Nino Schurter im InterviewDie neue Rolle der Cross-Country-Legende

Jan Timmermann

 · 14.05.2026

Nino Schurter hat seine Worldcup-Karriere beendet. Im Interview verrät wer, welche neuen Ziele er sich gesteckt hat.
Foto: Gian Ehrenzeller
Mit 36 Weltcupsiegen, zehn Elite-Weltmeistertiteln und einem vollen Olympia-Medaillensatz hat Nino Schurter im Cross-Country-Sport alles gewonnen, was möglich ist. Das Ausnahmetalent gilt in der Geschichte als der erfolgreichste Mountainbiker seiner Disziplin. Letztes Jahr beendete der Schweizer diese Karriere. Wir haben herausgefunden, was die neuen Pläne von Nino Schurter sind.

​Nino Schurter begann seine internationale Karriere im Cross-Country-Mountainbikesport bereits als Junior und machte früh mit starken Ergebnissen auf sich aufmerksam. Schon in den Nachwuchskategorien gewann er Weltmeistertitel, bevor er nahtlos in die Eliteklasse aufstieg.

Dort entwickelte er sich schnell zu einem dominierenden Fahrer im Cross-Country-Weltcup. Sein Durchbruch auf globaler Bühne gelang Nino Schurter mit mehreren Weltmeistertiteln ab 2009, die er über die Jahre hinweg immer wieder verteidigen konnte.

Besonders bemerkenswert ist seine Konstanz: Während viele Konkurrenten im Laufe der Jahre wechselten, blieb er ein zentraler Maßstab im Cross Country und setzte für seinen Sponsor Scott immer wieder neue Standards in Technik und Renntaktik.

Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg gehörte er zur absoluten Weltspitze und gewann zahlreiche Gesamtwertungen im Weltcup. Ein Höhepunkt seiner Karriere war der Olympiasieg bei den Spielen in Olympische Sommerspiele 2016, nachdem er zuvor bereits Silber (2012) und Bronze (2008) geholt hatte.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Nach einer unvergleichlichen Rennkarriere treibt es Nino Schurter nun zu neuen Zielen. Im Interview haben wir herausgefunden, welche das genau sind.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

The GOAT in neuer Funktion

BIKE: Du giltst im Cross-Country-Sport als GOAT - “Greatest Of All Time”. Letztes Jahr hast du das Ende deiner Weltcup-Karriere bekanntgegeben. Beschreibe doch mal deine neue Rolle.

Nino Schurter: Ich bin immer noch Fahrer im Scott Sram Team. Zwar starte ich nicht mehr im Worldcup, habe aber immer noch coole Events im Auge. Bei Media-Camps oder Dealer-Weeks darf ich Scott und Sram weiterhin als Abassador vertreten. Zu 50 Prozent bin ich aber weiterhin Rennfahrer. Dabei sitze ich jetzt immer wieder auf dem Gravelbike, aber auch auf dem Mountainbike. Dieses Jahr starte ich zum Beispiel beim BC-Bike-Race in Kanada.

Die neue Worldcup-Saison im Cross Country hat gerade begonnen. Kitzelt dich das? Wärest du da gerne noch mit dabei?

Die neue Location in Korea hätte ich schon noch gerne gesehen. Viele Worldcup-Venues habe ich über die Jahre wirklich oft besucht. Da muss ich eigentlich nicht mehr dringend hin. Mit dem Worldcup habe ich abgeschlossen und für mich ist es total okay, dass ich jetzt gerade nicht mit dem Team umherreise.

Den Wettkampf kann ich bei Events, wie dem Traka Gravel-Race, immer noch haben. Er ist nicht mehr meine oberste Priorität, aber solche Events treiben mich weiter an guten Gewissens Zeit in mein Training zu stecken. Sicherlich werde ich bei den Worldcups in Lenzerheide und Leogang das Scott Sram MTB Team supporten. Eventuell auch in Amerika. Das ist noch nicht ganz klar.

Willst du bei den angesprochenen Events nur teilnehmen oder auch aufs Podium fahren?

Ein Podium ist nicht mein oberstes Ziel aber ich bin und bleibe natürlich ein kompetitiver Mensch. Ich möchte bei Events mit hohem Niveau weiterhin ausprobieren, was geht. Mit der Vorbereitung, die ich noch mache wird es aber wahrscheinlich sehr schwierig einen Sieg einzufahren.

2026 ist ein Übergangs-Jahr für mich, in dem ich etwas zurückschalten aber immer noch Athlet sein darf. Ich gebe mein Bestes aber das Resultat ist nicht mehr die wichtigste Priorität.

Du warst viele Jahre auf dem obersten Level eines sich sehr schnell entwickelnden Sports. Wo geht die Reise für Cross Country noch hin?

Man hat immer das Gefühl, dass es nicht besser werden könnte und dann kommt doch wieder etwas neues, das mich fasziniert. Früher war ein Cross-Country-Bike wirklich nur zum Rennen-Fahren gedacht. Das war nicht immer spaßig.

Heute haben wir richtig coole Bikes, die auch auf Trails perfekt funktionieren. Racebikes sind heute für viel mehr Mountainbiker die richtige Wahl. Cross Country ist über die Zeit auch für Biker attraktiver geworden, die hauptsächlich Spaß suchen, und wird es wahrscheinlich noch mehr werden.

Fazit

Nino Schurter ist eine der ganz großen Legenden unseres Sports. Seine Karriere und schließlich sein Abschied von der Worldcup-Bühne werden unvergessen bleiben. So ganz kann er es aber nicht lassen. Schurter bleibt im Herzen Rennfahrer und wir dürfen seine Bike-Skills noch bei dem ein oder anderen Event bestaunen. Sein Spaß am Mountainbiken ist definitiv ansteckend! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

Meistgelesen in der Rubrik Events