Red Bull Hardline zieht weiter. Nach Wales und Tasmanien gastiert das Einladungsrennen erstmals in Kanada – am Cypress Mountain nördlich von Vancouver. Dort trifft die Weltelite des Downhill-Sports auf eine Strecke, die wenig mit einem gewöhnlichen Weltcup-Kurs gemein hat. Hardline mischt klassisches Downhill mit Dirt-Jump-, BMX- und Motocross-Elementen. Das Ergebnis: riesige Sprünge, Steinfelder, schiefe Kurven und Drops von mehr als zehn Metern. Nicht umsonst nehmen die Atherton-Brüder Dan und Gee für ihre Idee den Titel: Härtestes Downhill Rennen der Welt in Anspruch.
Rund zwei Kilometer ist der Kurs lang. Laut Veranstalter verliert er dabei 543 Höhenmeter. Die Fahrer erreichen bis zu 72 Kilometer pro Stunde, der höchste Drop misst knapp elf Meter, der längste Sprung bis zu 30 Meter. Beim „Lily Pad“ fliegen sie über einen 30 Meter breiten Spalt und neun Meter in die Tiefe. Ein Name wie aus dem Gartenteich, ein Hindernis wie aus einem Albtraum.
Hinzu kommt, was Streckenbauer höflich „off-camber“ nennen: Kurven hängen nach außen statt nach innen. Wer zu schnell fährt, fliegt heraus. Wer zu langsam fährt, erreicht den nächsten Sprung nicht. Dazwischen liegt die Ideallinie.
Am Samstag, den 17.10.26 ist es soweit. Man kann das Rennen live auf Red Bull TV gucken mit dem Kultmoderator Rob “Look at the Time” Warner.
Entworfen wurde auch dieser Kurs von den Hardline-Schöpfern Dan und Gee Atherton. Justin „Viper“ Wyper und sein zehnköpfiges Team setzten ihn in den kanadischen Berg. Lokale Größen wie Jackson Goldstone halfen bei der Suche nach dem Gelände. Tonnen von Erde wurden bewegt, Holzkurven gebaut und Schneisen durch den Wald gelegt. Rund 7.000 Arbeitsstunden sollen in der Strecke stecken. Nun benötigen die Fahrer nur wenige Minuten, um sie hinunterzurasen.
Hardline bleibt trotz aller Freeride-Anleihen ein Rennen. Es gibt keine Stilnoten und keinen Bonus für besonders schöne Flüge. Einer startet, die Uhr läuft, der Schnellste gewinnt. Wer den markierten Kurs verlässt, muss an derselben Stelle zurückkehren. Sonst folgt auf den Abflug die Disqualifikation.
Begonnen hat Hardline 2014 im walisischen Dyfi Valley. Danny Hart gewann die Premiere. Die Schottin Louise Ferguson gewann dort die erste eigene Frauenwertung.
Seit 2024 gehört auch Tasmanien zur Hardline-Landkarte. Dort siegten Rónán Dunne und Gracey Hemstreet bei der Premiere, Jackson Goldstone und erneut Hemstreet 2025 sowie Asa Vermette und Hemstreet 2026. Hemstreet hatte 2024 als erste Frau überhaupt einen kompletten Hardline-Finallauf bewältigt – und gleich gewonnen. Kanada ist nun der dritte Kontinent und die nächste Eskalationsstufe. (redbull.com)
Am Freitag, 16. Oktober, stehen Training und Qualifikation an. Die Zeiten legen die Startreihenfolge für das Finale fest. Am Samstag, 17. Oktober, folgt ab 12 Uhr Ortszeit das Hauptrennen. In Mitteleuropa beginnt die Liveübertragung um 21 Uhr auf Red Bull TV. (redbull.com)
Dann zählt nur noch eine Frage: Wer bringt Tempo, Technik und Nerven gleichzeitig ins Ziel? Denn bremsen kann am Cypress Mountain vernünftig sein. Schnell ist es selten.
Männer:
Frauen:
Red Bull Hardline begann 2014 im Dyfi Valley in Nordwales. Dan Atherton entwarf dort keinen gewöhnlichen Downhill-Kurs, sondern eine Art ultimative Herausforderung für alle Gravitybiker mit riesigen Sprüngen, tiefen Abgründen und Anleihen aus Dirt Jump, BMX und Motocross. Starten darf nur, wer eingeladen wird. Das ist weniger elitär, als es klingt – denn in der Vergangenheit war es teilweise schwierig, überhaupt Teilnehmer zu finden, die sich diesen Irrsinn antuen wollten.
Die einzigen, die bisher an der Hardline teilnahmen waren das Cerreo Abajo Ass Johannes Fischbach und Erik Irmsch.
Bernard Kerr ist mit drei Siegen der Rekordgewinner des walisischen Rennens. Louise Ferguson gewann die Premiere der Frauen und absolvierte als erste Fahrerin den kompletten walisischen Kurs im Renntempo.
Die Gewinner von Red Bull Hardline Wales
| 2014 | Danny Hart (Großbritannien) | – |
| 2015 | Ruaridh Cunningham (Großbritannien) | – |
| 2016 | Bernard Kerr (Großbritannien) | – |
| 2017 | Craig Evans (Großbritannien) | – |
| 2018 | Gee Atherton (Großbritannien) | – |
| 2019 | Bernard Kerr (Großbritannien) | – |
| 2020 | Abgesagt: Covid-19-Pandemie | – |
| 2021 | Bernard Kerr (Großbritannien) | – |
| 2022 | Jackson Goldstone (Kanada) | – |
| 2023 | Abgesagt: zu starker Wind | – |
| 2024 | Rónán Dunne (Irland) | – |
| 2025 | Asa Vermette (USA) | Louise Ferguson (Großbritannien) |
Seit 2024 besitzt Hardline einen zweiten Schauplatz im Maydena Bike Park auf Tasmanien. Dort führt die Strecke durch dichten Wald und über wechselnde Untergründe bis zum rund 30 Meter langen Zielsprung. Gracey Hemstreet gewann bislang jede Frauenwertung in Tasmanien. 2026 verhinderte Starkregen das Finale; deshalb entschieden die Zeiten aus dem Seeding über den Sieg. Asa Vermette und Hemstreet waren dort die Schnellsten. (redbull.com)
Die Gewinner von Red Bull Hardline Tasmania
| 2024 | Rónán Dunne (Irland) | Gracey Hemstreet (Kanada) |
| 2025 | Jackson Goldstone (Kanada) | Gracey Hemstreet (Kanada) |
| 2026 | Asa Vermette (USA) | Gracey Hemstreet (Kanada) |
Mit British Columbia kommt 2026 der dritte Austragungsort hinzu. Die Kanada-Premiere steigt am 17. Oktober 2026. Bis dahin bleibt Cypress Mountain eine offene Rechnung – knapp zwei Kilometer lang, gut 500 Höhenmeter tief und mit reichlich Kleingedrucktem für die Unfallversicherung.

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