Im Video geht es um die Menschen. In den Actionszenen zeigst du nicht ansatzweise, was du kannst. Ärgert dich das im Nachhinein?
Da magst du recht haben. Aber nein, es ärgert mich nicht. Ich bin auf genügend Videos in Utah zu sehen, in denen ich mein Limit ausreize. Es war Zeit für einen anderen Ansatz. Zudem können sich viele eher mit Trailriding identifizieren als mit Stunts irgendwo in der Wüste Utahs.
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Apropos Utah: Beim wichtigsten Freeride-Event, der Red Bull Rampage, waren zum ersten Mal Frauen am Start. Du warst zwar vor Ort, hast aber nicht teilgenommen. Bereust du, nicht dabei gewesen zu sein?
Nein, ich hatte mich beworben und war in der engeren Auswahl, aber am Ende hat es nicht geklappt. Traurig bin ich deswegen nicht, denn jetzt weiß ich, was mich dort erwartet. Du musst wissen, die Stimmung unter den Frauen vor der Rampage-Premiere war an-gespannt. Niemand wusste, was auf uns zukommt. Am Ende ist alles super gelaufen, und es war gar nicht so beängstigend und unmöglich, wie wir alle dachten.
Lust auf mehr starke Frauen im Sport? Wir haben sie im Interview:
Ich dachte, du hättest dich bewusst gegen die Teilnahme entschieden.
Am Anfang ja. Ich war nervös und wollte mir das erst mal anschauen, habe es mir dann aber in letzter Minute anders überlegt und mich beworben.
Du stehst bei Canyon und Adidas unter Vertrag. Spürst du den Druck, weil alle denken: „Mensch Sam, warum bist du nicht dabei?“
Ich werde oft darauf angesprochen, aber ich kann damit umgehen. Ich habe meine Gründe, ich bin noch jung und habe noch viel Zeit. Warum etwas überstürzen, wenn ich es im Moment nicht spüre?
Funktionierst du unter Druck?
Puh, das ist ein eigenes Thema, das mich seit vielen Jahren beschäftigt. In einem Satz: Ich glaube, ich kann noch besser werden. Ich mag Filmprojekte mehr als Wettbewerbe. Und das nicht ohne Grund: Bei Filmprojekten gibt es zwar auch Druck, aber nicht so auf den Moment heruntergebrochen. Verstehst du? Ich bin jung, ich werde noch Erfahrungen sammeln und stärker werden.
Du klingst sehr reif, aber auch ein bisschen so, als hättest du dir den Satz schon zurechtgelegt.
Zurechtgelegt? Du musst wissen, ich fahre Rennen, seit ich ein kleines Mädchen bin. Ich habe viele Höhen und Tiefen erlebt. Es ist nicht so, als hätte ich mir über die Thematik noch keine Gedanken gemacht.
Erzähl.
Mit 17 war ich die jüngste US-Downhill-Meisterin. Das hat mir viel Aufmerksamkeit gebracht. Danach verlor ich die Geschwindigkeit, egal was ich tat, ich war zu langsam für das Podium. Racing nahm mir die Freude am Biken und sogar am Leben. Auf die Freeride-Schiene zu wechseln, war ein Segen.
Hier gab es keinen Wettbewerbsdruck mehr.
Na ja, Druck hat man in allen Lebenslagen. Vor allem im Beruf. Und Biken ist mein Job. Die Red Bull Formation 2022 war eine Art Test für die Red Bull Rampage. Auch hier hatte ich das Gefühl, dass ich mich nicht verbessern konnte. Also bin ich wieder in ein Loch gefallen. Und gefühlt bin ich erst zwei Jahre später wieder herausgekrochen. Du kannst dir vorstellen, was das mit dir macht. Ich hatte Flashbacks zu meiner Racing-Karriere. Ich trat auf der Stelle.
Wie bist du aus dem Loch gekommen?
Mein Teamkollege Braydon Bringhurst hörte von meinen Zweifeln und empfahl mir das Buch „The Fearless Mind“.
"Das klingt abgedroschen, aber es ist die Wahrheit: Was du dir selbst sagst, wird passieren."
Lass uns teilhaben.
Das klingt abgedroschen, aber es ist die Wahrheit: Was du dir selbst sagst, wird passieren. Erfolg kommt von Selbstvertrauen. Wenn du glaubst, du hast keinen Style, dann wirst du auch scheiße auf dem Bike aussehen. Außerdem lernt man, den Weg zum Ziel zu zelebrieren. Genieße es, einen Trick zu lernen, ob du ihn am Ende schaffst oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Es war ein Augenöffner.
Nachdem du das Buch gelesen hast, kamst du auf die Idee, Aufkleber zu machen mit dem Slogan: „You can do this!“
Genau. Es ist verrückt, wie viel Resonanz ich bekommen habe. So viele Nachrichten, dass ich gar nicht dazu kam, alle zu beantworten. So kam ich auf die Idee, die Aufkleber zu verkaufen. Die Nachfrage überstieg meine Vorstellungskraft. Ich komme kaum hinterher, weil ich die Sticker selbst mache.
Die Red Bull Rampage gilt bei den Männern als Löwengrube. Haben die Frauen die Ellenbogen auch ausgefahren?
(lacht) Wir Frauen sind Pioniere und kämpfen für die gleiche Sache. Wenn es jedoch zur Sache geht, kämpft jede für sich. Und ich glaube, das ist auch notwendig, um das Level zu pushen. Du brauchst diesen Schub, um dich zu überwinden, große Sprünge zu machen.
Du bist viel mit Jungs unterwegs und kennst beide Fahrerlager. Wie würdest du den Unterschied beschreiben?
(lacht) Die Frauen fahren die Ellenbogen mehr aus als die Männer. Die Männer wirken auf mich zudem oft lockerer.
Echt? Ja, aber das liegt vielleicht auch daran, dass es in der Branche lange Zeit sehr wenig Platz für Frauen beim Freeriden gab. Frauen hatten daher mehr Angst, hinten runterzufallen. Mittlerweile ist das anders, deshalb ist die Stimmung auch unter uns Frauen lockerer.
Du warst bei der Rampage dabei, hast die Lines gesehen. Hättest du das Zeug gehabt, auf dem Podium zu stehen?
Das ist schwer zu sagen, weil es nicht meine Lines waren. Doch ich hab das Zeug für die Rampage.
Manche sagen, Freeriden und Wettkampf passen nicht zusammen, was denkst du?
Ich denke, beim Freeriden ist alles möglich. Wie der Name schon sagt. Ob Wettkampf, Video-Contest, Jamsession. Egal was.

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